Ausgabe 03/00  

Die Themen:

 

Csakan spezial

Neues von Beethoven – Teil 1


Csakan-Recherchen in Beethovens Konversationsheften


von Nik Tarasov

Der große Komponist und das kleine Instrument? Wohl kaum ... Genauer: Beethoven im Zusammenhang mit dem Csakan, dem Vertreter der Blockflöte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts?!? Davon wagen wir nicht einmal zu träumen. Und doch sind erstaunliche Spuren und Hinweise aufgetaucht – Nik Tarasov ging ihnen nach ...

Eigentlich ist es ganz einfach: Man muss nur die erhaltenen Konversationshefte (1) aufschlagen, welche Beethoven und seine Gesprächspartner auf Grund der Taubheit des Meisters beschrieben.

Unter dem Gesichtspunkt des Csakan-Kundigen durchgeackert, finden sich interessante Vermerke: Beethoven hatte durchaus Kontakte zum Csakan, zu seiner Musik und zu Csakanspielern.
Offenbar von der der großen Musik verpflichteten Wissenschaft als geringfügig betrachtet und von den Blockflötensuchenden als unwahrscheinliche Quelle unberührt gelassen, dürfte es nun an der Zeit sein, etwas Licht in die Angelegenheit zu bringen.

 

Band 8 – Heft 93, September 1825

Bei einem Gespräch Beethovens mit seinem ihm freundschaftlich verbundenen Verleger Tobias Haslinger (1787–1842) findet sich auf Seite 11 r unter anderem dieser Eintrag in nacheinander folgender Reihenfolge:

Krönungs-Walzer werden woll bei Diabelli erscheinen

Eine Charakt:[er] Sonate für Csakan in welcher ausgedrückt wie die neue Schiffbrücke in Presburg gebaut wird.

Sellner ist ja Professor beim Verein.

Ich will aufs Jahr diese Idée ausführen


Die Hintergründe schildern sich wie folgt:

Mit den Krönungs-Walzern dürften wohl die Gelegenheitskompositionen gemeint sein, welche am 25. September 1825 zu Pressburg aus Anlass der Krönung Kaiserin Carolina Augustas zur Königin von Ungarn verfertigt wurden. Zahlreiche Verlage schlossen sich dem Projekt an. So erschien beim Wiener Verleger Diabelli der Krönungsmarsch op. 101 für Klavier von einem der bedeutendsten früheren Schüler Beethovens, Carl Czerny (1791–1857), welcher auch in Fassungen für andere Instrumente herausgegeben wurde. Darunter finden sich Einrichtungen für ein oder zwei Querflöten mit Gitarrenbegleitung, aber auch eine Version für Csakan und Gitarre oder zwei Csakans, welche unter der Rubrik R. 2, F.24 gedruckt worden ist und heute leider als verschollen gelten muss.

Haslinger spielt in seinem Gespräch mit Beethoven wohl insbesondere darauf an, wohl, um den Komponisten für dieses populäre Thema zu sensibilisieren.

Im Verlauf des Gespräches dürfte in Verbindung zur Krönung auch das Thema auf ein weiteres Nationalereignis gekommen sein, nämlich, dass ab dem 11. September 1825 in Pressburg für die Dauer der Einberufung des Ungarischen Reichstages durch Kaiser Franz I. eine Pontonbrücke über die Donau errichtet worden war, die schon am 2.9.1825 für den öffentlichen Verkehr freigegeben werden konnte. Eine solche Großtat fürs gemeinschaftliche Wohl dürfte den freiheitsliebenden Beethoven weitaus mehr imponiert und ihn, wie schon öfter, zu kompositorischen Gedanken inspiriert haben. (Darauf werden wir an anderer Stelle noch zu sprechen kommen, auch im Bezug auf den Csakan.)

Gesellschaftliche Ereignisse wurden übrigens später sehr häufig zum Ausgangspunkt musikalischer Werke. Man denke nur an die vielen Charakterwalzer aus der Strauss-Fabrik, welche, wiederum im Haslinger Verlag instrumentiert und arrangiert, bis weit in die 50er Jahre von namhaften Musikern auch für Csakan bearbeitet wurden.

Da die Csakanmusiken sich in dieser Zeit in Mode befanden und sich gut verkauft haben dürften, mögen ernsthafte Erwägungen über einen Kompositionsbeitrag Beethovens naheliegend gewesen sein, wie der Eintrag ins Konversationsheft bekräftigt. Interessant ist, dass Beethoven, der um deftig kategorische Aussprüche nie verlegen war, das Projekt nicht von vornherein abwegig beurteilt zu haben scheint. Und das umso mehr, als er sich in jener Zeit nur noch mit weitläufigen Meisterwerken zu beschäftigen pflegte.

So lässt auch das Vorhaben, eine ausgewachsene Sonate schreiben zu wollen, dazu noch als Charakterstück zum Thema der Donaubrücke, die Herzen höher schlagen.

Von etwaigen Problemen oder abschätzigen Bemerkungen über das einem Beethoven eigentlich unwürdige Instrument Csakan ist denn auch keine Rede.

Auch wenn die Äußerung, „die Idee aufs Jahr auszuführen“ mit dem Vorhaben in Zusammenhang gebracht werden könnte, ist uns über den weiteren Verlauf der Angelegenheit nichts bekannt.

Es ist also wahrscheinlich nicht zu dieser Komposition gekommen, welche einerseits in Beethovens Spätwerk eine einsame Sonderstellung innegehabt hätte und andererseits einem Donnerschlag ins Repertoire des Csakans gleichgekommen wäre. Für uns Blockflötisten bleibt also leider alles beim Alten, auch wenn der Jammer gewaltig ist  – zumindest, was diese Geschichte angeht ...

Vielleicht hätte der berühmteste Csakanvirtuose Ernest Krähmer solch ein Projekt vorwärtstreiben können. Vermutlich war dieser jedoch in dieser Zeit nicht in Wien, sondern wahrscheinlich immer noch mit seiner Frau Caroline auf einer musikalischen Kunstreise durch die Provinzen und an den Dresdner Hof.

Ob Krähmers Kollege Joseph Sellner (1787–1843) hier hätte einspringen sollen, wie Haslinger in den Konversationen einstreut, muss offen bleiben, da nicht bekannt ist, ob dieser selbst auch Csakan spielte. Beider Musiker Brotberuf war das gemeinsame Oboenspiel in der k. k. Hofkapelle; Sellner war des weiteren Professor am Konservatorium der Gesellschaft für Musikfreunde.

 

 

Band 7 – Heft 79, Ende Dezember 1824

Bislang unbeachtet war allerdings die Tatsache, dass das Musikerehepaar Krähmer mit Beethoven seit längerem bekannt gewesen sein dürfte.

So findet sich auf Seite 6 r folgende Notiz:

Die Schleicher, die du auch kennst. Begegnet. Mit ihrem Mann.

