Ausgabe 03/00
Die Themen:
- Neues von Beethoven, 1. Teil
- Termine, Termine, Termine
- Herbert Paetzold und das "klingende Sperrholz"
- Die Recorder Homepage
- Musikgymnasium Berlin
- Hans Ulrich Staeps
- Notenlinie, D- 75344 Straubenhardt
- Kongresse, Symposien, Seminare
- Betriebsausflug (zum Flötenbauer nach Fulda)
- Forum Windkanal
- Interessant & informativ
von Nik Tarasov
Der
große Komponist und das kleine Instrument? Wohl kaum ... Genauer: Beethoven im
Zusammenhang mit dem Csakan, dem Vertreter der Blockflöte in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts?!? Davon wagen wir nicht einmal zu träumen. Und doch sind
erstaunliche Spuren und Hinweise aufgetaucht – Nik Tarasov ging ihnen nach ...
Eigentlich
ist es ganz einfach: Man muss nur die erhaltenen Konversationshefte (1)
aufschlagen, welche Beethoven und seine Gesprächspartner auf Grund der Taubheit
des Meisters beschrieben.
Unter
dem Gesichtspunkt des Csakan-Kundigen durchgeackert, finden sich interessante
Vermerke: Beethoven hatte durchaus Kontakte zum Csakan, zu seiner Musik und zu
Csakanspielern.
Offenbar von der der großen Musik verpflichteten Wissenschaft als geringfügig
betrachtet und von den Blockflötensuchenden als unwahrscheinliche Quelle unberührt
gelassen, dürfte es nun an der Zeit sein, etwas Licht in die Angelegenheit zu
bringen.
Band
8 – Heft 93, September 1825
Bei
einem Gespräch Beethovens mit seinem ihm freundschaftlich verbundenen Verleger
Tobias Haslinger (1787–1842) findet sich auf Seite 11 r unter anderem dieser
Eintrag in nacheinander folgender Reihenfolge:
Krönungs-Walzer
werden woll bei Diabelli erscheinen
Eine
Charakt:[er] Sonate für Csakan in welcher ausgedrückt wie die neue Schiffbrücke
in Presburg gebaut wird.
Sellner ist ja Professor beim
Verein.
Ich
will aufs Jahr diese Idée ausführen
Die Hintergründe schildern sich wie
folgt:
Mit
den Krönungs-Walzern dürften wohl die Gelegenheitskompositionen gemeint sein,
welche am 25. September 1825 zu Pressburg aus Anlass der Krönung Kaiserin
Carolina Augustas zur Königin von Ungarn verfertigt wurden. Zahlreiche Verlage
schlossen sich dem Projekt an. So erschien beim Wiener Verleger Diabelli der Krönungsmarsch
op. 101 für Klavier von einem der bedeutendsten früheren Schüler Beethovens,
Carl Czerny (1791–1857), welcher auch in Fassungen für andere Instrumente
herausgegeben wurde. Darunter finden sich Einrichtungen für ein oder zwei
Querflöten mit Gitarrenbegleitung, aber auch eine Version für Csakan und
Gitarre oder zwei Csakans, welche unter der Rubrik R. 2, F.24 gedruckt worden
ist und heute leider als verschollen gelten muss.
Haslinger
spielt in seinem Gespräch mit Beethoven wohl insbesondere darauf an, wohl, um
den Komponisten für dieses populäre Thema zu sensibilisieren.
Im
Verlauf des Gespräches dürfte in Verbindung zur Krönung auch das Thema auf
ein weiteres Nationalereignis gekommen sein, nämlich, dass ab dem 11. September
1825 in Pressburg für die Dauer der Einberufung des Ungarischen Reichstages
durch Kaiser Franz I. eine Pontonbrücke über die Donau errichtet worden war,
die schon am 2.9.1825 für den öffentlichen Verkehr freigegeben werden konnte.
Eine solche Großtat fürs gemeinschaftliche Wohl dürfte den freiheitsliebenden
Beethoven weitaus mehr imponiert und ihn, wie schon öfter, zu kompositorischen
Gedanken inspiriert haben. (Darauf werden wir an anderer Stelle noch zu sprechen
kommen, auch im Bezug auf den Csakan.)
Gesellschaftliche
Ereignisse wurden übrigens später sehr häufig zum Ausgangspunkt musikalischer
Werke. Man denke nur an die vielen Charakterwalzer aus der Strauss-Fabrik,
welche, wiederum im Haslinger Verlag instrumentiert und arrangiert, bis weit in
die 50er Jahre von namhaften Musikern auch für Csakan bearbeitet wurden.
Da
die Csakanmusiken sich in dieser Zeit in Mode befanden und sich gut verkauft
haben dürften, mögen ernsthafte Erwägungen über einen Kompositionsbeitrag
Beethovens naheliegend gewesen sein, wie der Eintrag ins Konversationsheft bekräftigt.
Interessant ist, dass Beethoven, der um deftig kategorische Aussprüche nie
verlegen war, das Projekt nicht von vornherein abwegig beurteilt zu haben
scheint. Und das umso mehr, als er sich in jener Zeit nur noch mit weitläufigen
Meisterwerken zu beschäftigen pflegte.
So
lässt auch das Vorhaben, eine ausgewachsene Sonate schreiben zu wollen, dazu
noch als Charakterstück zum Thema der Donaubrücke, die Herzen höher schlagen.
Von
etwaigen Problemen oder abschätzigen Bemerkungen über das einem Beethoven
eigentlich unwürdige Instrument Csakan ist denn auch keine Rede.
Auch
wenn die Äußerung, „die Idee aufs Jahr auszuführen“ mit dem Vorhaben in
Zusammenhang gebracht werden könnte, ist uns über den weiteren Verlauf der
Angelegenheit nichts bekannt.
Es
ist also wahrscheinlich nicht zu dieser Komposition gekommen, welche einerseits
in Beethovens Spätwerk eine einsame Sonderstellung innegehabt hätte und
andererseits einem Donnerschlag ins Repertoire des Csakans gleichgekommen wäre.
Für uns Blockflötisten bleibt also leider alles beim Alten, auch wenn der
Jammer gewaltig ist – zumindest,
was diese Geschichte angeht ...
Vielleicht
hätte der berühmteste Csakanvirtuose Ernest Krähmer solch ein Projekt vorwärtstreiben
können. Vermutlich war dieser jedoch in dieser Zeit nicht in Wien, sondern
wahrscheinlich immer noch mit seiner Frau Caroline auf einer musikalischen
Kunstreise durch die Provinzen und an den Dresdner Hof.
Ob
Krähmers Kollege Joseph Sellner (1787–1843) hier hätte einspringen sollen,
wie Haslinger in den Konversationen einstreut, muss offen bleiben, da nicht
bekannt ist, ob dieser selbst auch Csakan spielte. Beider Musiker Brotberuf war
das gemeinsame Oboenspiel in der k. k. Hofkapelle; Sellner war des weiteren
Professor am Konservatorium der Gesellschaft für Musikfreunde.
Bislang
unbeachtet war allerdings die Tatsache, dass das Musikerehepaar Krähmer mit
Beethoven seit längerem bekannt gewesen sein dürfte.
So
findet sich auf Seite 6 r folgende Notiz:
Die Schleicher, die du auch
kennst. Begegnet. Mit ihrem Mann.
Caroline
Krähmer, geb. Schleicher war seit 1815 mit Ernest Krähmer verheiratet und
wurde offensichtlich bei ihren vielbeachteten Soloauftritten als Klarinettistin
immer noch unter ihrem Mädchennamen geführt.
Ernest
Krähmer kommt darüber hinaus unter der kritischen Federführung in Beethovens
Konversationsheften auf Seite 8 v musikalisch auf weiter Flur als einziger gut
weg. In einem Gespräch über auswärtige Auftritte bekannter Wiener Solisten,
wie den Violoncellisten Joseph Merk (1795–1852) und den Flötisten Johann
Sedlaczek (geb. 1789) fällt folgender Ausspruch:
Seit Sedlazek mit so guten
Empfehlungen hinkam, und so schlecht spielte, hat auch der Credit der
Wiener-Virtuosen bedeutend verloren, so zwar, dass der König von Sachsen
Anstand nahm, den Oboisten Krämer spielen zu lassen.
Krähmer
spielte auf seinen musikalischen Konzertreisen mit seiner Frau Caroline übrigens
stets mehrere Instrumente, darunter gleichsam als Besonderheit auch meisterhaft
den Csakan, was in einigen Presseberichten eindrücklich dokumentiert ist.
Neben
Krähmer ist auch noch eine weitere Persönlichkeit aus den Reihen der
prominenten Csakanisten mit Beethoven bekannt gewesen.
Es
handelt sich dabei um Wilhelm Klingenbrunner (1782–1850), von Beruf
Obereinnehmer beim niederösterreichischen Landobereinnehmeramt, daneben aber
vor allen Dingen ein musikalischer Tausendsassa. Als Flötist und Komponist war
er ausübendes Mitglied der Gesellschaft der Musikfreunde. Unter dem Pseudonym
Wilhelm Blum betätigte er sich auch als Textdichter für das Leopoldstädter
Theater, welches ohnehin eine wahre Brutstätte für Csakanartiges gewesen zu
sein scheint, wie dies anderweitige Verbindungen vermuten lassen.
Klingenbrunner
sang, spielte Klarinette und Bassetthorn und veröffentlichte nach Gustav
Schillings Musikalischem Lexikon von 1840 „einige 50, bei aller
Anspruchslosigkeit beliebt gewordene Werkchen für die Flöte und den Czakan,
theils Originalien, theils Arrangements; ... und eine auf selbst gewonnenen
Erfahrungen basierte Flötenschule in zwei Abtheilungen“ (womit seine 1815
erschienene Csakan-Schule gemeint sein dürfte).
Klingenbrunners
musikalischer Horizont dürfte sich mit dem Beethovens nur mäßig gemischt
haben.
So
lesen wir im Konversationsheft 110 vom Mai 1826 auf Seite 6 v, Klingenbrunner
habe zusammen mit anderen „geschmirt“ (also einigermaßen falsch
gespielt).
Trotzdem
mag der besänftigte Beethoven zu ihm ein freundschaftliches Verhältnis
gepflegt haben, da er danach mit diesem in Gesellschaft ausgegangen war. Wir
lesen hierzu in Heft 113 vom Juni 1826 auf Seite 16 r: „Er [Klingenbrunner]
soll uns ein Mahl zusammen in die Leopoldstadt ins Theater führ[en].“
Auch
wenn dabei das eine oder andere Wort in Sachen Csakan gefallen sein dürfte –
die Zuwendung hatte einen weitaus profaneren Grund, den wir durch ein recht
schalkhaftes Stichwort Beethovens im selben Heft auf Seite 13 v entschlüsseln:
„Fischoberaufseher“
Laut einhelligen
Untersuchungen scheint sich Klingenbrunner demzufolge um die Besorgung von Fisch
für Beethoven gekümmert zu haben. Da er in der Leopoldstadt wohnte, übermittelte
er vermutlich Beethovens Bestellungen an die Fischhändlerin Therese Jonaß,
deren Verkaufsstand im dortigen Stadtviertel vermutet wird.
Eine
Begebenheit dürfte dieses Verhältnis wieder schwer belastet haben.
Im Verlauf des Jahres 1826 scheinen die
Fischbestände drastisch abgenommen zu haben, so dass dieser schwer zu bekommen
war und eben nicht immer in gewünschter Qualität.
In
Heft 120, im September 1826, auf Seite 48 v lesen wir folgende Begebenheit:
Ich habe einen verdorbenen
Magen / Klingenbrunner / Er ist für die Flöte das, was Gelinek für das
Klavier war. / Nichts als Variationen vom gewöhnlichen Schlage.
Nun,
da war jemandem wohl gewaltig schlecht! Der Stab über Klingenbrunners
musikalische Fähigkeiten war wieder gebrochen. Der Vergleich zu Abbé Joseph
Gelinek (1758–1825), dem böhmischen Komponisten und Hauskaplan des Fürsten
Nikolaus von Esterhazy in Wien, welcher zu Beethoven ebenfalls eine wechselhafte
Beziehung erlebt hatte, dürfte nicht eben schmeichelhaft gemeint gewesen sein.
Gelinek
veröffentlichte 1812 übrigens ebenfalls selbst ein Werk für Csakan und
Klavier, ein Rondo (Neuausgabe bei Carus 11. 234), welches im folgenden Jahr bei
Diabelli auch für Csakan und Gitarre erschienen ist. Vom Stück existiert noch
eine handschriftliche Einrichtung für Viola und Klavier.
In
der nächsten WINDKANAL-Ausgabe heften wir uns auf weitere Spuren bezüglich
Beethovens Beziehung zum Csakan: Ein Instrument, das sich in seinem Besitz
befunden hat und Musik, die unter seinem Namen für Csakan herausgegeben wurde.