Caroline Krähmer, geb. Schleicher war seit 1815 mit Ernest Krähmer verheiratet und wurde offensichtlich bei ihren vielbeachteten Soloauftritten als Klarinettistin immer noch unter ihrem Mädchennamen geführt.

 

Band 8 – Heft 107, März 1826

Ernest Krähmer kommt darüber hinaus unter der kritischen Federführung in Beethovens Konversationsheften auf Seite 8 v musikalisch auf weiter Flur als einziger gut weg. In einem Gespräch über auswärtige Auftritte bekannter Wiener Solisten, wie den Violoncellisten Joseph Merk (1795–1852) und den Flötisten Johann Sedlaczek (geb. 1789) fällt folgender Ausspruch:

Seit Sedlazek mit so guten Empfehlungen hinkam, und so schlecht spielte, hat auch der Credit der Wiener-Virtuosen bedeutend verloren, so zwar, dass der König von Sachsen Anstand nahm, den Oboisten Krämer spielen zu lassen.

Krähmer spielte auf seinen musikalischen Konzertreisen mit seiner Frau Caroline übrigens stets mehrere Instrumente, darunter gleichsam als Besonderheit auch meisterhaft den Csakan, was in einigen Presseberichten eindrücklich dokumentiert ist.

 

 

Band 9 – Heft 110, Mai 1826 / Band 10 – Hefte 113 & 120, Juni bis September 1826

Neben Krähmer ist auch noch eine weitere Persönlichkeit aus den Reihen der prominenten Csakanisten mit Beethoven bekannt gewesen.

Es handelt sich dabei um Wilhelm Klingenbrunner (1782–1850), von Beruf Obereinnehmer beim niederösterreichischen Landobereinnehmeramt, daneben aber vor allen Dingen ein musikalischer Tausendsassa. Als Flötist und Komponist war er ausübendes Mitglied der Gesellschaft der Musikfreunde. Unter dem Pseudonym Wilhelm Blum betätigte er sich auch als Textdichter für das Leopoldstädter Theater, welches ohnehin eine wahre Brutstätte für Csakanartiges gewesen zu sein scheint, wie dies anderweitige Verbindungen vermuten lassen.

Klingenbrunner sang, spielte Klarinette und Bassetthorn und veröffentlichte nach Gustav Schillings Musikalischem Lexikon von 1840 „einige 50, bei aller Anspruchslosigkeit beliebt gewordene Werkchen für die Flöte und den Czakan, theils Originalien, theils Arrangements; ... und eine auf selbst gewonnenen Erfahrungen basierte Flötenschule in zwei Abtheilungen“ (womit seine 1815 erschienene Csakan-Schule gemeint sein dürfte).

Klingenbrunners musikalischer Horizont dürfte sich mit dem Beethovens nur mäßig gemischt haben.

So lesen wir im Konversationsheft 110 vom Mai 1826 auf Seite 6 v, Klingenbrunner habe zusammen mit anderen „geschmirt“ (also einigermaßen falsch gespielt).

Trotzdem mag der besänftigte Beethoven zu ihm ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt haben, da er danach mit diesem in Gesellschaft ausgegangen war. Wir lesen hierzu in Heft 113 vom Juni 1826 auf Seite 16 r: „Er [Klingenbrunner] soll uns ein Mahl zusammen in die Leopoldstadt ins Theater führ[en].“

 

Auch wenn dabei das eine oder andere Wort in Sachen Csakan gefallen sein dürfte – die Zuwendung hatte einen weitaus profaneren Grund, den wir durch ein recht schalkhaftes Stichwort Beethovens im selben Heft auf Seite 13 v entschlüsseln: „Fischoberaufseher“

 

Laut einhelligen Untersuchungen scheint sich Klingenbrunner demzufolge um die Besorgung von Fisch für Beethoven gekümmert zu haben. Da er in der Leopoldstadt wohnte, übermittelte er vermutlich Beethovens Bestellungen an die Fischhändlerin Therese Jonaß, deren Verkaufsstand im dortigen Stadtviertel vermutet wird.

Eine Begebenheit dürfte dieses Verhältnis wieder schwer belastet haben.  

Im Verlauf des Jahres 1826 scheinen die Fischbestände drastisch abgenommen zu haben, so dass dieser schwer zu bekommen war und eben nicht immer in gewünschter Qualität.

In Heft 120, im September 1826, auf Seite 48 v lesen wir folgende Begebenheit:

Ich habe einen verdorbenen Magen / Klingenbrunner / Er ist für die Flöte das, was Gelinek für das Klavier war. / Nichts als Variationen vom gewöhnlichen Schlage.

Nun, da war jemandem wohl gewaltig schlecht! Der Stab über Klingenbrunners musikalische Fähigkeiten war wieder gebrochen. Der Vergleich zu Abbé Joseph Gelinek (1758–1825), dem böhmischen Komponisten und Hauskaplan des Fürsten Nikolaus von Esterhazy in Wien, welcher zu Beethoven ebenfalls eine wechselhafte Beziehung erlebt hatte, dürfte nicht eben schmeichelhaft gemeint gewesen sein.

Gelinek veröffentlichte 1812 übrigens ebenfalls selbst ein Werk für Csakan und Klavier, ein Rondo (Neuausgabe bei Carus 11. 234), welches im folgenden Jahr bei Diabelli auch für Csakan und Gitarre erschienen ist. Vom Stück existiert noch eine handschriftliche Einrichtung für Viola und Klavier.

In der nächsten WINDKANAL-Ausgabe heften wir uns auf weitere Spuren bezüglich Beethovens Beziehung zum Csakan: Ein Instrument, das sich in seinem Besitz befunden hat und Musik, die unter seinem Namen für Csakan herausgegeben wurde.

Anmerkung:
(1) Ludwig van Beethovens Konversationshefte, herausgegeben 1972–1993 im VEB Deutscher Verlag für Musik Leipzig, später Deutscher Verlag für Musik Leipzig, Bd. 1–10

 

Der Csakan
Nachdem die barocken Blockflöten für die fortschreitende musikalische Entwicklung zunehmend unbrauchbar geworden waren, entwickelten sich um 1800 verschiedene neue Formen. Im Einflussbereich Wiens setzte sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts der sogenannte Csakan durch. Ganz im Geiste romantischer Verklärung sah man seine Ursprünge gerne in den anmutigen ungarischen Hirtenflöten und propagierte vorrangig die sanftweiche Grundskala auf As, also gleichsam eine Art „Mezzosopran-Register“.

Es handelt sich dabei wie gehabt um eine Blockflöte mit Daumenloch und sieben vorderständigen Grifflöchern – allerdings mit komplett neu gestalteter Innenbohrung, welche ein zeitgemäßes Klangbild zuließ. Man unterscheidet zwei Ausprägungen: den einfachen Csakan in Form eines Spazierstockes zum Musizieren unterwegs und den Komplizierten Csakan, als wohl durchdachtes Konzertinstrument mit allerlei von der Oboe beeinflussten Zusatzklappen.