Anmerkung:
(1) Ludwig van Beethovens
Konversationshefte, herausgegeben 1972–1993 im VEB Deutscher Verlag für Musik
Leipzig, später Deutscher Verlag für Musik Leipzig, Bd. 1–10
Der
Csakan
Nachdem die barocken Blockflöten für die
fortschreitende musikalische Entwicklung zunehmend unbrauchbar geworden waren,
entwickelten sich um 1800 verschiedene neue Formen. Im Einflussbereich Wiens
setzte sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts der sogenannte Csakan
durch. Ganz im Geiste romantischer Verklärung sah man seine Ursprünge gerne
in den anmutigen ungarischen Hirtenflöten und propagierte vorrangig die
sanftweiche Grundskala auf As, also gleichsam eine Art
„Mezzosopran-Register“.
Es handelt sich dabei wie
gehabt um eine Blockflöte mit Daumenloch und sieben vorderständigen Grifflöchern
– allerdings mit komplett neu gestalteter Innenbohrung, welche ein zeitgemäßes
Klangbild zuließ. Man unterscheidet zwei Ausprägungen: den einfachen Csakan
in Form eines Spazierstockes zum Musizieren unterwegs und den Komplizierten
Csakan, als wohl durchdachtes Konzertinstrument mit allerlei von der Oboe
beeinflussten Zusatzklappen.
Man
schätzt heute das Repertoire des Csakans auf etwa 500 Werke
unterschiedlichster Gattungen.
Nik Tarasov:
Kunst- und Musikstudium u.a. bei Prof. Mertin in Wien. Diplom und künstlerische
Reifeprüfung in den Fächern Blockflöte und Komposition. Studien im Blockflötenbau
bei Joachim Paetzold in Tübingen und gemeinsam mit ihm Entwicklung des neuen
Instrumententypes „Moderne Altblockflöte“. Aufbau der „Aeon Workshop
Collection“, einer Sammlung historischer Blockflöten. Internationale Konzert-
und Seminartätigkeit als Instrumentalsolist, Ensembleleiter, Komponist und
Arrangeur. CD-Einspielungen und Rundfunkaufnahmen. Herausgeber von Blockflötenmusik.
Seit 1997 Zusammenarbeit und Beratungstätigkeit für Conrad Mollenhauer, Flötenbau,
in Fulda. Mitglied im Redaktionsteam der Zeitschrift WINDKANAL.
Fotos: Horst
Schäfer, Nürnberg
Spazierstock-Blockflöte
Kopie
eines einfachen Csakans um 1820 nach F. Hell, gebaut von Elmar
Hofmann,
Nürnberg 1993
Komplizierter
Csakan
um
1820 nach S. Koch, gebaut von Herbert Paetzold 1979
(weltweit
erste Kopie eines Csakans überhaupt)
Beethovens
Brille und Hörrohre aus dem Nachlass
Beethovens Arbeitszimmer
Fortbildungs-Termine
im WINDKANAL 3’2000
August
|
5.-12.8. |
Orchester
Palagione |
|
6.-13.8. |
Musizieren
mit Blockflöten |
|
10.-19.8. |
Staufener
Studio für Alte Musik |
|
18.-24.8. |
Mentales
Training für Musiker – Intensivkurs Ltg:
Ulrike Klees-Dacheneder Ort:
Schloss Weikersheim Info:
Jeunesses Musicales Deutschland,
Tel: 07934/280, Fax: 8526, weikersheim@JeunessesMusicales.de, http://www.JeunessesMusicales.de |
|
19.-27.8. |
Festival
van Vlaanderen |
|
24.-31.8. |
Musikferien
für Kinder und Jugendliche Ltg:
Birgit Czaya (Block- und Querflöte) Ort:
Berlin Info:
Jeunesses Musicales-Berlin e.V., Tel: 030/5307 1224, Fax: 5307 1222 |
|
26.8.-2.9. |
„musica
e dolce vita“ |
|
27.8.-2.9. |
Singen,
Tanzen, Musizieren für Kinder von 9 bis 15 Jahren Info:
Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de,
http://db.allmusic.de/orga/amj
|
|
28.8.-5.9. |
ASPECTE
– „movere gli affetti“ Ltg:
Matthias Weilenmann, u.a. Ort:
Weikersheim Info:
Jeunesses Musicales Deutschland,
Tel: 07934/280, Fax: 8526, weikersheim@JeunessesMusicales.de,
http://www.JeunessesMusicales.de |
September
|
2.-3.9. |
Mehr Bewegung im Unterricht durch Rhythmik
|
|
8.-10.9. |
Familienmusik-Wochenende
|
|
9.9. |
Meisterkurs Blockflöte mit dem Flanders
Recorder Quartet
|
|
9.-10.9. |
Grundlagen des Blockflötenbaus
Theorie und Praxis: Blockeinpassen, Nachstimmen einer Blockflöte, Pflege und kleine Reparaturen Ltg:
Jo
Kunath |
|
14.-17.9. |
Tage
der alten Musik |
|
15.-17.9. |
Singen
mit Hand und Fuß Ltg:
Gerhart
Roth, Anne Kruse Ort:
31683
Obernkirchen Info:
Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de,
http://db.allmusic.de/orga/amj |
|
15.-17.9. |
Familienmusikwochenende |
|
15.-17.9. |
Familienmusik-Wochenende |
|
15.-17.9. |
Schottischer
Musikerworkshop |
|
16.-17.9. |
Klassik
& Romantik für Blockflötisten Originalinstrumente
aus der Romantik, Literatur und Stilistisches, Technik (Belcanto und
Legato), Bezugsquellen für Literatur u.a. Ort/Info:
Conrad
Mollenhauer, Flötenbau,
Fulda,
Tel: 0661/9467-0, Fax: 9467-36, seminare@mollenhauer.com,
www.mollenhauer.com |
|
16.-17.9. |
Blockflöte/Querflöte/Feeldenkrais |
|
16.-17.9.
|
Blockflöten
von Op bis Pop, von Renaissance bis Paul Leenhouts „Trance“ |
|
22.-23.9. |
Die
Eltern-Kind-Gruppe Musikalischen
Tun mit Eltern und ihren Kindern (Geburt bis 4 Jahre) Ltg:
Prof. Maria Seeliger Ort:
Darmstadt Info:
Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de,
http://db.allmusic.de/orga/amj
|
|
22.-23.9. |
Neue
Musik – Computermusik – Live-Elektronik
Ltg: Prof. Helmut W. Erdmann Ort:
Lüneburg Info:
Jeunesses Musicales Niedersachsen, Fortbildungszentrum für Neue Musik,
Tel: 04131/309390, erdmann@uni-lueneburg.de
|
|
22.-24.9. |
Familienmusikwochenende |
|
22.-24.9. |
Sing-
und Musizierwochenende für Kinder und Jugendliche |
|
23.-24.9. |
Die
Blockflöte im Gruppenunterricht
Das
Schulwerk „Blockflötensprache und Klanggeschichten“ und
„Multidimensionaler Instrumentalunterricht“: Methodische und
organisatorische Voraussetzungen für einen erfolgreichen
Gruppenunterricht. |
|
23.-24.9. |
Body
Percussion
|
|
27.9.-1.10. |
V.
Kammermusikkurse Saarbrücken |
|
29.9.-1.10. |
Klassische
Rhythmik – neu entdeckt? Ltg:
Reinhard
Ring, Barbara Schultze Ort/Info:
Akademie
Remscheid, Tel: 02191/794-0, Fax: 794-205, akademiers@aol.com,
http://www.ars-online.de |
|
29.9.-1.10. |
King’s
Music. Höfische Tanzmusik der Renaissance Ltg: Heida
Vissing Ort:
Elgersburg (bei Erfurt)/Thüringen Info:
Tre
Fontane Seminare, Tel/Fax: 0251/230 |
|
30.9.-3.10. |
ERTA
Kongress 2000 – Die Blockflöte in der neuen Medienlandschaft Multimedia/Neue
Spieltechniken/Live-Elektronik/Blockflöten-Wettbewerb 2000 Ort:
Paderborn Info:
ERTA e.V., Tel: 0721/707291, Fax: 788102 |
Oktober
|
3.-9.10. |
Herbstwoche
für Blockflöte, Gambe, Hackbrett und Chor |
|
6.-8.10. |
Musik
spielend erfinden |
|
7.10. |
Flexible
Unterrichtsmodelle |
|
7.-8.10. |
Musikalische
Früherziehung
|
|
8.-10.9. |
Familienmusik-Wochenende |
|
13.10. |
Dirigieren |
|
13.-14.10. |
Neue
Musik – Computermusik – Live-Elektronik |
|
13.-15.10. |
Rhyhtmische
Arbeitsweise mit Kindern und Jugendlichen |
|
14.-15.10. |
„Wie
man in den Wald hineinruft ...“ oder „Der Ton macht die Musik“ |
|
14.-21.10. |
Blockflöten-Ensemble-Kurs |
|
16.-27.10. |
Kammermusikförderkurs |
|
20.-22.10. |
Klezmer-
und Zigeunermusik aus Südosteuropa – Tradition und Improvisation |
|
27.-29.10. |
Internationale
Blockflötentage Engelskirchen |
|
28.-29.10. |
Ballads
of Birds – Einsatz der Blockflöte in der populären Musik |
|
29.10.-4.11. |
Fior
gentil |
November
|
2.-5.11. |
Körper
– Stimme – Instrument |
|
3.-5.11. |
Tanz-
und Musikwerkstatt – internationale Folklore |
|
3.-5.11. |
Klezmer-Kurs |
|
4.11. |
Einführung
in den Computer-Notensatz |
|
4.
und 18.11. |
Musik
am Computer |
|
10.-12.11. |
„Mein
Freund ist mein, und ich bin sein“ |
|
11.11. |
Inneres
Hören –Innere Tonvorstellung |
|
11.-12.11. |
Die
„Moderne Altblockflöte“ von Mollenhauer |
|
17.11. |
Multimedia
Schulung |
|
17.-19.11. |
Kammermusik
– Neue Musik – Improvisation |
|
17.-19.11. |
Klezmer
& Jiddische Lieder |
|
18.11. |
Der
ferne Barock |
|
18.-19.11. |
Wege
aus der Eintönigkeit – Multidimensionaler Instrumentalunterricht |
|
24.-25.11. |
Neue
Musik – Computermusik – Live-Elektronik |
|
25.-26.11. |
Ein
Blockflötenfest mit Hans-Martin Linde |
Aus
der Blockflötenwerkstatt
Herbert Paetzold und das „klingende
Sperrholz“
Viereckige Bassblockflöten aus Sperrholz: Mit der ungewöhnlichen Form seiner
Instrumente erregte der Blockflötenbauer Herbert
Paetzold vor 24 Jahren weltweit Aufmerksamkeit. Christina Berger berichtet über
den Werdegang des Blockflötenbauers, der eng mit der Entwicklung dieser
Instrumente zusammenhängt.
Vor
nunmehr beinahe 24 Jahren begann Herbert Paetzold sich intensiv mit dem Blockflötenbau
und speziell mit der Konstruierung und Entwicklung des viereckigen Bassmodells,
damals der Kontrabassblockflöte in F, zu widmen. Diese Idee und das Urmodel des
Kontrabasses – noch mit geradem Kopfteil – stammten ursprünglich von
Herbert Paetzolds Onkel Joachim, einem damals schon sehr bekannten, beliebten
und bis heute tätigen Blockflötenbauer aus Tübingen, der diese phantastische
Idee schon 10 Jahre länger mit sich herumtrug: Es müsste doch möglich sein,
tiefe Blockflöten wesentlich preisgünstiger herzustellen, wenn man sich auf
die Erfahrungen aus dem Orgelbau stützt. Die Form der klingenden Luftsäule (ob
zylindrisch oder rechteckig) spielt hier keine Rolle im Hinblick auf den Klang
– das müsste auch auf den Blockflötenbau übertragbar sein. Entscheidend ist
beim Flöten- (bzw. Pfeifenbau)
auch weniger das Material, sondern in erster Linie die Mensur und Oberflächenbeschaffenheit.
Joachim Paetzold führte diese Idee konsequent aus und begann die ersten
viereckigen Blockflöten – aus Sperrholz! – zu entwickeln.
Mitte der 70er Jahre war es dann so weit. Herbert Paetzold bekam von seinem
Onkel bei einem Besuch dessen gerade fertig gestelltes viereckiges
Kontrabassmodel gezeigt und war spontan von dieser Idee so begeistert, dass er
beschloss, sich nun endlich seinen Jugendtraum zu erfüllen, nämlich mit
Instrumenten umzugehen und diese zu fertigen.
Diesen Wunsch hatte er lange Zeit zurückgestellt: Nach dem Studium der
Elektrotechnik, zunächst beim Theater, anschließend
als Kameramann beim „Jungen Deutschen Film“
beschäftigt, hatte er danach mit seinem Bruder als Möbelschreiner
(Einbauküchen und -möbel) gearbeitet.
So begann er das Handwerk des Blockflötenbauers zu erlernen – weitgehend
autodidaktisch und mit der Unterstützung und Hilfe seines Onkels, den es nach
wie vor freut, dass der Neffe in seine Fußstapfen getreten ist und seine Idee
vervollständigt und weiterentwickelt hat. Dass er ursprünglich vom technischen
Bereich her kam, war für ihn dabei nur von Vorteil: So vorurteilsfrei und
tabubrechend konnte zu dieser Zeit nur jemand an den Flötenbau herantreten, der
gerade nicht
aus der „Alte-Musik-Szene“ kam, die damals noch sehr puristisch auf
historische Bauweisen fixiert war.
Auch für Herbert Paetzold galt von Anfang an das Ziel, Bassblockflöten
herzustellen, die leicht über 2 Oktaven spielbar, preislich erschwinglich und
spieltechnisch auch von Kindern zu bewältigen sind (vollständige Beklappung
aller Instrumente). Dieser Grundsatz hat bis heute das eigenwillige und
funktionell-nüchterne Design der Instrumente bestimmt.
Der Klang der Instrumente konnte aber auch Profis überzeugen: Frans Bruggen war
z.B. vom Kontrabass in F aus Birkensperrholz so begeistert, dass er 1977 gleich
drei Instrumente für sein Trio „Sour Cream“ mit Walter van Hauwe und Kees
Boeke bestellte.
1975 eröffnete Herbert Paetzold einen „Spezialladen für Blockflöten und
Cembali“ und entwickelte seine Kenntnisse und handwerklichen Fähigkeiten im
historischen Holzblasinstrumentenbau weiter.
Gleichzeitig arbeitete er ständig an der Weiterentwicklung und Verbesserung der
viereckigen Modelle (z.B. Knickbass, um Direktanblasen zu ermöglichen,
Verkleinerung der Mensur usw.).
1978 ging es dann aufs Land, zunächst nach Schnerzhofen, Gemeinde Markt Wald im
Unterallgäu, wo Paetzold neben der Weiterentwicklung und Vervollkommnung der
Kontrabassblockflöte in F ständig weitere Instrumente der Blockflötenfamilie
entwickelte, so z.B. die nächsthöhere tiefe Blockflöte, den Großbass in c
(selbstverständlich auch viereckig) und Ende 1995 das Basset in f (Bassblockflöte)
und den Subkontrabass in C – tiefster Ton klingend großes C, wie die tiefste
Cellosaite. Diese viereckige Subkontrabassblockflöte in C ist die tiefste
serienmäßig hergestellte Blockflöte der Welt und wird mittlerweile von
Musikern und auch Laien äußerst gerne für moderne Blockflöten-Kompositionen
wie auch im Bereich der Ensemblemusik verwendet.
Seitdem gibt es nun ein komplettes Quartett von viereckigen Bassblockflöten!
Auch erweiterte Herbert Paetzold in dieser Zeit sein Herstellungsprogramm durch
immer neue Kopien von Block- und Traversflöten alter Meister. So war er der
erste Blockflötenbauer, der die heute sehr beliebten Instrumente von Hironymus
Franziskus Kynseker nach Kopien aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg
fertigte und diese im selben Jahr bereits der Öffentlichkeit beim „Festival
van Vlaanderen – Brugge“ präsentierte.
Zudem war Herbert Paetzold
von 1978–1982 als Musiklehrer (Blockflöte und Ensemble) an der Städtischen
Musikschule Mindelheim tätig. Nahezu vollständig autodidaktisch erlernte er
das Spiel vieler unterschiedlicher Instrumente: Blockflöte, Klarinette,
Trompete, Klavier, Cembalo, Gitarre, Violine, Barockfagott und historische
Holzblasinstrumente.
1984
zog der Blockfötenbauer dann mit Werkstatt und Musikgeschäft von Schnerzhofen
direkt nach Markt Wald und gründete dort den „Flötenhof e.V.“, der durch
seine Kursprogramme und Konzertveranstaltungen vor allem im Bereich der Alten
Musik weit über die regionalen Grenzen hinaus bis ins benachbarte Ausland
bekannt ist. Schon in Schnerzhofen und auch in der doch 17 Jahre dauernden Übergangslösung
Markt Wald träumte Paetzold von einem „größeren Musikzentrum für Alte
Musik“ mit großer Werkstatt, Ladengeschäft, einem eigenen Konzert-, Kurs-
und Übungsraum und mehr Platz (Gästezimmer, Aufenthaltsraum usw.) für die
Musik- und Meisterkurse in seinem Haus. Doch musste er damit noch bis Juni 1996
warten, bis der Erwerb eines ca. 800 m² großen Hauses gelang, einer ehemaligen
Orgelbauwerkstatt (erstmals erwähnt 1874).
Vor
nunmehr 2 Jahren ist im neu erworbenen Objekt Ebenhofen, Landkreis Ostallgäu,
nunmehr ein kleines aber umfassendes Zentrum für Alte Musik entstanden, das in
ca. 2 weiteren Umbaujahren seiner Vollendung entgegen sieht und dann mit 9 Gästezimmern,
einem 83 m² großen Konzert-, Kurs- und Übungsraum und Aufenthaltsräumen für
Gäste und Kursteilnehmer seiner eigentlichen Bestimmung übergeben wird: zum
Thema Alter Musik Musikfreizeiten und Meisterkurse sowie Konzerte durchzuführen.
In seiner großräumigen Werkstatt fertigt Paetzold heute eine Vielzahl von
Instrumenten: Blockflöten in Sonderanfertigungen, preisgünstige Schulmodelle
von Sopran- bis Tenorblockflöte, eigene Entwicklungen von der Garkleinflöte
bis zum Subkontrabass, Kopien alter Meister und darüber hinaus Cembali, Gamben,
Violinen usw. Alle diese Instrumente, sowie entsprechendes Notenmaterial und
auch Instrumente von Kollegen und Bausätze nach historischen Vorlagen sind in
Herbert Paetzolds Musikfachgeschäft „Musica Antiqua“ in Ebenhofen zu
erwerben. Auch kommen in die „Instrumenten-Klinik“ des öfteren
„Patienten“ wie Blockflöten, Querflöten, Saiteninstrumente, Krummhörner
und einiges mehr.
Doch
das besondere Augenmerk des Blockflötenbauers gilt nach wie vor seinen tiefen
Blockflöten, den mittlerweile so genannten „Paetzold-Bässen“, mit denen er
sich in den vergangenen 25 Jahren in der gesamten Fachwelt einen Namen gemacht
hat. Diese Flöten werden nicht nur in Europa , sondern auf der ganzen Welt –
den USA, Japan, Australien, Korea usw. – verkauft.
Bis
heute ist Herbert Paetzold seiner Grundidee und der seines Onkels aus Tübingen
treu geblieben. Dabei ist er ständig dabei, seine Instrumente
weiterzuentwickeln und zu vollenden. In Gedanken und Planung ist noch ein
weiteres tieferes Instrument, das in ca. 3 Jahren auf den Markt kommen soll: der
Subsubkontrabass in FF, eine Quinte tiefer als der Subkontrabass in C! – wobei
Paetzold meint: „Dies müsste auf jeden Fall spiel- und bautechnisch noch möglich
sein.“
Internet
Die
Recorder Home
Page
Deutschland
www.blockfloetenbau.de
Australien
www.iinet.net.au/~nickl/recorder.html
USA www.classicalmus.hispeed.com/nickl/recorder.html
Ein Interview mit Nicholas Lander
Vom
australischen Domizil aus gestaltet der Biologe, Systematikfachmann und
begeisterte Blockflötist Nicholas Lander eine der umfangreichsten
Informationsplattformen im Internet zum Thema Blockflöte – die Recorder
Home Page.
Über
300 000 Verbindungen von über 18 000 Besuchern monatlich zeigen, dass hier ein
ungewöhnliches Forum entstanden ist, das von Blockflötenfreunden aus aller
Welt genutzt wird.
Dieser Beitrag wurde uns freundlicherweise von der englischen Blockflötenzeitschrift
Recorder Magazine zur Verfügung
gestellt. Wir geben ihn gekürzt in der Übersetzung von Nik Tarasov wieder.
Andrew
Mayes: Wie
ist die Recorder Home Page entstanden? Hat mehr dein beruflich geschulter Hang
zu Systematik, Kommunikation und zum Programmieren dazu geführt oder eher deine
Blockflötenbegeisterung?
Nicholas
Lander: Wohl etwas von
allem. Schon immer war ich ein hartnäckiger Sammler von Hinweisen auf alle
Arten von Musikinstrumenten und besonders der Blockflöte. Eine Auswirkung
meines Systematikerdaseins, vermutlich. Meine Bibliothek an Büchern,
Zeitschriften, Partituren, die Schränke voller Hinweise, Beurteilungen,
Abbildungen, Vorträge, Rezensionen und Korrespondenzen ist enorm. Vor einigen
Jahren wechselte ich in meinem Beruf von der Forschung ins
Wissenschaftsmanagement. Bei der Verantwortung für verschiedene Systeme zur
Entwicklung und Forschung innerhalb der riesigen wissenschaftlichen Abteilung
war es unumgänglich, die Veröffentlichungen ins Internet zu stellen. Beim Stöbern
zum Stichwort „Blockflöte“ fand ich damals aber rein gar nichts.
Eigentlich
nur, um einfach einmal etwas zum Thema im Netz zu haben, lernte ich den Umgang
mit der Programmiersprache HTML (die hypertext markup language hinter den
Webseiten) und setzte die erweiterte Fassung eines für das Australian Journal
of Musical Education geschriebenen Artikels auf. Dieser bildet immer noch das
Kernstück zu meiner Site, namentlich The
Recorder: Instrument of Torture or Instrument of Music?
(Die Blockflöte: Marter- oder Musikinstrument?). Diese Anstrengung förderte
umgehend die Aufmerksamkeit anderer Enthusiasten zutage, die mich dann mit
allerhand Fragen zu bombardieren begannen: Wo kauft man Instrumente, Noten,
Aufnahmen; wie greift sich diese oder jene Note; wo findet man einen bestimmten
Hinweis, usw. Die Site wuchs, als ich diesen Bedürfnissen Rede und Antwort
stand. Unter den frühesten Gesprächspartnern und bis zum heutigen Tage zählt
der italienische Blockflötenvirtuose David Bellugi mit seiner genialen und
hilfreichen Kritik. Sehr wichtig bleiben meine Kontakte zum amerikanischen
Musikwissenschaftler und Bibliothekar David Lasocki und natürlich auch zu Anthony
Rowland-Jones.
A.
Mayes: Kein
anderes Musikinstrument besitzt etwas Vergleichbares wie die Recorder
Home Page. Die Zahl der Nutzer ist verblüffend ...
N.
Lander: Ja,
die RHP Site erhält bis zu 300 000 Verbindungen monatlich von nahezu 18 000
Besuchern. Das ergibt im Jahr bis zu 216 000 Besucher, von denen sich ein jeder
annähernd 168 Materialseiten ansieht. Im Web kann sich eine solche Seite aus
Text, Bild, Ton- oder Videofiles zusammensetzen, oder aus deren Kombinationen.
Aber egal wie man es betrachtet, es scheint weitaus mehr Interesse an der
Blockflöte zu geben, als ich je erwartet hätte.
Mittlerweile
gibt es eine Anzahl weiterer, der Blockflöte gewidmeten Web Sites in
Frankreich, Holland, Deutschland, Brasilien, Japan, Singapur und anderswo. Diese
verschiedenen Quellen ergänzen sich einander sehr gut, indem sie lokale
Begebenheiten und eigenständige Standpunkte darstellen. All dies kann von der
Plattform der RHP unter den verschiedenen Links abgerufen werden.
Es
gibt auch hervorragende Web Sites zu anderen Instrumenten, selbst zum Krummhorn!
Einige meiner Favoriten sind diejenigen zur Flöte, Okarina, Shakuhachi, der Tin
Whistle, der Txistu (die baskische Einhandflöte mit drei Löchern). Was die RHP
so bedeutsam macht, ist wohl ihr unmittelbar erreichbares Umfeld, ihre
Verbreitung und die Detailsammlung als betont effiziente Lieferantin von
Informationen.
A. Mayes: Innerhalb
der Homepage gibt es eine einzigartige Sammlung ikonagrafischer Zeugnisse über
die Blockflöte. Wie wurde sie in der Fachwelt aufgenommen?
N.