Man schätzt heute das Repertoire des Csakans auf etwa 500 Werke unterschiedlichster Gattungen.

 

Nik Tarasov:
Kunst- und Musikstudium u.a. bei Prof. Mertin in Wien. Diplom und künstlerische Reifeprüfung in den Fächern Blockflöte und Komposition. Studien im Blockflötenbau bei Joachim Paetzold in Tübingen und gemeinsam mit ihm Entwicklung des neuen Instrumententypes „Moderne Altblockflöte“. Aufbau der „Aeon Workshop Collection“, einer Sammlung historischer Blockflöten. Internationale Konzert- und Seminartätigkeit als Instrumentalsolist, Ensembleleiter, Komponist und Arrangeur. CD-Einspielungen und Rundfunkaufnahmen. Herausgeber von Blockflötenmusik. Seit 1997 Zusammenarbeit und Beratungstätigkeit für Conrad Mollenhauer, Flötenbau, in Fulda. Mitglied im Redaktionsteam der Zeitschrift WINDKANAL.



Fotos: Horst Schäfer, Nürnberg

Spazierstock-Blockflöte

Kopie eines einfachen Csakans um 1820 nach F. Hell, gebaut von Elmar

Hofmann, Nürnberg 1993   

Komplizierter Csakan

um 1820 nach S. Koch, gebaut von Herbert Paetzold 1979

(weltweit erste Kopie eines Csakans überhaupt)

Beethovens Brille und Hörrohre aus dem Nachlass

Beethovens Arbeitszimmer

 

 

 

Fortbildungs-Termine im WINDKANAL 3’2000


August

5.-12.8.

Orchester Palagione
Offenes Musizieren für Violine, Bratsche Blockflöte, Traversflöte, Gitarre, Cello und Gambe
Ltg: Heida Vissing
Ort: Volterra/Pisa
Info: Tre Fontane Seminare, Tel/Fax: 0251/2301483

6.-13.8.

Musizieren mit Blockflöten
Ensemblemusizieren von der Renaissance bis heute, Folkloretanz
Ltg: Ulrich Herrmann
Ort: Freiburg
Info: Internationaler Arbeitskreis für Musik, Tel: 0561/935170, Fax: 313772

10.-19.8.

Staufener Studio für Alte Musik
für Sänger und Spieler historischer Instrumente
Ltg: Dr. Ulrich Bartels, Andrea Schmiedeberg-Bartels u.a.
Ort: Staufen i. Br.
Info:
Arbeitskreis Musik in der Jugend (AMJ), Tel: 05331/46016, Fax: 43723, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

18.-24.8.

Mentales Training für Musiker – Intensivkurs

Ltg: Ulrike Klees-Dacheneder

Ort: Schloss Weikersheim

Info: Jeunesses Musicales Deutschland, Tel: 07934/280, Fax: 8526, weikersheim@JeunessesMusicales.de, http://www.JeunessesMusicales.de

19.-27.8.

Festival van Vlaanderen
Die ersten Polyphonisten
Info: 0032(0)3/202 4664, flanders.festival@antwerpen.de

24.-31.8.

Musikferien für Kinder und Jugendliche

Ltg: Birgit Czaya (Block- und Querflöte)

Ort: Berlin

Info: Jeunesses Musicales-Berlin e.V., Tel: 030/5307 1224, Fax: 5307 1222

26.8.-2.9.

„musica e dolce vita“
Blockflötenensemble und Blockflötenkammermusik für HobbymusikerInnen
Ltg: Stephan Schrader
Ort: Toscana
Info: musica viva musikferien, Tel: 0611/9410246,
info@musica-viva.de, www.musica-viva.de

27.8.-2.9.

Singen, Tanzen, Musizieren für Kinder von 9 bis 15 Jahren
Ort: 71540 Murrhardt

Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

28.8.-5.9.

ASPECTE – „movere gli affetti“

Ltg: Matthias Weilenmann, u.a.

Ort: Weikersheim

Info: Jeunesses Musicales Deutschland, Tel: 07934/280, Fax: 8526, weikersheim@JeunessesMusicales.de, http://www.JeunessesMusicales.de



September

2.-3.9.

Mehr Bewegung im Unterricht durch Rhythmik
Ltg: Monika Mayr
Ort: Groß Schneen/Göttingen
Info: Landesverband niedersächsischer Musikschulen, Tel: 0511/15919, Fax: 15901, vdm.nds@t-online.de, www.musikschulen-niedersachsen.de

8.-10.9.

Familienmusik-Wochenende
für Familien mit kleinen Kindern; Ein-Eltern-Familien und Familien mit behinderten Kindern sind besonders eingeladen
Ltg: Marret Claussen
Ort:  24857 Borgwedel
Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

                                  9.9.

Meisterkurs Blockflöte mit dem Flanders Recorder Quartet
Ort/Info: early music im Ibach-Haus, Schwelm, Tel: 02336/990290, early-music@t-online.de

9.-10.9.

Grundlagen des Blockflötenbaus

Theorie und Praxis: Blockeinpassen, Nachstimmen einer Blockflöte, Pflege und kleine Reparaturen

Ltg: Jo Kunath
Ort/
Info: Conrad Mollenhauer Flötenbau, Fulda, Tel: 0661/9467-0, Fax: 9467-36, E-Mail: seminare@mollenhauer.com, www.mollenhauer.com

14.-17.9.
 
 

Tage der alten Musik
Konzerte, Poesieabende, Theater, Tanz, Vorträge, Ausstellung (Musikinstrumente und Noten), Wettbewerb für Schülerensembles, Kurse: Gesang, Viola da Gamba, Laute, Barockgeige, Blockflöte, Cembalo u.a.
Ltg. Anna Szelinska-Mikus, Grzegorz Tomaszewicz
Ort: Zywiec, Polen
Info: Impresariat „T&S“, ul. Grodzka 62/7a, PL-31-044 Kraków, Tel/Fax: 0048-12/422 46 52 und 0048-22/825 77 91

15.-17.9.

Singen mit Hand und Fuß
Neue Lieder für Kinder (Winter und Weihnachten) bewegungspraktisch und szenisch aufbereitet

Ltg: Gerhart Roth, Anne Kruse

Ort: 31683 Obernkirchen

Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

15.-17.9.

Familienmusikwochenende
Singen, Musizieren, Tanzen für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Ort: 29456 Hitzacker
Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

15.-17.9.

Familienmusik-Wochenende
für Familien mit kleinen Kindern: Singen, Tanzen und elementares Musizieren. Ein-Eltern-Familien und Familien mit behinderten Kindern sind besonders eingeladen.
Ltg: Marret Claussen
Ort: 24857 Borgwedel
Info: AMJ, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

15.-17.9.

Schottischer Musikerworkshop
für alle einigermaßen notenfesten Musiker
Ltg: Anselm Lingnau
Ort: 29465 Schnega
Info: AMJ, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

16.-17.9.