Lander: In
einigen Fachkreisen hätte das Eröffnen eines Kataloges mit Blockflötenabbildungen
in Kunstwerken als Anmaßung missverstanden werden können. Dennoch begriff man
dies als Chance, derartige Kunstrecherchen nun einem größeren Kreis zugänglich
zu machen. Die Größe dieses Online-Kataloges stieg beinahe exponentiell, so
dass ich den Überblick zu den Mitgliedern verloren habe. Allerdings sind erste
Anzeichen sichtbar, dass sich das Ganze so um die 2000 einpendelt. Mein
Hauptmitarbeiter und der eigentliche Genius hinter der Blockflöten-Ikonografie
ist Anthony Rowland-Jones, der
regelmäßig die Museen, die Bildsammlungen und die Bibliotheken Europas nach
Spuren zur Blockflöte absucht und mich mit Bemerkungen und Bildmaterial füttert.
Durch seine Anstrengungen stehen wir mit Forschern, Kuratoren und Enthusiasten
in regem Kontakt, deren Daten- und Bildmaterialien uns weitgehend großzügig
zur Verfügung stehen. Darunter befinden sich Armin Brinzing (München), Hermann
Moeck (Celle), Florence Gertreu (Paris), Angelo Zaniol (Venedig).
Der
einzige vergleichbare, mir bekannte und bestimmten Instrumenten gewidmete
Online-Katalog besteht aus den einleitenden Auflistungen von Mary
Rasmussen bezüglich der Laute, zum Horn und zum Tamburin. Ich bin auf diese
erst kürzlich gestoßen und habe dadurch einiges in der Blockflöten-Ikonografie
ergänzen können. Außerdem gibt es eine vorzügliche Site über Abbildungen
von Musikinstrumenten in Kunstwerken französischer Sammlungen, nämlich der Joconde
Datenbank in Paris.
A. Mayes: Ein
anderer Teil der Home Page ist dem Katalog von Originalinstrumenten gewidmet ...
N.
Lander:
Der Katalog über Originalinstrumente ist leider erst in Teilen fertig. Ich habe
zwar die meisten Daten zur Hand und sogar ein eigenes Datenbanksystem dazu
entwickelt; jedoch wird es noch etwas Zeit brauchen, alles abrufbar aufzulisten.
Grundsätzlich wird es dem Nutzer ermöglicht, Instrumente eines bestimmten
Herstellers ausfindig zu machen und dazu Details über Aufbewahrungsorte, Größen,
Stimmungen, Materialien, Herstellerbrandmarken, Hinweise zu beschreibenden
Artikeln, erhältliche Konstruktionspläne und Abbildungen zu erfahren. Vieles
ist aus der Fachliteratur abgeleitet, anderes aber auch von mir selbst und in
bedeutenderer Form von heutigen Herstellern ergänzt, wie etwa Adrian
Brown und Jean-François Beaudin.
A.
Mayes: Und
weitere Besonderheiten der Home Page?
N. Lander: Unter dem Angebot der Recorder
Home Page befinden sich außerdem Verzeichnisse von Komponisten, Herstellern und
Händlern, Musikverlegern, Spielern, von Einspielungen, Vereinigungen, über
Software, Unterrichtsinstitute, Repertoirekataloge verschiedener Länder, Auszüge
aus Literatur, Theater und Film, die Blockflöte betreffend. Da gibt es
Klangsequenzen zum Hören oder Mitspielen. Weiterhin ausgewählte Bibliographie
und Artikel einer ganzen Reihe von Mitarbeitern zur Blockflötengeschichte, zu
deren Pflege, zu symbolischen Assoziationen, sowie Physikalisches, Technisches
zur Konstruktion und vieles mehr. Es gibt auch eine spezielle Seite zum
Quellenstudium für Flötenmacher. Die RHP dient auch den Verkaufsläden und den
Musikverlegern gerne als Präsentationsplattform. Im Grunde können all diese
grundlegenden Informationen auch auf herkömmlichem Weg ausfindig gemacht
werden. Jedoch liegen sie weitverstreut und so wäre es sehr zeitaufwendig, da
man eine große akademische Bibliothek danach durchsuchen müsste.
A. Mayes: Gibt
es Bereiche, wo dieser verbesserte Zugang zu Informationen die Quellenforschung
in ein neues Licht rücken kann?
N.
Lander: Absolut!
Man muss feststellen, dass alles, was über Blockflötegeschichte geschrieben
wurde, zumeist eurozentrisch orientiert ist. Wir müssen mehr Bewusstsein darüber
bekommen, was in anderen Ländern an Geschichtlichem passiert ist, wie etwa in
Skandinavien oder Russland. Ich konnte einiges darüber ausmachen, wie etwa vom
16. Jh. in Japan und ab dem 17. Jh. in Amerika damit umgegangen wurde, ja sogar
ein Beitrag über die Einführung der Blockflöte im Bolivien des 16. Jh. Einer
Darstellung des musikalischen Lebens bedarf es auch im Hinblick auf andere europäische
Kolonien, einschließlich Südafrika, Indien und vieler Staaten in Zentral- und
Südamerika. Für diesbezügliche Hinweise und zur jüngsten Geschichte der
Blockflöte bräuchte es Beiträge einheimischer Mitwirkender mit Zugang zum
lokalen Wissen und zu entsprechenden Quellen.
Walter
van Hauwe und Paul Leenhouts betreiben eine umfassende Online-Datenbank an
zeitgenössischer Musik für Blockflöte, beginnend von 1900 an, welche nun
Details über nahezu 3000 Werken enthält und täglich wächst. Das Projekt
schreitet gut voran, obwohl das zu bearbeitende Feld riesig ist und sie jede
Hilfe gut gebrauchen können. Bis heute habe ich über Mitarbeiter an
Repertoirelisten in Japan, Argentinien und Spanien herankommen können. Selbst
habe ich Kataloge für Neuseeland und Australien zusammengestellt. Auch Listen für
Brasilien und Südafrika sind versprochen. Bei anderen Ländern sind Auszüge
aus den jeweiligen nationalen Musikzentren zusammengestellt worden, wenn diese
online verfügbar oder über Bibliothekskataloge im Internet abrufbar sind.
Wieder sind diejenigen aufgefordert, die dort vor Ort Zugang zu den
Informationsquellen haben, an der Datenbank von Hauwe/Leenhouts mitzuwirken.
Das
historische Repertoire bleibt bisher Datenbank-mäßig weitgehend unerschlossen.
Die Auflistung des französischen Barockrepertoires von Laurence
Poitier (mit Hinweisen auf moderne Neueditionen) ist auf der Blockflöten-Site
von Jean-Luc Manguin abrufbar. Soviel ich weiß, bleibt dies ein isoliertes
Projekt, obwohl mir bekannt ist, dass sowohl Walter van Hauwe als auch David
Lasocki beabsichtigen, unabhängig eine Datenbank des Repertoires vor dem 20.
Jahrhundert zu erstellen!
Ich
habe eine umfassende Zusammenstellung von literarischen Zitaten über die
Blockflöte oder verwandte Instrumente bereitgestellt und bin daran
interessiert, weitere zeitgenössische Quellen kennen zu lernen. Es wäre
wunderbar, wenn dieses Vorhaben auf die Literatur anderer Sprachen ausgedehnt
werden könnte. Allerdings würde dies die Mitarbeit entsprechend umsichtiger
und sprachbewanderter Leute erfordern.
Einer
meiner Träume ist, die verschiedenen Blockflötenzeitschriften dazu anregen zu
können, ihre Artikel online verfügbar zu machen. Mit modernen Scannern wäre
dies gewiss zu schaffen. Recorder
Magazine wäre ein Ziel für
ein solches Vorhaben, genauso wie American Recorder, Tibia, Revista
de Flauta de Pico, Windkanal, und das australische Journal
of Recorder und
Early Music. Hinzu gefügt werden könnten relevante Beiträge aus Woodwind
Quarterly, FoMHRI Quarterly, Early
Music, und The Galpin Society Journal, usw.
Ein mit Flachbettscanner und geeigneter, weiterverarbeitender Software
bewaffnetes Team könnte in der Tat sehr schnell erledigen, was dafür nötig wäre.
Ich
habe womöglich genügend geschildert, was schon alles getan worden ist, aber
auch noch zu tun bleibt. Es scheint an dieser Stelle angebracht zu sagen, dass
ich von jeder Seite Beiträge oder eine Mitarbeit an der Recorder
Home Page willkommen heiße!
A. Mayes: Welche
Erweiterungsmöglichkeiten siehst du noch für die Recorder Home Page? Ich denke
da an zukünftige Möglichkeiten der Medien, des Internets und an den Zugriff
auf Tonaufnahmen oder Musikdrucke. Bringen solche Möglichkeiten eigene Probleme
mit sich?
N.
Lander: Vieles,
was du dir vielleicht vorstellst, ist schon da, wenigstens im
Entwicklungszustand. Man kann Finale-,
PostScript- und Sibeliuspartituren schon am Bildschirm abrufen, ausdrucken oder
anschauen bevor man sich zum Kauf entschließt. Dann gibt es Klangbeispiele von
CDs oder MIDI Files zu hören; die MIDI Files kann man auch im Sinne von
„Music Minus One“ als Begleitung für praktische Zwecke verwenden. Files von
Abbildungen können einfach nur bestaunt, aber auch in Ausschnitten für eigene
Dokumentationen benützt werden. Dagegen ist momentan lediglich ein Bauplan
einer Blockflöte aus dem 18. Jh. von einem führenden Hersteller verfügbar
gemacht worden. Leider gibt es noch keine Videoclips von Spielern und Lehrern,
obwohl dies ganz leicht gemacht werden könnte. Wie auch immer, die Einbeziehung
von Multimedia-Elementen bringt so seine Tücken mit sich. Darunter sind Qualitätsprobleme,
Bandbreite und Speicherplatz zu zählen (Multimedia-Files sind in der Regel
umfangreich), sowie die Probleme mit dem Copyright. Letzteres kommt einem
Minenfeld gleich, fürchte ich.
A.
Mayes: Inwiefern
hat die Recorder Home Page die Blockflötenforschung oder die Kommunikation
zwischen den Blockflötenbegeisterten weiter gebracht?
N.
Lander: Die
Blockflöten-Ikonografie ist ein offensichtliches Beispiel dafür, was durch die
Zusammenarbeit weniger im Internet alles erreicht werden kann. Sie stellt mit
ihren annähernd 2000 Blockflöten-Details aus Kunstwerken eine einzigartige
Informationsquelle dar. Nach meinem Wissen gibt es in diesem Umfang auch auf
anderen Medien nichts Vergleichbares. Ich bin mir sicher, dass diese bald einen
festen und stimulierenden Platz im musikwissenschaftlichen Bereich einnehmen
wird. Auch bin ich vom Wert eines freien Zuganges zu den vielfältigen
Informationen überzeugt, wie z.B. fachkundigen Anleitungen zur
Instrumentenpflege, Beiträgen zu verschiedenen technischen Aspekten,
Verzeichnissen gegenwärtiger Hersteller, Musikverleger und Musikalienhändler
und dem Zugang auf eine Datenbank von annähernd 800 CDs mit unterschiedlichen
Blockflötenbeiträgen. Dies alles dürfte dazu beitragen, dass sich Begeisterte
sowie Forschende gleichermaßen im gegenseitigen Austausch näher kommen.
www.blockfloetenbau.de
– Recorder Home Page (Deutschland)
Mit
der Recorder Home Page (Deutschland) baut Jo Kunath in Zusammenarbeit mit
Nicholas Lander zur Zeit die deutschsprachige Ausgabe der englischen Recorder
Home Page auf, in der ausgewählte Beiträge der englischsprachigen Ausgaben in
deutscher Übersetzung zu finden sein werden. Schon jetzt enthält die Home Page
bereits eine Fülle von Texten, Infos, Kontakten, Links ...
Über
die leicht einprägsame Adresse www.blockfloetenbau.de
gelangen Sie auf einfachste Weise auch zur Recorder Home Page (Australien) und
zur Recorder Home Page (USA).
Stichwort
Musisches Gymnasium – nun, das haben wir schon hie und da gehört. Aber ein
„Musikgymnasium“? Das ist doch eher seltener anzutreffen. Wo liegt in diesem
Amtsdeutsch der Unterschied? Nach Antworten auf diese Frage hat sich Nik Tarasov
vor Ort kundig gemacht und auch in Sachen Blockflöte nachgehakt.
Auf
einem großzügigen Anwesen in Berlin-Mitte ist ein weitläufiges Schulgebäude
um einen begrünten Innenhof herum gebaut. Neben der für die Stadt eigentümlichen
Mischung aus Patina und Aufbaustimmung schallen ohrenfällige Resonanzen von
Fenster zu Fenster. „Da is Musicke drin ...“, denkt man unwillkürlich.
In
der Tat mag es hier musikantischer zugehen als an vergleichbaren Orten. Wir
haben es mit einer interessanten Sonderform eines Gymnasiums der neuen Bundesländer
zu tun. Gleichsam als traditionsreiches Relikt, musikalisch Begabten früh
weiterhelfen zu wollen, hat diese Schule die Zeiten überdauert. Werfen wir zunächst
einen Blick zurück.
Bildung
und Kultur wurden in der DDR groß geschrieben. Wer die Musikerlaufbahn im Auge
hatte, war angehalten, zur Studienvorbereitung den unumgänglichen Weg über
eine Spezialschule für Musik zu
gehen, welche den jeweiligen Hochschulen angeschlossen war.
Die
Musikschulen in der DDR hatten die
Aufgabe, die Basisarbeit zu leisten mit dem vorrangigen Ziel, den Nachwuchs für
die ca. 65 Orchester heranzubilden. So wurde die Blockflöte hauptsächlich zur
Vorbereitung auf das Erlernen eines Orchesterinstruments angesehen. Das hatte
zur Folge, dass ausschließliche Blockflötenlehrer nicht gefragt waren. Daher
konnte damals Blockflöte auch nur als zweites Haupt- bzw. Nebenfach neben einem
anderen Blasinstrument studiert werden.
Heute
führen Vergangenes und gegenwärtige Anforderungen diese Institutionen in
synthetischer Vereinigung zu ganz neuen Perspektiven. Der allgemeinbildende
schulische Teil eines Musikgymnasiums (als Nachfolger der Spezialschulen für
Musik) entspricht dem eines neusprachlichen Gymnasiums und führt bis zum
Abitur, welches uneingeschränkt zu allen Studien- und Ausbildungsrichtungen
berechtigt. Mittelpunkt aber ist die Musikausbildung im instrumentalen Hauptfach
und die erforderlichen Ergänzungsfächer.
Gegenwärtig
gibt es im Gegensatz zu den anderen weiterhin geführten Spezialschulen nur in
Berlin die Möglichkeit, das Hauptfach Blockflöte zu wählen. Der Unterricht
wird von Lehrern der Hochschule übernommen. So ist von Anfang an ein direkter
Draht zum Studium vorhanden. Durch das Einbeziehen in dortige musikalische
Projekte schnuppert man frühzeitig Hochschulluft. In langjähriger Vorbereitung
wird alles gelernt, was anderswo oft schnell noch in Crashkursen eingetrichtert
wird. Und im ehemaligen Internatstrakt kann ausgiebig nach Lust und Laune geübt
werden. Das ergibt natürlich begeisterte Schülerinnen und Schüler, die immer
wieder selbst Konzerte veranstalten. So hilft ein reichhaltiges kulturelles
Schulleben dabei, musikalisches Teamwork und Kameradschaftlichkeit zu fördern.
Informationen
zur Eignungsprüfung:
Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Oberschule, Musikgymnasium, Rheinsberger Str. 4–5, 10115 Berlin, Tel: 030/4490426, Fax:
030/4490404
Blockflötenliteratur
Hans
Ulrich Staeps
oder die Wiederentdeckung eines Blockflötenpioniers
von Philipp Tenta
Blockflötenkomponisten wie Giesbert, Mönkemeyer oder Staeps, die ihre
Hauptschaffensperiode zwischen 2. Weltkrieg und Kabelfernsehen hatten,
scheinen in einer entfernt grauen Vorzeit gelebt zu haben. Zwar befinden sich
im Notenschatz sicher jeden Blockflötenspielers nicht nur das eine oder
andere Werk, vielleicht sogar eine ganze Sammlung; vielleicht hat sich manch
einer auch mit einem Lehrwerk dieser Autoren die Grundlagen des Flötenspiels
angeeignet – dennoch sind die Biographien dieser Pioniere nur wenigen
Nahestehenden vertraut.
Philipp
Tenta hat sich mit dem pädagogischen Werk von Hans Ulrich Staeps beschäftigt
und einstige Weggefährten nach ihren Erinnerungen befragt.
Neue Musik? Alte Musik? Einer meiner jungen Schüler fragte mich kürzlich,
nachdem wir ein von mir geschriebenes Stück probierten, ob das „Alte
Musik“ wäre. Ich war leicht beleidigt! Wirke ich wirklich schon so
versteinert, dass sogar meine Musik schon alt sein kann? Zur Aufklärung zähle
ich nach, zu welcher Zeit ich das soeben Gespielte geschrieben habe: „Ist
vor ungefähr elf, zwölf Jahren gewesen ...“ „Also sehr alte Musik!“
meint mein Schüler unerbittlich – er ist selbst neun Jahre alt.
Wie
muss ihm erst die Musik erscheinen, die während meiner Studienzeit als
„zeitgenössisch“ bezeichnet wurde? Schon das Wort „zeitgenössisch“ würde
ihn vermutlich auf eine Periode irgendwo zwischen Renaissance und Jura tippen
lassen ...
Dem,
der sich vor 25 Jahren in einem Musikladen durch das Sortiment der Blockflötenmusik
wühlte, konnte der Name Hans Ulrich Staeps nicht lange unbekannt bleiben.
Damals waren es nicht nur die heute noch populären Dauerbrenner wie: Virtuose
Suite, Reihe kleiner Duette, Zu
zweien durch den Tonkreis oder die Triludi,
auch an den Etuden (Tägliches Pensum,
Tonfiguren ...) kam niemand vorbei, und meist kehrte man auch immer wieder
gerne zu ihnen zurück.
Aber
auch eine große Zahl von Solo und Ensemblemusik, von Renaissance bis Frühklassik,
wurde von H. U. Staeps bearbeitet und meist bei Doblinger in Wien verlegt, und
wer neue Ensemblemusik suchte, konnte für beinahe jede vorstellbare Besetzung
eine Komposition von Staeps finden; 3- bis 12-stimmiges Blockflötenensemble,
oft auch in Kombination mit anderen Instrumenten, vor allem Gitarre, Klavier
und Schlaginstrumente oder mit einer frei hinzu tretenden Singstimme.
Stilistisch ist dieses umfangreiche Werk in einem breiten Spektrum angelegt,
doch egal ob es Anklänge und Referenzen zu Hindemith, den Impressionisten
oder Expressionisten gibt, immer ist die Person des Autors sofort erkennbar
und nie sind die technischen Schwierigkeiten höher, als es der musikalische
Tiefgang erfordert.
Neben seinem Werk als Komponist und Herausgeber, welches nicht nur bei Doblinger und Universal Edition in Wien, sondern auch bei Schott, Moeck, Heirichshofen, Hänssler und mehreren amerikanischen Verlagen erhältlich ist, gibt es auch noch einen weiteren Aspekt seines Schaffens, über dem aber ein mysteriöser Schleier zu schweben scheint: ein Lehrwerk der angewandten Rhythmik mit dem geheimnisvollen Titel Atritonische Musik.
„Wie
bitte? Meinen Sie die Triludi?“ „Nein, die Bände Atritonische
Musik: Übungen zum Hören und Erfinden, Spielstücke für Klavier und
frei hinzu tretende Instrumente, Rhythmisches Praktikum 1+2!“ Die junge Dame
im ehrwürdigen Wiener Musikhaus ist verwirrt, von diesen Titeln hat sie nie
gehört. Erst als einer der älteren Mitarbeiter zu Rate gezogen wird,
entsteht Klarheit. Seit über 20 Jahren werden diese Arbeitsbände nicht mehr
verkauft, nach kurzem Suchen finden sich dennoch einige Exemplare.
Schon
das Durchblättern der Arbeitshefte lässt ein Bild entstehen, wie eine Klasse
der „Angewandten Rhythmik“ ausgesehen haben könnte. Kinder und
Jugendliche, Schüler des Wiener Konservatoriums, die anstelle eines
theoretischen Pflichtfachs die speziell von Staeps eingerichtete Sonderklasse
besuchen. Statt trockener Gehörübung und Solfeggios wird dort gesungen und
mit Blockflöten und Orff-Instrumenten musiziert, musiktheoretische Begriffe
werden nicht gebüffelt, sondern als Anregung zu Improvisationen eingesetzt,
aus Gehör- und Singübungen entwickeln die Schüler, gemeinsam mit ihrem
Lehrer, musikalische Formen.
Das
Konzept, das sich langsam aus den Arbeitsheften heraus kristallisiert,
erscheint genial, was ja oft eine Garantie für ein Lehrwerk darstellt, um in
Schubladen zu verstauben und vergessen zu werden. Weshalb hat sich aber die
Idee eines Orff-Schulwerks beinahe weltweit durchgesetzt, während dieses
Konzept in einem Dornröschenschlaf schlummert?
Der
Vergleich Orff-Schulwerk und Atritonische
Musik ist faszinierend, denn vieles scheint auf den ersten Blick verwandt,
enthüllt aber bei genauerem Hinsehen ganz fundamentale Unterschiede in
Ausgangspunkt, Zielsetzung und musikalischer Perspektive.
Beide
Musikerziehungskonzepte wurden von anerkannten Komponisten entwickelt, die
auch mit ihrer künstlerischen Persönlichkeit ihr Lehrwerk geprägt haben.
Sie verwenden das sogenannte Orff-Instrumentarium, Blockflöten und natürlich
die Singstimme; beide stellen auch ein besonderes Tonmaterial an den
Ausgangspunkt ihrer Lehrwerke: Carl Orff die mittlerweile vertraute Pentatonik,
Hans Ulrich Staeps die „Atritonische Reihe“.
„Die Atritonische Reihe (a-tritonisch= ohne Tritonus) ist als
Tonleiter die ideale Basis für melodisches Improvisieren. Sie entsteht nach
Eliminierung eines der beiden diatonischen Leittöne: der 4. oder 7. Stufe.
Dadurch: breiteres, vom Kadenzzwang befreites Ausschwingen der Erfindung und
– im Gegensatz zur reinen Pentatonik – Beibehaltung einer Vielzahl
reizvoller Akkorde.“
(aus dem Vorwort von Angewandte
Rhythmik, Doblinger Wien)
Nach
diesen Gemeinsamkeiten fällt jedoch auch bald das Unterschiedliche auf.
Mehr als das musikalische Tonmaterial ist es die Unterrichtssituation, in der sich diese beiden Ideen entwickelt haben, die ihre fundamentalen Unterschiede erklären kann. Die Ideen Carl Orffs entstanden in der Arbeit mit Erwachsenen, welche ihre musikalische Ausbildung bereits hinter sich hatten. Die Kopflastigkeit dieser Ausbildung und die damit entstandene Barriere zum spontanen, kreativen Umgang mit Musik, waren Anstoß für die Entwicklung des Orff-Schulwerks, welches in seiner Essenz als ein Rückbesinnen auf Verlorenes erscheint. Dadurch ist auch zu erklären, dass die Orff-Schulwerk-Pädagogik sich zwar in ihrer weiteren Entwicklung immer mehr mit sehr jungen Kindern beschäftigt, obwohl die Kompositionen der „Musik für Kinder“ sowohl von den spieltechnischen Anforderungen, als auch von der Wahl der unterlegten Texte (etwa aus Goethes Faust) erkennen lassen, dass diese Stücke sicher nicht für die Arbeit in Kindergarten oder Volksschule entstanden sind.
Hans
Ulrich Staeps hat sich aber niemals wirklich der Moderne seiner Zeit
verpflichtet gefühlt. Im Gegenteil, mit seinem Kompositionsstil wie mit
seinem pädagogischen Ansatz scheint er sich nicht gescheut zu haben, sich
ganz bewusst gegen Mode und Zeitgeist zu positionieren, eine
Einstellung die ein Persönlichkeitsmerkmal war und sowohl im Pädagogischen
als auch bei seinen Kompositionen deutlich wird.
„Wir
halten die so häufig laut werdende Forderung, es möge einer Spielgruppe von
Jugendlichen oder Erwachsenen Raum zu völlig eigenständiger Improvisation
gelassen sein, für illusionär. Die Praxis lehrt, dass Menschen sich zumeist
gehemmt und ungelenk verhalten, wenn man ihnen den Griff ins Ungeformte überlässt
und dessen harrt was da kommen soll. Wir glauben aber, dass der Satz Erfindung
entspringt dem Gegebenen dort gilt, wo der persönliche Impuls des Leiters
als Plan, Vorformung und Lenkung den Gestaltungsversuchen des Spielkreises zur
Seite geht.“ (Angewandte
Rhythmik, Heft 1, Atritonische
Musik)
Eine
solche Aussage, der wir heute bedenkenlos pädagogische Einsicht zugestehen können,
bedeutete in den nach größtmöglicher Freiheit suchenden 60er und 70er
Jahren eine eklatante Provokation. Andere Vorschläge, wie etwa Blockflöten
im Ensemble mit Melodikas (wer kennt diese Musikgeräte heute noch?) zu
kombinieren, würden wir heute hingegen bestenfalls mit Schmunzeln zur
Kenntnis nehmen, ohne es aber jemals versuchen zu wollen. Für eine Bewertung
der „historische Aufführungspraxis“ der 60er Jahre ist es heute
wohl noch zu früh.