Klassik & Romantik für Blockflötisten

Originalinstrumente aus der Romantik, Literatur und Stilistisches, Technik (Belcanto und Legato), Bezugsquellen für Literatur u.a.
Ltg:
Nikolaj Tarasov

Ort/Info: Conrad Mollenhauer, Flötenbau, Fulda, Tel: 0661/9467-0, Fax: 9467-36, seminare@mollenhauer.com, www.mollenhauer.com

16.-17.9.

Blockflöte/Querflöte/Feeldenkrais
Ltg: M. Heidecker (Blfl./Fl.), A. Kalbhenn-Krebel (Feldenkrais)
Ort: Freiburg
Info: ERTA e.V., Tel: 0721/707291, Fax: 788102

16.-17.9.

Blockflöten von Op bis Pop, von Renaissance bis Paul Leenhouts „Trance“
für Erwachsene und Wiedereinsteiger
Ltg: Barbara Bieri-Klimek, Elisabeth Pelz
Ort: Hamburg
Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

22.-23.9.

Die Eltern-Kind-Gruppe

Musikalischen Tun mit Eltern und ihren Kindern (Geburt bis 4 Jahre)

Ltg: Prof. Maria Seeliger

Ort: Darmstadt

Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

22.-23.9.

Neue Musik – Computermusik – Live-Elektronik

Ltg: Prof. Helmut W. Erdmann

Ort: Lüneburg

Info: Jeunesses Musicales Niedersachsen, Fortbildungszentrum für Neue Musik, Tel: 04131/309390, erdmann@uni-lueneburg.de 

22.-24.9.

Familienmusikwochenende
Singen, tanzen, musizieren am Ostseestrand für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Ort: Beckerwitz/Mecklenburg-Vorpommern
Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

22.-24.9.

Sing- und Musizierwochenende für Kinder und Jugendliche
Einstudierung und Aufführung einer Kinderkantate, Kammermusik für Streicher, Blockflöten, Bläser; Tanz und Geselligkeit
Ltg: Thekla Jonathal u.a.
Ort: 24214 Noer
Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

23.-24.9.

Die Blockflöte im Gruppenunterricht

Das Schulwerk „Blockflötensprache und Klanggeschichten“ und „Multidimensionaler Instrumentalunterricht“: Methodische und organisatorische Voraussetzungen für einen erfolgreichen Gruppenunterricht.
Ltg:
Gisela Rothe, Gerhard Wolters
Ort/Info: Conrad Mollenhauer Flötenbau, Fulda, Tel: 0661/9467-0, Fax: 9467-36, seminare@mollenhauer.com, www.mollenhauer.com

23.-24.9.

Body Percussion
Rhythmisches Gefühl als Voraussetzung für das Instrumentalspiel
Ltg: Jürgen Zimmermann
Ort: Meppen/Emsland
Info: Landesverband niedersächsischer Musikschulen, Tel: 0511/15919, Fax: 15901, vdm.nds@t-online.de, www.musikschulen-niedersachsen.de

27.9.-1.10.

V. Kammermusikkurse Saarbrücken
Alte Musik und historische Aufführungspraxis für Einzelteilnehmer und feste Ensembles jeder Art
Ltg: Mechthild Blaumer
Ort: Saarbrücken
Info: Dr. Pieter de Haas, Tel/Fax: 0681/852731

29.9.-1.10.

Klassische Rhythmik – neu entdeckt?

Ltg: Reinhard Ring, Barbara Schultze

Ort/Info: Akademie Remscheid, Tel: 02191/794-0, Fax: 794-205, akademiers@aol.com, http://www.ars-online.de

29.9.-1.10.

King’s Music. Höfische Tanzmusik der Renaissance

Ltg: Heida Vissing

Ort: Elgersburg (bei Erfurt)/Thüringen

Info: Tre Fontane Seminare, Tel/Fax: 0251/230

30.9.-3.10.

ERTA Kongress 2000 – Die Blockflöte in der neuen Medienlandschaft

Multimedia/Neue Spieltechniken/Live-Elektronik/Blockflöten-Wettbewerb 2000

Ort: Paderborn

Info: ERTA e.V., Tel: 0721/707291, Fax: 788102



Oktober

3.-9.10.

Herbstwoche für Blockflöte, Gambe, Hackbrett und Chor
für Erwachsene mit Freude am gemeinsamen Musizieren
Ltg: Silke Wallach u. a.
Ort: Alterode/Sachsen-Anhalt
Info: Internationaler Arbeitskreis für Musik, Tel: 0561/935170, IAMeV@t-online.de

6.-8.10.

Musik spielend erfinden
Einführung in die musikalische Gruppenimprovisation, für erfahrene Musiker wie Laien
Ltg:  Matthias Schwabe
Ort:  Fürsteneck
Info: Internationaler Arbeitskreis für Musik, Tel: 0561/935170, IAMeV@t-online.de

7.10.

Flexible Unterrichtsmodelle
Auflösung der starren Formen des Gruppenunterrichtes als Basis einer individuellen Instrumentalausbildung
Ltg: Josef Schwermann
Ort: Erding
Info: Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen e.V., Tel: 0881/8924

7.-8.10.

Musikalische Früherziehung
mit „Musik-Fantasie“ – für Kinder von heute.
Einsteigerseminar

Ltg.: Karin Schuh
Ort: Stuttgart/Gärtringen

Info: 07034/929724

8.-10.9.

Familienmusik-Wochenende
Singen, Tanzen, elementares Musizieren für Familien mit kleinen Kindern. Ein-Eltern-Familien und Familien mit behinderten Kindern sind besonders eingeladen.
Ltg:  Marret Claussen
Ort: 24857 Borgwedel
Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

13.10.

Dirigieren
Schlagtechnik und Ensembleleitung
Ltg: Jörg Dobmeier
Ort: Markoberdorf
Info: Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen e.V., Tel: 0881/8924

13.-14.10.

Neue Musik – Computermusik – Live-Elektronik
Theorie, Praxis, Konzerte
Ltg:
Prof. Helmut W. Erdmann, Claus-Dieter Meier (Assistenz)
Ort:
Lüneburg
Info:
Jeunesses Musicales Niedersachsen, Fortbildungszentrum für Neue Musik, Tel: 04131/309390, erdmann@uni-lueneburg.de  

13.-15.10.

Rhyhtmische Arbeitsweise mit Kindern und Jugendlichen
Ltg: Barbara Holzapfel
Ort: Hellerau/Dresden
Info: Karin Koch, Tel: 0351/8809392

14.-15.10.

„Wie man in den Wald hineinruft ...“ oder „Der Ton macht die Musik“
Positive Beziehungsaufnahme und Kommunikationsstrukturen im Instrumentalunterricht
Ltg:  Sibylle Cada
Ort: Meppen/Emsland
Info: Landesverband niedersächsischer Musikschulen e.V., Tel: 0511/15919, vdm.nds@t.-online.de, www.musikschulen-niedersachsen.de

14.-21.10.