Das „atritonische“ Arbeitsmaterial umfasst neben kreativen Übungen zur Rhythmik, welche sowohl gesungen, gespielt als auch notiert wurden, Spielmusiken, mit denen vor allem jungen Musikern, die kein Orchesterinstrument erlernten, Gelegenheit zum Ensemblespiel gegeben wurde. Während heute das Orff-Instrumentarium in vielen Musikschulen im Früherziehungsraum eingeschlossen wird und damit sowohl für ältere Schüler als auch für andere Lehrer unerreichbar wird, zeigt das Material der Atritonischen Musik Wege, in denen heterogene Schülergruppen mit diesen Instrumenten gemeinsam musizieren können, ohne dass Unterschiede des Alters oder der musikalischen Reife zu Ausgrenzungen führen. Besonders Klavierspieler oder Schüler der „schwierigen Instrumente“ sollen, durch den Einsatz spontan erlernbarer Schlaginstrumente, schon früh die Möglichkeit zu kammermusikalischem Zusammenspiel erhalten.
Besonders interessant scheinen die Spielstücke, welche in einem Klaviersatz (von Staeps als Gruppensatz bezeichnet) notiert sind und von den Mitspielern gemeinsam instrumentiert werden sollen. Dabei werden nicht nur Instrumente auf ihre spieltechnischen Möglichkeiten und musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten untersucht, auch die Notenvorlage erfährt eine gründliche Analyse. Die Schüler sollen erkennen, wenn sich eine Stimme aus der Umklammerung des Metrums löst und eine unabhängige Rhythmik entwickelt. Dazu Staeps in seinem Vorwort:
„Um so mehr Raum öffnet sich der Anwendung des Rhythmischen, wobei
dieser Begriff hier als Verlaufsrhythmik sowohl als harmonische Rhythmik zu
verstehen ist. Der Grundvorgang aller Verlaufsrhythmik, die Wechslung von
Gerade und Ungerade im Zähler, von 2 und 2-Vielfachen im Nenner des
Taktbruchs, tritt naturgemäß reichlich auf und nötigt Leiter und Spieler zu
genauer Einsicht und mobiler Zählung ... So gilt es vor allem in den Stücken
mit Taktschema die echten rhythmischen Formulierungen zu erkennen und durch
Hilfseinzeichnungen zu verdeutlichen.“
Wie auch die Musik für Kinder Carl
Orffs ist aber auch die Atritonische
Musik von
H. U. Staeps in einer aktuellen Unterrichtssituation nicht unverändert
einsetzbar. Dabei ist die spartanische Präsentation der einzelnen Bände
sicher noch die geringste Barriere. Eine mehrjährige musikalische Ausbildung,
die ausschließlich auf den Werken eines einzigen Komponisten aufbaut, ist
vermutlich nur von dem Urheber selbst durchführbar. Es ist aber müßig, sich
die Frage zu stellen, ob und wie sich eine Staeps-Methode hätte
weiterentwickeln können, wäre in Wien eine Ausbildungsstätte ähnlich dem
Orff-Institut in Salzburg entstanden.
Wichtiger wäre es hingegen zu prüfen, ob wir in der heute veränderten
Situation des Musiklebens, in den Denkansätzen und Materialien die uns Staeps
hinterlassen hat, nicht doch noch eine unerwartete Aktualität entdecken können
oder ob wir diesen Aspekt seiner Arbeit als eine Fußnote im Kapitel der versäumten
Gelegenheiten einordnen wollen.
Herbert
Vogg: Hans Ulrich Staeps
Wer war dieser Hans Ulrich
Staeps, der Generationen von Blockflötenspielern (und nicht nur Blockflötenspielern)
so viele anregende Notenhefte hinterlassen hat?
1909 in Dortmund geboren, kam er 1940 nach Wien, blieb in Wien und war bis
1975 am Konservatorium der Stadt tätig, hielt neben dem
Instrumentalunterricht Kurse für Neue Musiktheorie und für zeitgemäßen
Gruppenunterricht und gründete und leitete das Seminar für Angewandte
Rhythmik. Ein Leben lang ging es ihm um eine universale musikalische
Elementarerziehung. Seine Arbeit mit dem Orff-Instrumentarium, seine Vorträge
über Gegenwartsmusik, über Paul Hindemith im besonderen, aber beispielsweise
auch über die Geschichte des Jazz öffneten seinen Zuhörern, seinen Schülern
neue Dimensionen.
Er war ein Stiller im Lande, aber ein für seine Aufgabe Glühender, ein
leidenschaftlich Weitergebender, ein Begeisterter, der auf die einfachste Art
begeisterte: durch sein So-Sein. Man spürte bei ihm, dass Begeisterung –
und das Vermögen, andere zu begeistern – das einzige und entscheidende
Geheimnis des berufenen Lehrers ist. Die Persönlichkeit von Hans Ulrich
Staeps ist tatsächlich mit einem Wort zu umreißen: Er war Lehrer.
Aus
gesundheitlichen Gründen war ihm in seiner Jugend das Blockflöteblasen
nahegelegt worden. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber in der
Auseinandersetzung geschah Aneignung, die bald über Handwerkliches hinaus
ging. Die Blockflöte wurde als humanes Bildungsmittel begriffen, als
gesellschaftliches und erzieherisches Instrument. Sie wurde ihm zum
Tonwerkzeug, mit dem „Musikliebende sich das Erleben im gemeinsamen Tun, das
Erkennen gültiger musikalischer Zusammenhänge erschließen können.“ Für
diese Aufgabenstellung wollte Musik produziert sein, und so wurde Staeps zum
– wie er selbst es ausdrückte – „pädagogischen Komponisten“. Er
schrieb Musik, die von „Ausführenden unterschiedlicher Fertigkeit“ bewältigt
werden konnte, bei deren Wiedergabe sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene im
gemeinsamen Tun und Erleben finden konnten.
Er war Ethiker und ein Ästhet und war keiner, der sich anpasste. Nichts war
ihm unerträglicher als das hintergrundlos Vordergründige, der musikalische
Materialismus. Da konnte er, ein Meister auch der geschliffenen Worts,
streitbar werden. Er litt unter der lieblosen „Leichtfertigkeit“ eines
Zeitgeistes der Verflachung und Verdummung. Er ging seinen Weg „zwischen den
Zeiten“.
Aus unzähligen Begegnungen ist mir eine besonders wertvoll: Es war in den fünfziger
Jahren bei Kulturtagen mit viel neuer Musik und hitzigen Diskussionen. In
einer Pause sagte Staeps zu mir: „Lassen wir die! Gehen wir lieber
spazieren!“ Ich muss wohl in irgendeinem Zusammenhang Thomas Mann genannt
haben, jedenfalls erzählte mir Staeps von seiner engen Bindung an den Dichter
und sein Werk, und mitten auf dem Gehsteig, mitten zwischen hin und her
rennenden Menschen blieb er stehen, zog den ersten Band von Joseph
und seine Brüder aus der Aktentasche, schlug das Buch auf und las mir,
ungerührt um den Wirbel ringsum, die berührende Passage mit Jaakobs Abschied
von seinem Sohn Joseph vor.
So war Hans Ulrich Staeps.
Prof. Dr. Herbert Vogg stand als Verlagsleiter im Musikhaus Doblinger, Wien,
jahrzehntelang in enger Verbindung mit Hans Ulrich Staeps.
René Clemencic: Hans Ulrich Staeps
Meine Bekanntschaft mit Hans Ulrich Staeps reicht in das Kriegsjahr 1943
oder 1944 zurück. Ich war damals seit Jahren begeisterter Blockflötenspieler,
Autodidakt, wenige Jahre vor der Matura. Es gab irgendein Monsterkonzert im
großen Saal des Wiener Konzerthauses, mit einem buntern Kraut-und-Rüben-Programm.
Unter vielem Anderem gab es eine Blockflöten-Solosonate des Barock, gespielt
vom mir damals völlig unbekannten Staeps. Zum ersten Mal im Leben hörte ich
Blockflöte in einem öffentlichen Konzert! In den letzten Kriegstagen des
Jahres 1945 lernte ich im leeren Stephansdom, bei fernem Kanonendonner, anlässlich
eines nicht mehr stattfindenden Konzertes Ernst Kölz kennen. Der Zufall führte
uns wenige Wochen später in einem der ersten Nachkriegskonzerte wieder
zusammen. Kölz teilte mir mit, dass er bei einem Lehrer Blockflöte lerne,
eine mir damals völlig unbekannte Möglichkeit.
Dieser war H. U. Staeps am Konservatorium der Stadt Wien. Bald danach machte
ich bei Staeps eine erfolgreiche Aufnahmeprüfung, halb privat, sehr
inoffiziell, da kurz nach Kriegsende alles noch recht improvisiert war.
Jetzt gab es aufregende Jahre des Lernens (...). Es war von allem Anfang an
ein äußerst unkonventioneller Unterricht. Staeps animierte mich dazu, die
Musik als etwas sehr Freies anzusehen, als Material, mit dem man spielen,
improvisieren konnte.
Wir improvisierten auch zusammen intensiv vierhändig am Klavier, auch
verbunden mit spontaner, oft bizarrer Gestik und Pantomimik. Die
Gedichtsammlung Anna Blume des
Dadaisten Kurt Schwitters nahm dabei einen nicht unbedeutenden Platz ein. Und
alles das im offiziellen Unterrichtspensum des Konservatoriums! Für einen
jungen Menschen war dies natürlich sehr anregend und aufregend.
Diesen „Exzessen“ stand Staeps Verehrung von Thomas Mann und Paul
Hindemith ausgleichend gegenüber. Eine Thomas Mann-Lesung erlebte ich
erstmals an einem Sonntagvormittag im schönen Hietzinger Gartenhaus von
Staeps. Hier fand alles in einer sehr kultivierten, besonnenen Atmosphäre
statt.
Die Verehrung Hindemiths war bei Staeps eine fast grenzenlose. Er war
besonders angezogen vom kosmisch-theoretischen Aspekt der Musik des reiferen,
quasi klassischen Hindemith. Er wurde nicht müde, mir die Reinheit der
Architektonik von Hindemiths Werken zu explizieren. Von anderen Zeitgenossen
war nie die Rede, mit einer Ausnahme. Die Carmina
Burana von Carl Orff wie auch das Orff-Schulwerk zogen Staeps irgendwie
an. Vermutlich weil er dort meinte, Elementares, Ursprüngliches zu finden.
(...)
In den späteren Fünfzigerjahren haben sich unsere Wege dann weitgehend
getrennt.
Hans Ulrich Staeps war für mich in gewissen wichtigen Ausbildungsjahren eine
ganz entscheidende Begegnung. Ich meine, alles wäre ohne diese bei mir
musikalisch anders geworden. Den freien, spontanen Zugang und Umgang mit Musik
habe ich ihm entscheidend zu verdanken! Aber auch das Nachdenken über Musik.
Musik nicht nur rein ästhetisch, isoliert von Weltanschaulichem zu erleben,
sondern immer eingebettet in umfassendere Zusammenhänge!
René Clemencic:
Komponist, Dirigent, Blockflötist, Gründer und Leiter des Clemencic Consort
Es
stellen sich vor ...
Notenlinie,
75334 Straubenhardt
Die „Notenlinie“ – ein kleiner Musikladen mit großer Atmosphäre.
Antiquitäten und alte Balken schmücken das Geschäft, das liebevoll von der
Inhaberin Bianca Studnitzky dekoriert wurde. So gibt es in der „Notenlinie“
nicht nur Blockflöten, Kleininstrumente, Noten, Bücher und sämtliches
Musikzubehör, sondern auch allerlei zum Krusteln: Von Musik-Socken (sogar mit
Blockflötenmotiv), Janosch-Musikpostern, Notenkerzenständern bis hin zu
Notennudeln – wer ein Geschenk für einen Musikliebhaber braucht, findet hier
gewiss etwas Außergewöhnliches und bekommt dazu eine kompetente Beratung.
Bianca Studnitzky studierte an der Hochschule für Musik/Karlsruhe Blockflöte
bei Robert Ehrlich und Leonardo Muzii und konzertiert regelmäßig im In- und
Ausland. CD- und Rundfunkaufnahmen sowie Unterrichtstätigkeit auf den
Galapagosinseln schlossen sich an. Seit 1995 unterrichtet sie an mehreren
Musikschulen – kurzum: Sie ist selbst begeisterte Musikerin, spielt neben der
Blockflöte noch viele andere Instrumente und kann so ihre Kunden vielseitig
beraten.
Die Idee mit dem Laden entstand eigentlich aus der Not, da es in der näheren
Umgebung kein geeignetes Musikgeschäft gab. Nach dem erfolgreichen Start in
Miniräumlichkeiten in einem kleinen Ortsteil von Straubenhardt in der Nähe von
Pforzheim sprach sich der Geheimtipp immer mehr herum: Die „Notenlinie“
sollte vergrößert werden. Bianca Studnitzky und ihr Lebenspartner beschlossen,
ein altes Haus von 1750 inmitten von Schwann zu erwerben und sowohl für den
gewerblichen wie auch privaten Gebrauch umzubauen. Nach gut einem Jahr Nerven-
und Knochenarbeit ist die „Notenlinie“ nun fertig geworden und das Ergebnis
kann sich sehen lassen. Der kleinstädtische Standort ist kein Nachteil: Es gibt
viele Kunden, die nach wie vor lieber auf dem Land einkaufen, die Ruhe, das persönliche
Gespräch, die gemütliche Atmosphäre sowie die Parkplätze unmittelbar vor dem
Geschäft schätzen.
„Frau“ muss natürlich auch immer etwas bieten, und so veranstaltete die
„Notenlinie“ in Zusammenarbeit mit der örtlichen Jugendmusikschule Neuenbürg
vor kurzem einen großen Blockflötentag. Unter anderem war der Blockflötenbauer
Joachim Kunath zu Gast und bot eine „Blockflötenklinik“ an: Hierzu konnten
„kranke“ Blockflöten zum Reparieren mitgebracht werden. Am Nachmittag stand
ein Workshop über Blockflötenbau auf dem Programm. Die Resonanz war toll und
ein weiterer Workshop mit Schwerpunkt „Intonieren einer Blockflöte“ ist
geplant.
Die „Notenlinie“ ist seit Firmengründung auch im Internet vertreten und
bietet dort eine Auswahl ihres Sortiments zum Bestellen oder einfach nur
Informieren an unter www.notenlinie.de
oder auf der großen Plattform rund um die Blockflöte: www.blockfloete.de.
Hier gibt es einen Service, Interaktives, Shops sowie viele Infos zur Blockflöte
– vorbeischauen lohnt sich!
Kontakt:
Notenlinie
Hauptstraße 117
75334 Straubenhardt-Schwann
Tel.: 07082/940620
Fax: 07082/946021
bianca@blockfloete.de
Kongresse,
Symposien, Seminare ...
Vorschau
Ein Blockflötenfest
mit Hans-Martin Linde
zum Anlass seines 70.
Geburtstages
Samstag/Sonntag
25./26. November 2000 in Mössingen bei Tübingen (Baden-Württemberg)
Info:
Jugendmusikschule Steinlach
Anfragen
an Siegfried Busch
Tel:
074736772, Fax: 271442
siegfr.busch@t-online.de
Tage
der Alten Musik
am 14.–17.9.00 in Zywiec, Polen
Zywiec, eine Stadt mit über 700jähriger Geschichte, ist eine der
interessantesten Städte der Bielsko-Woiwodschaft in Süd-Polen und wird zu den
prächtigsten touristischen Attraktionen in Polen gezählt.
Alljährlich im Herbst wird im Schlosshof Musik von Barock und Renaissance und
ein interessantes Rahmenprogramm aufgeführt: Konzerte, Poesieabende, Theater-
und Tanzvorstellungen, Vorträge, Ausstellung von Musikinstrumenten und Noten,
Spielfilme über Alte Musik u. a.
Hinzu kommt ein Wettbewerb für Schülerensembles und die „Musikwerkstatt“
mit Kursen über Gesang, Viola da Gamba, Laute, Barockgeige, Blockflöte,
Cembalo u.a.
Künstlerische Leitung: Anna Szelinska-Mikus, Grzegorz Tomaszewicz
Info:
Impresariat „T&S“, ul. Grodzka 62/7a, PL-31-044 Kraków, Tel/Fax:
0048-12/422 46 52 und 004822/825 77 91
In
welches Stockstadt fahren wir eigentlich? Wohlberaten all diejenigen, die sich
vor der Reise informiert hatten. Denn auch in diesem Jahr hat sich wieder so
mancher verfranst. Stock-Städte gibt es derer nämlich zwei: laut
Postleitzahlenbuch das eine am Main
und das andere am Rhein
– in nicht allzu großer Entfernung auch noch! In unserer Eigenschaft als
Forum für die Blockflöte sei daher fürs kommende Jahr am 25. bis 27. Mai 2001
vorgebeugt: Man begebe sich am Himmelfahrtswochenende in rheinische Gefilde nach 64589 Stockstadt, bringe seine unter Umständen
nicht an der Blockflöte interessierte Familie gleich mit und schicke sie
unterdessen zum Wandern in die schönen Auen an den benachbarten Altrhein.
Doch widmen wir uns dem eben vergangenen, wohl größten deutschen Blockflötentreffen. Eine große Anzahl an Ausstellern, Amateuren, Liebhabern, Lehrern, Studenten, Solisten und Stars tummeln sich einträchtig auf dem Areal des Sport- und Kulturzentrums der Altrheinhalle. Da beraten Instrumentenbauer alte und neue Kunden, werden Instrumente repariert und Schnäppchen gemacht; es werden Notenausgaben verglichen und CDs gehandelt. Grob geschätzt dürften Hunderte von Blockflöten verschiedenster Hersteller durchprobiert worden sein, was zu Stoßzeiten ohrenbetäubende Flötengewitter produzierte. Dem süßen Lärm zum Trotz scheint doch so mancher sein Lieblingsinstrument herausgehört zu haben. Ja, wenn EC-Automaten sprechen könnten ...
Auch
für den Wohlklang war gesorgt – neben musikalischen Newcomern hatte man
wieder altbewährte Standard-Artisten verpflichtet. Marion Verbruggen
unterrichtete den zahlreichen Nachwuchs in Sachen van Eyckscher „Flötenlusthof“
mit einprägsamen Bildern wie: „Läufe nach oben immer etwas schwerfälliger
als nach unten. Denn eine Treppe hinaufzukommen ist anstrengender, als diese
hinunterzuspringen.“
Im
ersten Konzert erfrischte das Ensemble Ornamente
99 den unklimatisierten Zuhörerraum mit kühler Akrobatik aus dem Barock.
Die Lektion an Trillern und Schlenkern geriet denn auch zu einem Ratespiel,
altbekannte Stücke im dekorierten Klangkleid überhaupt wiedererkennen zu können.
Die
6 jungen Solisten der Weimarer Hofsänger bestritten mit 4- bis 6-stimmigen Werken ein
Konzertprogramm von W. Byrd bis zu den Beatles. Ihr großes Können, ihr Witz
und Charme riss das Publikum insbesondere in den Zugaben zu Begeisterungsstürmen
hin. (Übrigens das einzige Konzert ganz ohne Flötenbeteiligung.)
Weshalb
der Kassenschlager Amsterdam Loeki Stardust Ensemble nach wie vor die doppelte Menge an
Zuhörern zusammenbringt, bleibt zumindest musikalisch ein Rätsel. So
bewundernswert statischer Wohlklang und ausgefeiltes Ensemblespiel auch sein mögen,
dürfte sich doch so mancher wehmütig an ihre schmissigeren Zeiten erinnert
haben. Mit der momentanen Vorliebe für einseitige Programme alter Musik ohne
Anfang und Ende manövrieren sie sich zwangsläufig in eine Zwickmühle: Wie
sollen Vokal- oder Gambenwerke mit schwerfälligen tiefen Blockflöten an
Ausdruck gewinnen, wenn man sich auf permanentes Intonieren beschränkt?
Musikalische Antiseptik passt eigentlich in die Alte Musik am allerwenigsten.
So
ziemlich das Gegenteil erlebte man beim Abschlusskonzert des Flanders
Recorder Quartet und dem Countertenor Steve Dugardin. Hemdsärmelig und
musikantisch begleiteten die Flöten im Sinne einer Kammerorgel – man vergaß
dabei das Leidwesen der Intonationsübungen und ließ sich einfach mitreißen.
Ins Programm schlichen sich selten gehörte Stücke wie Ralph Vaughan Williams
Blockflötensuite von 1939, sowie eine neue Komposition vom jungen Piet Sweerts.
Letztere mag als gutes Beispiel gelten, dass neue Musik auch ohne den
intellektuellen Zeigefinger auskommt. Der Titel Three Gadgets verrät
einen gekonnt gemachten Klangzirkus aus weitgehend tonalen Elementen und
rhythmisch aufgescheuchter Nostalgie. Welch ein Hoffnungsschimmer – bitte mehr
davon! Auch die Zugabe machte Laune: Ein humorvoll arrangierter Flickenteppich
aus alla turca, Radetzkymarsch und
Hummelflug. Da rollt vor dem geistigen Auge in guter musikalischer
Stummfilmkomik eine Drehorgel in den musikalischen Crash. Hernach war so manchem
Ensemble-spielenden Zuhörer ein merkliches „Wo-kriege-ich-dieses-Stück-her?“
anzusehen.
Nik Tarasov
Reisen
bildet ...
Betriebsausflug
... zum Flötenbauer nach Fulda
Die Fuldaer Blockflötenfirma Mollenhauer hat die Neugestaltung ihrer
Betriebsräume genutzt, um ein schon seit Längerem verfolgtes Konzept in neuer
und umfassender Weise umsetzen zu können: die konsequente Öffnung nach außen.
Dabei werden nicht nur Schulklassen, Spielkreise und Musiziergruppen
angesprochen, sondern auch Studenten oder MusikschullehrerInnen – eben alle
Freunde der Blockflöte, Laien oder Profis, die hier ein interessantes, direkt
auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Angebotspaket finden können.
Werkstattführung und interaktives Museum
Kernstück des Angebotes ist eine ausführliche und qualifiziert begleitete
Besichtigung der Blockflötenbauwerkstatt. Die vielfältigen Schritte bis zur
Fertigstellung einer Blockflöte, die ganz besondere Atmosphäre einer Flötenbauerwerkstatt,
die Hölzer, interessanten Werkzeuge und Maschinen lassen manch einen das so
unscheinbare Instrument Blockflöte mit anderen Augen sehen...
Das neu gestaltete kleine Instrumentenmuseum erlaubt einen Blick auf
verschiedene Stationen der Flötengeschichte. Hier heißt es (nicht nur) für
Kinder und Jugendliche aktiv zu werden: Verschiedene Aufgaben, Spiele und
Materialien laden dazu ein, sich mit der Blockflöte, ihrer Geschichte und mit
Fragen des Blockflötenbaus auseinander zu setzen.
Dieses „interaktive Museum“ soll
keine Staubfänger beherbergen, sondern ein Ort lebendiger Begegnung mit
der Blockflöte und zwischen BlockflötistInnen
sein. Deshalb geschieht seine stets wechselnde Ausgestaltung in der ständigen
Zusammenarbeit mit BlockfötenlehrerInnen und mit interessierten Blockflötenklassen
verschiedener Musikhochschulen.
Nun kann das „Paket“ für einen Ausflug oder für ein Wochenende noch weiter
gefüllt werden, z.B.:
– Information: Vorträge und Workshops rund um die Blockflöte
– Musik:
Musizieren und Proben in den Seminarräumen der Firma Mollenhauer ...
– Kultur:
Dom, Schloss, historische Innenstadt, Feuerwehrmuseum, Planetarium ...
– Unterhaltung:
Kinderakademie, Schwimmbad, Abenteuerspielplatz ...
– Natur, Sport:
Wandern im Biosphärenreservat Rhön, Naturschutzzentrum
Wasserkuppe, Rhön-Therme, Kanu-Fahren ...
Bei der Zusammenstellung ihres ganz individuellen „Paketes“ werden
Interessenten ausführlich beraten.
Info:
Conrad Mollenhauer Flötenbau
Weichselstraße 27, D-36043 Fulda
Tel: 0661/9467-0, Markus Berdux: 0661/9467-0
Fax: 0661/9467-36
E-Mail: besuche@mollenhauer.com
Forum
Windkanal
Gruselkabinett
Blockflötenmethodik?
Unkonventionelle Hilfestellung bei technischen Problemen
Im Blockflötenunterricht tauchen immer
wieder technische Probleme auf, denen manchmal mit allen guten Worten und
ausgefeiltester Methodik nicht beizukommen ist. Ob Körper- und Fingerhaltung
oder auch Probleme der Atmung – nicht selten weiß man sich einfach keinen Rat
mehr. Siegfried Busch, engagierter Blockflötenlehrer mit Sinn für Humor, lässt
uns einen Blick auf sein methodisches Hilfsmaterial werfen ...
Viele Schüler lassen beim Spielen den Kopf und damit auch die Blockflöte
nach unten hängen, was sich physiologisch und optisch nachteilig auswirkt. Ein
einfaches Hilfsmittel hiergegen ist ein Klappnotenständer,
zwischen dessen oberes Gestänge die Flöte gehalten wird. Wenn der Ständer
entsprechend hoch eingestellt ist, ergibt sich automatisch eine gute Haltung.