Blockflöten-Ensemble-Kurs
Consort-Literatur des 16. und 17. Jh. für fortgeschrittene Laien, Musiklehrer und Studenten
Ltg: Martina Joos
Ort/Info: Laudinella, CH-St. Moritz, Tel: 0041/(0)81/836 00 00, info@laudinella.ch, www.laudinella.ch

16.-27.10.

Kammermusikförderkurs
für Instrumentalisten ab 12 Jahren, die sich am Wettbewerb „Jugend musiziert“ beteiligt oder einen vergleichbaren Leistungsstand erreicht haben
Ltg: Prof. Dr. Ulrich Thieme (Blockflöte) u.a.
Ort: Musikakademie Rheinsberg
Info: Jeunesses Musicales Deutschland, Tel: 07934/280, Fax: 8526, weikersheim@JeunessesMusicales.de, http://www.JeunessesMusicales.de

20.-22.10.

Klezmer- und Zigeunermusik aus Südosteuropa – Tradition und Improvisation
für alle, die ihr Instrument gut spielen können (mit oder ohne Notenkenntnisse), Vorkenntnisse nicht erforderlich
Ltg: Andás Farkas
Ort: Benediktbeuren
Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

27.-29.10.

Internationale Blockflötentage Engelskirchen
Wettbewerb, Konzerte, Workshops, Ausstellung
Ltg:  Ulrike Schmidt-Laukamp
Ort: Engelskirchen
Info: Tel: 02263/951405, www.Blockfloetentage-Engelskirchen.de

28.-29.10.

Ballads of Birds – Einsatz der Blockflöte in der populären Musik
Kompositionen von Volker Leiss: Barock, Pop, Folk, Folk-Rock, Latin-Jazz in einer faszinierenden Mischung. Umgang mit technischen Hilfsmitteln, Playback, Klangeffekte, Aufnahmetechnik u.a.
Ltg: Volker Leiss
Ort/Info: Conrad Mollenhauer Flötenbau, Fulda, Tel: 0661/9467-0, Fax: 9467-36, E-Mail: seminare@mollenhauer.com, www.mollenhauer.com

29.10.-4.11.

Fior gentil
Musik und Tanz der Spätgotik und Frührenaissance in Oberitalien; für Erwachsene und einem speziellen Parallelangebot für Kinder
Ltg: Irmard Waidosch (Blfl.), Sabine Kreutzberger (Viella), Walter Waidosch (Viella, Chor), Lieven Bart (Tanz), Ursula Benno (Feldenkrais), Kees Boeke (Vortrag)
Ort:  Badia a Ruoti, Toskana
Info: I. Waidosch, Tel/Fax: 08726/910193, WWaidosch@aol.com



November

2.-5.11.

Körper – Stimme – Instrument
Zusammenhänge zwischen Atmung, Körperhaltung, Gefühl und Ausdrucksfähigkeit anInstrument bzw. Stimme
Ltg: Angela Schlehuber-Funke
Ort: Schmallenberg/Sauerland
Info: Internationaler Arbeitskreis für Musik, Tel: 0561/935170, IAMeV@t-online.de

3.-5.11.

Tanz- und Musikwerkstatt – internationale Folklore
Folkloretänze aus osteuropäischen Ländern und Israel; Tanz- und Musikgruppen
Ltg: Holger Müller, Tanja Weniger
Ort: Neubörnsen/Hamburg
Info: Arbeitkreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

3.-5.11.

Klezmer-Kurs
für Sänger und Musiker aller Instrumente ab 16 Jahren
Ltg: Sabine Döll, Gabriela Kaufmann
Ort: Eisenach
Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

4.11.

Einführung in den Computer-Notensatz
mit Hilfe der Notarions- und Sequenzer-Programme Cubasis und Cubase VST
Ltg: Wolfgang Wierzyk
Ort: 30832 Garbsen
Info: Landesverband niedersächsischer Musikschulen e.V., Tel: 0511/15919, vdm.nds@t.-online.de, www.musikschulen-niedersachsen.de

4. und 18.11.

Musik am Computer
Ein Einstieg für Computernovizen ohne viel Fachchinesisch: Einsatz des Computers zur Unterrichtsvorbereitung, Transponieren, Arrangements, Notensatz u.a.
Ltg: Thomas Peter-Horas
Ort: Neu-Isenburg
Info: AMJ, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

10.-12.11.

„Mein Freund ist mein, und ich bin sein“
Das Hohelied Salomonis im 15.–17. Jh.; für Sänger und Spieler historischer Streich- und Blasinstrumente
Ltg: Sabine Cassola
Ort: Fürsteneck
Info: Internationaler Arbeitskreis für Musik, Tel: 0561/935170, IAMeV@t-online.de

11.11.

Inneres Hören –Innere Tonvorstellung
Relative Solmisation für Kinder
Ltg: Johannes Kansy
Ort: Erding
Info: Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen e.V., Tel: 0881/8924

11.-12.11.

Die „Moderne Altblockflöte“ von Mollenhauer
Einführung in einen neuen Instrumententyp: Griff- und Überblastechnik, Literaturtipps, gemeinsames Musizieren; Instrumente werden für die Dauer des Seminars gestellt.
Ltg: Nik Tarasov
Ort/Info: Conrad Mollenhauer Flötenbau, Fulda, Tel: 0661/9467-0, Fax: 9467-36, E-Mail: seminare@mollenhauer.com, www.mollenhauer.com

17.11.

Multimedia Schulung
Einführung in die Notations- und Kompositionssoftware am Beispiel des Programmes Finale 2000
Ltg: Ralph Lange
Ort: Hammelburg
Info: Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen e.V., Tel: 0881/8924

17.-19.11.

Kammermusik – Neue Musik – Improvisation
für junge Ensembles und Instrumentalisten mit und ohne Ensembleerfahrung
Ltg: Prof. Helmut W. Erdmann u.a.
Ort: Lüneburg
Info:
Jeunesses Musicales Niedersachsen, Fortbildungszentrum für Neue Musik, Tel: 04131/309390, erdmann@uni-lueneburg.de  

17.-19.11.

Klezmer & Jiddische Lieder
gespielt, gesungen, getanzt; für alle, die ihr Instrument mit oder ohne Notenkenntnisse gut spielen können.
Ltg: Andás Farkas u.a.
Ort: 29465 Schnega
Info: Arbeitskreis Musik in der Jugend, Tel: 05331/46016, AMJMusikinderJugend@t-online.de, http://db.allmusic.de/orga/amj

18.11.

Der ferne Barock
Vortrag und Kurs, Konzert mit dem Ensemble ornamente 99
Ltg: Karsten Erik Ose, Dorothee Oberlinger
Ort/Info: early music im Ibach-Haus, Schwelm, Tel: 02336/990290, early-music@t-online.de

18.-19.11.