Foto 1
Ein weit verbreitetes Übel ist der an der Flöte seitlich angelehnte rechte
Zeigefinger, mit dem die Flöte zusätzlich abgestützt werden soll. Dieser
Finger wird dann nicht mehr korrekt aus dem Fingerwurzelgelenk heraus bewegt,
sondern das Tonloch wird lediglich durch Einkrümmung der vorderen Fingerglieder
geschlossen. Dadurch ist aber der Zeigefinger nicht frei beweglich und behindert
so die Geläufigkeit. Es hilft ein Stück Klebeband mir einer an der richtigen
Stelle angebrachten Reißzwecke:
Foto 2
Zu große Fingerbewegungen sind unökonomisch und deshalb unerwünscht, von
Spezialeffekten abgesehen. Hier hat sich eine Vorrichtung bewährt, bei der ein
über den Grifflöchern angebrachter Stab
die übergroßen Fingerbewegungen verhindert und den übenden ständig an sein
Problem erinnert. Durch die Gelenkverbindung kann der Stab parallel gesenkt
werden.
Foto 3
Gelegentlich werden die Druckverhältnisse im Mundraum gestört durch
unbewusstes Öffnen der Gaumensegel, wodurch beim Blasen Luft durch die Nase
entweicht. Eine schwache medizinische Klammer
macht dieses Problem bewusst und hilft beim Abstellen der Untugend.
Foto 4
Nun – Wer hat noch weitere Tipps auf Lager? Vielleicht interessiert sich ja
die Zubehörindustrie dafür und es sind lukrative Lizenzen zu vergeben?
Kontakt:
Siegfried Busch
Königsberger Straße 23
72116 Mössingen
Tel: 07473/6772, Fax: 07473/271442, siegfr.busch@t-online.de
Eine
doppelte Premiere hatte der Komponist und Blockflötist Hans-Jürgen Hufeisen im
Mai zu feiern: Seine Konzertflöten gingen in Serie – zur Feier des Tages
spielte er mit dem neuen Serienmodell auch eine neue Komposition: „Mein
Schutzengel“. Die zunächst erscheinenden Sopran- und Altflöte sollen den von
Hufeisen gespielten Flöten in nichts nachstehen. Seine Anforderung an die
Serienmodelle: Blockflöten, auf denen nicht nur Bach und Händel hervorragend
klingen soll, sondern mit denen Flötisten auch Musik von heute spielen können.
Produziert
werden die Instrumente bei der H. C. Fehr Blockflötenbau AG (Stäfa/Schweiz),
wo Flötenbauer Gerd Melchers
in Zusammenarbeit mit Hans-Jürgen Hufeisen den Prototyp entwickelte.
Hufeisens Vorstellung ist ganz deutlich: „Frech und gleichzeitig lieb, laut
und leise soll man auf den Flöten spielen können." Deshalb ist die
Klangbreite der Flöte wesentlich größer als bei den bisherigen Flöten und
soll ein Repertoire ermöglichen, das vom Barock bis in die Moderne reicht.
Europäischer Buchsbaum gibt der Flöte, die mit aufwändigen Drechslerarbeiten und einem goldenen Hufeisen verziert ist, einen warmen, tragenden Klang. Der künftige Besitzer kann auch andere Hölzer wählen. Zusätzlich zu den beiden integrierten Silberringen kann er Goldschmuck ordern oder einen Edelstein – entweder beim Kauf oder später.
Der
Verkaufspreis wird für die Sopranflöte zwischen 900 und 1.000 Schweizer
Franken, für die Altflöte auf 1.500 oder 1.600 Schweizer Franken kalkuliert.
Claudia Kundigraber
Kiddy
Playback Hits für Sopran-Blockflöte – Frank Schoettl, Gerig Music EM
5423, Demo-Part: Nadja Schubert.
Mann,
was geht denn hier ab? Da wird aus der ansonsten so stillen Sonatenblockflöte
alias Flauto Dolce unversehens eine Pop-Blockflöte. Auch der ausgewachsene Flötenspieler
benötigt dazu nichts weiter als die Kid-Parade für Kinder ab 6 Jahren und
einen unbeobachteten Moment, um den Tennisschläger wegzulegen und vor
aufgedrehter Stereoanlage mit gezückter Blockflöte ein „Warum ist nicht
alles so gut wie ein...!“ in die imaginäre Menge zu rufen. One,
two, one two three four ... Ab
geht’s wie von alleine! Da erwacht das Kind im Mann, und der Rest ist
musikalische Aerobic. (Wie gelenkig man doch plötzlich ist!)
Gut,
natürlich sind CD und Notenheft in erster Linie für Jüngere gemacht. Jedoch,
wir kennen das ja – die „Eisenbahnanlage“ wird vor allem deshalb so
gepflegt, damit auch der Papi ein ganz klein wenig Freude daran hat ...
Selbst
als etwas fortgeschrittener Blockflötenspieler hat man einen Gaudi mit den
Sounds von Coco Jamboo oder dem figurativ etwas anspruchsvolleren What
is Love – Baby don’t hurt me, wo man doch jetzt endlich auch mal
mitmachen kann. Und ertappt sich beim in-Terzen-Mitspielen oder gar einem
eigenen Improvisationsversuch. So ähnlich, wie man es ja von Nadja Schubert
kennt, welche den Demo-Part der CD eingespielt hat. Man erinnert sich an
Konzerte in Clubs, wo sie über einem, coole Rhythmen brummenden, E-Bass
unbeschwerte und jazzig rauchige Blockflötentöne legt. Hier jedoch, im
Gegensatz zu ihren sonstigen CDs, einmal ganz brav, bläst sie nur die bekannten
Hitmelodien, ohne verspieltes Beiwerk. Also, Nadja macht es vor, und dann kann
man sich selber am Playback versuchen. Gut dran ist derjenige, welcher Ohrwürmer,
wie Karl der Käfer, Pippis poppige Langstrümpfe oder Jim Knopfs
Tekkno-Lokomotive schon im Kopf hat. Dann fällt einem nämlich das Spielen
wie aus dem Gedächtnis besonders leicht, auch wenn man die Noten vor sich
hinlegt. Und dann schafft man auch den spielenden Einstieg in die Welt der
Glissandi und fetzigen Synkopen, ohne die im Pop rein gar nichts läuft. Zählen
muss man wie ein Luchs; denn wer einmal bei der gnadenlos vorwärtsstampfenden
Rhythmusmaschinerie den Einsatz versäumt, kann gleich wieder die
Wiederholungstaste drücken. Ein waches Flötenlehrerauge erkennt einen gewissen
Ansatz gut illustrierter, progressiv aufbauender Lernschritte in der Anordnung
der Hitparade. Etwa in der Erweiterung des Tonraums auf beinahe zwei Oktaven und
das eine oder andere Vorzeichen.
Doch
überlassen wir das Feld bei soviel Powerplay lieber den Kindern und
Jugendlichen. Wenn ihr Gedächtnis bei kurzlebigen Sommerhits aus der letzten
Saison, wie Bailando nicht mehr ausreicht, so liegen sie spätestens bei
einer von groovigen Keyboards aufgepeppten Biene Maja wieder voll im Spaß.
Üben in Disco-Atmosphäre – logo, voll cool – Mann, ey ...!
Scripta
Artium Nr. 1, Herbst 1999, Neue
Schriftenreihe zur Kultur- und Kunstgeschichte, Universität Leipzig
Die
Universität Leipzig hat zu ihren Beständen in Sammlungen und Museen eine
lesenswerte Informationsschrift ins Leben gerufen, deren erste Ausgabe sich
musikwissenschaftlichen Themen widmet und als Festschrift für Rainer Weber
erschienen ist. Neben einem Veröffentlichungsverzeichnis Weberscher Beiträge
(welcher als vielgefragter Restaurator historischer Holzblasinstrumente übrigens
auch viele Flöten instand gesetzt hat) haben namhafte Autoren verschiedene
Artikel zu alten Instrumenten beigesteuert, von denen uns diejenigen zur Blockflöte
besonders interessieren.
Stefan
Ehricht warnt am Beispiel einer Museumsblockflöte vor den Folgeschäden bei
Anwendung des Holzschutzmittels Hylotox 59, welches die dauerhaft gefährlichen
Wirkstoffe DDT und Lindan enthält. Das kontaminierte Instrument wurde daraufhin
in Testbenzinbädern wieder entgiftet und die Lösungsmittel als Sondermüll
entsorgt. Arme Flöte ...!
Eine
weitere Rätselstunde über die Restaurierung hinaus hat Klaus Martius im
Artikel Herkunft, Lagerung und Präparation von Tonhölzern im Spiegel
historischer Quellen zusammengetragen. Nett zu lesen, wie auch bei Flötenholz
die Meinungen seit eh und je auseinandergehen.
Annette
Otterstedt und Klaus Reiners schreiben in ihrem Beitrag Solange sich die
Sache beheben lässt über die Flöten der Renaissance. Die Quellenlage ist
hier bekanntlich sehr lückenhaft. Mit gewichtigen Argumenten drängen sie so
manche etablierte These auf dünnes Eis. So wird die Mär um die so genannte
Ganassi-Flöte recht nüchtern auf wirklich gesicherte Erkenntnisse
zusammengestutzt. Für Liebhaber gewiss starker Tobak, jedoch sehr
aufschlussreich. Ferner werden verwaschene Terminologien in Unterscheidung
zwischen Renaissance- und Barockflöten treffend unter die Lupe genommen. Sätze,
wie „Blockflöten spielen im heutigen Musikleben – einschließlich des
Wirtschaftszweiges Alte Musik – eine Rolle, die ihre quantitative und
musikalische Bedeutung in den Epochen vor 1730 um ein vielfaches übersteigt“
kann man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Neuer
Lesestoff für Csakan-Interessierte ist auch Peter Thalheimers Aufsatz über Die
Wiener Tradition des Flauto d’amore. Seine Recherchen zu Repertoire und
Instrumentarium eines Flötenensembles um 1800 bieten bisweilen auch heitere
Informationen zur spärlich erschlossenen Blockflötenkultur dieser Epoche.
Lesenswert
ebenso Martin Kirnbauers neue Erkenntnisse zu den so genannten Eunuchenflöten.
Vielleicht ist es nun nur noch eine Frage der Zeit, bis dieses Kuriosum der
Instrumentengeschichte in Reihen gewisser Liebhaber wieder zum klingen kommt?
Wer
hat nicht schon öfter nach Notenausgaben von Blockflötenmusik gesucht? Womöglich
nach Musik in einer ganz bestimmten Besetzung?
Entweder
man nervt mit seinen Fragen einen überforderten Musikalienhändler oder man
schlägt selbst in Fachbüchern nach.
Bisherige
Standardwerke, wie die dreibändige Blockflötenbibliographie von Hugo Alker aus
den Jahren 1966 bis 1975, oder der französische Letteron von 1989 sind durch
die ständig wachsende Flut an Neuerscheinungen längst überholt.
Nun
überrascht uns ein hochaktueller, noch unpublizierter Katalog unter dem
bescheidenen Titel Musiklädle’s
Blockflöten Noten Handbuch 2000. Darunter verbirgt sich ein staunenswerter
Wälzer, akribisch in jahrelanger Arbeit zusammengestellt vom Karlsruher
Musikalienehepaar Schunder.
Man ist selbst überrascht, wie viel gedruckte Blockflötenmusik es schon zu geben scheint. Nach Besetzung alphabetisch geordnet, werden Tausende von Titeln aufgeführt (mit Verlags-, aber ohne Preisangaben). Sogar in Vorbereitung befindliche Werke sind bereits erfasst. Man müsste schon ein arger Fachmann sein, um hie und da etwas Übersehenes zu bemängeln. Haben wir es hier etwa mit einem neuen Standardverzeichnis der Blockflötenliteratur zu tun? Wenn dem so ist – und ganz danach sieht es ja aus –dann dürfte sich sicherlich bald ein interessierter Verleger finden lassen.
Recorder
MusikMail – Recorder Music Catalogue, Spring 2000
Für
des Englischen Mächtige erschien kürzlich ein weiterer Leitfaden durchs
Notendickicht. Nur fällt das Heft mit seinen knapp 50 Seiten weitaus
bescheidener aus als sein deutscher großer Bruder. Nichts für Fanatiker also,
aber ein hübsches Einstiegskompendium, eine Art Orientierungshilfe für
zwischendurch.
Dafür
ist dieser kleine Katalog schon gedruckt und sogar im Internet abrufbar. Man
sende einfach ein E-Mail an: ruth@recordermail.demon.co.uk
Eine
Gemeinsamkeit zwischen den beiden ungleichen Nachschlagewerken gibt es aber
doch: In beiden Katalogen sind die Verlagsangaben oft durch gängige Editionskürzel
kodiert. Ein Abkürzungsverzeichnis könnte da hilfreich sein.