Wege aus der Eintönigkeit – Multidimensionaler Instrumentalunterricht
Eine Vielzahl von unterschiedlich kombinierbaren Organisationsformen des Gruppenunterrichtes, die effektives Lehren und Lernen ermöglichen.
Ltg: Gerhard Wolters
Ort/Info: Conrad Mollenhauer Flötenbau, Fulda, Tel: 0661/9467-0, Fax: 9467-36, E-Mail: seminare@mollenhauer.com, www.mollenhauer.com

24.-25.11.

Neue Musik – Computermusik – Live-Elektronik
Theorie, Praxis, Konzerte
Ltg:
Prof. Helmut W. Erdmann, Claus-Dieter Meier (Assistenz)
Ort:
Lüneburg
Info:
Jeunesses Musicales Niedersachsen, Fortbildungszentrum für Neue Musik, Tel: 04131/309390, erdmann@uni-lueneburg.de  

25.-26.11.


Ein Blockflötenfest mit Hans-Martin Linde
zum Anlass seines 70. Geburtstages
Ort/Info: Jugendmusikschule Steinlach, Tel: 07473/6772, siegfr.busch@t-online.de

 

 

Aus der Blockflötenwerkstatt


Herbert Paetzold und das „klingende Sperrholz“

 


Viereckige Bassblockflöten aus Sperrholz: Mit der ungewöhnlichen Form seiner Instrumente erregte der Blockflötenbauer Herbert
Paetzold vor 24 Jahren weltweit Aufmerksamkeit. Christina Berger berichtet über den Werdegang des Blockflötenbauers, der eng mit der Entwicklung dieser Instrumente zusammenhängt.

 

Vor nunmehr beinahe 24 Jahren begann Herbert Paetzold sich intensiv mit dem Blockflötenbau und speziell mit der Konstruierung und Entwicklung des viereckigen Bassmodells, damals der Kontrabassblockflöte in F, zu widmen. Diese Idee und das Urmodel des Kontrabasses – noch mit geradem Kopfteil – stammten ursprünglich von Herbert Paetzolds Onkel Joachim, einem damals schon sehr bekannten, beliebten und bis heute tätigen Blockflötenbauer aus Tübingen, der diese phantastische Idee schon 10 Jahre länger mit sich herumtrug: Es müsste doch möglich sein, tiefe Blockflöten wesentlich preisgünstiger herzustellen, wenn man sich auf die Erfahrungen aus dem Orgelbau stützt. Die Form der klingenden Luftsäule (ob zylindrisch oder rechteckig) spielt hier keine Rolle im Hinblick auf den Klang – das müsste auch auf den Blockflötenbau übertragbar sein. Entscheidend ist beim Flöten- (bzw. Pfeifenbau) auch weniger das Material, sondern in erster Linie die Mensur und Oberflächenbeschaffenheit. Joachim Paetzold führte diese Idee konsequent aus und begann die ersten viereckigen Blockflöten – aus Sperrholz! – zu entwickeln.
Mitte der 70er Jahre war es dann so weit. Herbert Paetzold bekam von seinem Onkel bei einem Besuch dessen gerade fertig gestelltes viereckiges Kontrabassmodel gezeigt und war spontan von dieser Idee so begeistert, dass er beschloss, sich nun endlich seinen Jugendtraum zu erfüllen, nämlich mit Instrumenten umzugehen und diese zu fertigen.
Diesen Wunsch hatte er lange Zeit zurückgestellt: Nach dem Studium der Elektrotechnik, zunächst beim Theater,  anschließend als Kameramann beim „Jungen Deutschen Film“  beschäftigt, hatte er danach mit seinem Bruder als Möbelschreiner (Einbauküchen und -möbel) gearbeitet.

So begann er das Handwerk des Blockflötenbauers zu erlernen – weitgehend autodidaktisch und mit der Unterstützung und Hilfe seines Onkels, den es nach wie vor freut, dass der Neffe in seine Fußstapfen getreten ist und seine Idee vervollständigt und weiterentwickelt hat. Dass er ursprünglich vom technischen Bereich her kam, war für ihn dabei nur von Vorteil: So vorurteilsfrei und tabubrechend konnte zu dieser Zeit nur jemand an den Flötenbau herantreten, der gerade nicht  aus der „Alte-Musik-Szene“ kam, die damals noch sehr puristisch auf historische Bauweisen fixiert war.
Auch für Herbert Paetzold galt von Anfang an das Ziel, Bassblockflöten herzustellen, die leicht über 2 Oktaven spielbar, preislich erschwinglich und spieltechnisch auch von Kindern zu bewältigen sind (vollständige Beklappung aller Instrumente). Dieser Grundsatz hat bis heute das eigenwillige und funktionell-nüchterne Design der Instrumente bestimmt.
Der Klang der Instrumente konnte aber auch Profis überzeugen: Frans Bruggen war z.B. vom Kontrabass in F aus Birkensperrholz so begeistert, dass er 1977 gleich drei Instrumente für sein Trio „Sour Cream“ mit Walter van Hauwe und Kees Boeke bestellte.


1975 eröffnete Herbert Paetzold einen „Spezialladen für Blockflöten und Cembali“ und entwickelte seine Kenntnisse und handwerklichen Fähigkeiten im historischen Holzblasinstrumentenbau weiter.
Gleichzeitig arbeitete er ständig an der Weiterentwicklung und Verbesserung der viereckigen Modelle (z.B. Knickbass, um Direktanblasen zu ermöglichen, Verkleinerung der Mensur usw.).


1978 ging es dann aufs Land, zunächst nach Schnerzhofen, Gemeinde Markt Wald im Unterallgäu, wo Paetzold neben der Weiterentwicklung und Vervollkommnung der Kontrabassblockflöte in F ständig weitere Instrumente der Blockflötenfamilie entwickelte, so z.B. die nächsthöhere tiefe Blockflöte, den Großbass in c (selbstverständlich auch viereckig) und Ende 1995 das Basset in f (Bassblockflöte) und den Subkontrabass in C – tiefster Ton klingend großes C, wie die tiefste Cellosaite. Diese viereckige Subkontrabassblockflöte in C ist die tiefste serienmäßig hergestellte Blockflöte der Welt und wird mittlerweile von Musikern und auch Laien äußerst gerne für moderne Blockflöten-Kompositionen wie auch im Bereich der Ensemblemusik verwendet.
Seitdem gibt es nun ein komplettes Quartett von viereckigen Bassblockflöten!
Auch erweiterte Herbert Paetzold in dieser Zeit sein Herstellungsprogramm durch immer neue Kopien von Block- und Traversflöten alter Meister. So war er der erste Blockflötenbauer, der die heute sehr beliebten Instrumente von Hironymus Franziskus Kynseker nach Kopien aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg fertigte und diese im selben Jahr bereits der Öffentlichkeit beim „Festival van Vlaanderen – Brugge“ präsentierte.

Zudem war Herbert Paetzold von 1978–1982 als Musiklehrer (Blockflöte und Ensemble) an der Städtischen Musikschule Mindelheim tätig. Nahezu vollständig autodidaktisch erlernte er das Spiel vieler unterschiedlicher Instrumente: Blockflöte, Klarinette, Trompete, Klavier, Cembalo, Gitarre, Violine, Barockfagott und historische Holzblasinstrumente.

1984 zog der Blockfötenbauer dann mit Werkstatt und Musikgeschäft von Schnerzhofen direkt nach Markt Wald und gründete dort den „Flötenhof e.V.“, der durch seine Kursprogramme und Konzertveranstaltungen vor allem im Bereich der Alten Musik weit über die regionalen Grenzen hinaus bis ins benachbarte Ausland bekannt ist. Schon in Schnerzhofen und auch in der doch 17 Jahre dauernden Übergangslösung Markt Wald träumte Paetzold von einem „größeren Musikzentrum für Alte Musik“ mit großer Werkstatt, Ladengeschäft, einem eigenen Konzert-, Kurs- und Übungsraum und mehr Platz (Gästezimmer, Aufenthaltsraum usw.) für die Musik- und Meisterkurse in seinem Haus. Doch musste er damit noch bis Juni 1996 warten, bis der Erwerb eines ca. 800 m² großen Hauses gelang, einer ehemaligen Orgelbauwerkstatt (erstmals erwähnt 1874).

 

Vor nunmehr 2 Jahren ist im neu erworbenen Objekt Ebenhofen, Landkreis Ostallgäu, nunmehr ein kleines aber umfassendes Zentrum für Alte Musik entstanden, das in ca. 2 weiteren Umbaujahren seiner Vollendung entgegen sieht und dann mit 9 Gästezimmern, einem 83 m² großen Konzert-, Kurs- und Übungsraum und Aufenthaltsräumen für Gäste und Kursteilnehmer seiner eigentlichen Bestimmung übergeben wird: zum Thema Alter Musik Musikfreizeiten und Meisterkurse sowie Konzerte durchzuführen.


In seiner großräumigen Werkstatt fertigt Paetzold heute eine Vielzahl von Instrumenten: Blockflöten in Sonderanfertigungen, preisgünstige Schulmodelle von Sopran- bis Tenorblockflöte, eigene Entwicklungen von der Garkleinflöte bis zum Subkontrabass, Kopien alter Meister und darüber hinaus Cembali, Gamben, Violinen usw. Alle diese Instrumente, sowie entsprechendes Notenmaterial und auch Instrumente von Kollegen und Bausätze nach historischen Vorlagen sind in Herbert Paetzolds Musikfachgeschäft „Musica Antiqua“ in Ebenhofen zu erwerben. Auch kommen in die „Instrumenten-Klinik“ des öfteren „Patienten“ wie Blockflöten, Querflöten, Saiteninstrumente, Krummhörner und einiges mehr.

 

Doch das besondere Augenmerk des Blockflötenbauers gilt nach wie vor seinen tiefen Blockflöten, den mittlerweile so genannten „Paetzold-Bässen“, mit denen er sich in den vergangenen 25 Jahren in der gesamten Fachwelt einen Namen gemacht hat. Diese Flöten werden nicht nur in Europa , sondern auf der ganzen Welt – den USA, Japan, Australien, Korea usw. – verkauft.

 

Bis heute ist Herbert Paetzold seiner Grundidee und der seines Onkels aus Tübingen treu geblieben. Dabei ist er ständig dabei, seine Instrumente weiterzuentwickeln und zu vollenden. In Gedanken und Planung ist noch ein weiteres tieferes Instrument, das in ca. 3 Jahren auf den Markt kommen soll: der Subsubkontrabass in FF, eine Quinte tiefer als der Subkontrabass in C! – wobei Paetzold meint: „Dies müsste auf jeden Fall spiel- und bautechnisch noch möglich sein.“

                                   

Kontakt:
Herbert Paetzold
Schwabenstraße 4
87640 Ebenhofen
Tel:  08342/899111
Fax: 08342/899122
E-Mail: HerbertPaetzold@t-online.de

 

 

Internet

Die Recorder Home Page  
Deutschland
             www.blockfloetenbau.de 
Australien           
www.iinet.net.au/~nickl/recorder.html
USA    
www.classicalmus.hispeed.com/nickl/recorder.html


Ein Interview mit Nicholas Lander

 

von Andrew Mayes



Vom australischen Domizil aus gestaltet der Biologe, Systematikfachmann und begeisterte Blockflötist Nicholas Lander eine der umfangreichsten Informationsplattformen im Internet zum Thema Blockflöte – die Recorder Home Page.

Über 300 000 Verbindungen von über 18 000 Besuchern monatlich zeigen, dass hier ein ungewöhnliches Forum entstanden ist, das von Blockflötenfreunden aus aller Welt genutzt wird.

Dieser Beitrag wurde uns freundlicherweise von der englischen Blockflötenzeitschrift Recorder Magazine zur Verfügung gestellt. Wir geben ihn gekürzt in der Übersetzung von Nik Tarasov wieder.

 

 

Andrew Mayes:  Wie ist die Recorder Home Page entstanden? Hat mehr dein beruflich geschulter Hang zu Systematik, Kommunikation und zum Programmieren dazu geführt oder eher deine Blockflötenbegeisterung?

Nicholas Lander: Wohl etwas von allem. Schon immer war ich ein hartnäckiger Sammler von Hinweisen auf alle Arten von Musikinstrumenten und besonders der Blockflöte. Eine Auswirkung meines Systematikerdaseins, vermutlich. Meine Bibliothek an Büchern, Zeitschriften, Partituren, die Schränke voller Hinweise, Beurteilungen, Abbildungen, Vorträge, Rezensionen und Korrespondenzen ist enorm. Vor einigen Jahren wechselte ich in meinem Beruf von der Forschung ins Wissenschaftsmanagement. Bei der Verantwortung für verschiedene Systeme zur Entwicklung und Forschung innerhalb der riesigen wissenschaftlichen Abteilung war es unumgänglich, die Veröffentlichungen ins Internet zu stellen. Beim Stöbern zum Stichwort „Blockflöte“ fand ich damals aber rein gar nichts.

Eigentlich nur, um einfach einmal etwas zum Thema im Netz zu haben, lernte ich den Umgang mit der Programmiersprache HTML (die hypertext markup language hinter den Webseiten) und setzte die erweiterte Fassung eines für das Australian Journal of Musical Education geschriebenen Artikels auf. Dieser bildet immer noch das Kernstück zu meiner Site, namentlich The Recorder: Instrument of Torture or Instrument of Music? (Die Blockflöte: Marter- oder Musikinstrument?). Diese Anstrengung förderte umgehend die Aufmerksamkeit anderer Enthusiasten zutage, die mich dann mit allerhand Fragen zu bombardieren begannen: Wo kauft man Instrumente, Noten, Aufnahmen; wie greift sich diese oder jene Note; wo findet man einen bestimmten Hinweis, usw. Die Site wuchs, als ich diesen Bedürfnissen Rede und Antwort stand. Unter den frühesten Gesprächspartnern und bis zum heutigen Tage zählt der italienische Blockflötenvirtuose David Bellugi mit seiner genialen und hilfreichen Kritik. Sehr wichtig bleiben meine Kontakte zum amerikanischen Musikwissenschaftler und Bibliothekar David Lasocki und natürlich auch zu Anthony Rowland-Jones.

 

A. Mayes: Kein anderes Musikinstrument besitzt etwas Vergleichbares wie die Recorder Home Page. Die Zahl der Nutzer ist verblüffend ...

N. Lander: Ja, die RHP Site erhält bis zu 300 000 Verbindungen monatlich von nahezu 18 000 Besuchern. Das ergibt im Jahr bis zu 216 000 Besucher, von denen sich ein jeder annähernd 168 Materialseiten ansieht. Im Web kann sich eine solche Seite aus Text, Bild, Ton- oder Videofiles zusammensetzen, oder aus deren Kombinationen. Aber egal wie man es betrachtet, es scheint weitaus mehr Interesse an der Blockflöte zu geben, als ich je erwartet hätte.

Mittlerweile gibt es eine Anzahl weiterer, der Blockflöte gewidmeten Web Sites in Frankreich, Holland, Deutschland, Brasilien, Japan, Singapur und anderswo. Diese verschiedenen Quellen ergänzen sich einander sehr gut, indem sie lokale Begebenheiten und eigenständige Standpunkte darstellen. All dies kann von der Plattform der RHP unter den verschiedenen Links abgerufen werden.

Es gibt auch hervorragende Web Sites zu anderen Instrumenten, selbst zum Krummhorn! Einige meiner Favoriten sind diejenigen zur Flöte, Okarina, Shakuhachi, der Tin Whistle, der Txistu (die baskische Einhandflöte mit drei Löchern). Was die RHP so bedeutsam macht, ist wohl ihr unmittelbar erreichbares Umfeld, ihre Verbreitung und die Detailsammlung als betont effiziente Lieferantin von Informationen.

 

A. Mayes: Innerhalb der Homepage gibt es eine einzigartige Sammlung ikonagrafischer Zeugnisse über die Blockflöte. Wie wurde sie in der Fachwelt aufgenommen?

N. Lander: In einigen Fachkreisen hätte das Eröffnen eines Kataloges mit Blockflötenabbildungen in Kunstwerken als Anmaßung missverstanden werden können. Dennoch begriff man dies als Chance, derartige Kunstrecherchen nun einem größeren Kreis zugänglich zu machen. Die Größe dieses Online-Kataloges stieg beinahe exponentiell, so dass ich den Überblick zu den Mitgliedern verloren habe. Allerdings sind erste Anzeichen sichtbar, dass sich das Ganze so um die 2000 einpendelt. Mein Hauptmitarbeiter und der eigentliche Genius hinter der Blockflöten-Ikonografie ist Anthony Rowland-Jones, der regelmäßig die Museen, die Bildsammlungen und die Bibliotheken Europas nach Spuren zur Blockflöte absucht und mich mit Bemerkungen und Bildmaterial füttert. Durch seine Anstrengungen stehen wir mit Forschern, Kuratoren und Enthusiasten in regem Kontakt, deren Daten- und Bildmaterialien uns weitgehend großzügig zur Verfügung stehen. Darunter befinden sich Armin Brinzing (München), Hermann Moeck (Celle), Florence Gertreu (Paris), Angelo Zaniol (Venedig).

 

Der einzige vergleichbare, mir bekannte und bestimmten Instrumenten gewidmete Online-Katalog besteht aus den einleitenden Auflistungen von Mary Rasmussen bezüglich der Laute, zum Horn und zum Tamburin. Ich bin auf diese erst kürzlich gestoßen und habe dadurch einiges in der Blockflöten-Ikonografie ergänzen können. Außerdem gibt es eine vorzügliche Site über Abbildungen von Musikinstrumenten in Kunstwerken französischer Sammlungen, nämlich der Joconde Datenbank in Paris.

 

A. Mayes: Ein anderer Teil der Home Page ist dem Katalog von Originalinstrumenten gewidmet ...

N. Lander: Der Katalog über Originalinstrumente ist leider erst in Teilen fertig. Ich habe zwar die meisten Daten zur Hand und sogar ein eigenes Datenbanksystem dazu entwickelt; jedoch wird es noch etwas Zeit brauchen, alles abrufbar aufzulisten. Grundsätzlich wird es dem Nutzer ermöglicht, Instrumente eines bestimmten Herstellers ausfindig zu machen und dazu Details über Aufbewahrungsorte, Größen, Stimmungen, Materialien, Herstellerbrandmarken, Hinweise zu beschreibenden Artikeln, erhältliche Konstruktionspläne und Abbildungen zu erfahren. Vieles ist aus der Fachliteratur abgeleitet, anderes aber auch von mir selbst und in bedeutenderer Form von heutigen Herstellern ergänzt, wie etwa Adrian Brown und Jean-François Beaudin.

 

A. Mayes: Und weitere Besonderheiten der Home Page?
N. Lander: Unter dem Angebot der
Recorder Home Page befinden sich außerdem Verzeichnisse von Komponisten, Herstellern und Händlern, Musikverlegern, Spielern, von Einspielungen, Vereinigungen, über Software, Unterrichtsinstitute, Repertoirekataloge verschiedener Länder, Auszüge aus Literatur, Theater und Film, die Blockflöte betreffend. Da gibt es Klangsequenzen zum Hören oder Mitspielen. Weiterhin ausgewählte Bibliographie und Artikel einer ganzen Reihe von Mitarbeitern zur Blockflötengeschichte, zu deren Pflege, zu symbolischen Assoziationen, sowie Physikalisches, Technisches zur Konstruktion und vieles mehr. Es gibt auch eine spezielle Seite zum Quellenstudium für Flötenmacher. Die RHP dient auch den Verkaufsläden und den Musikverlegern gerne als Präsentationsplattform. Im Grunde können all diese grundlegenden Informationen auch auf herkömmlichem Weg ausfindig gemacht werden. Jedoch liegen sie weitverstreut und so wäre es sehr zeitaufwendig, da man eine große akademische Bibliothek danach durchsuchen müsste.

A. Mayes: Gibt es Bereiche, wo dieser verbesserte Zugang zu Informationen die Quellenforschung in ein neues Licht rücken kann?

N. Lander: Absolut! Man muss feststellen, dass alles, was über Blockflötegeschichte geschrieben wurde, zumeist eurozentrisch orientiert ist. Wir müssen mehr Bewusstsein darüber bekommen, was in anderen Ländern an Geschichtlichem passiert ist, wie etwa in Skandinavien oder Russland. Ich konnte einiges darüber ausmachen, wie etwa vom 16. Jh. in Japan und ab dem 17. Jh. in Amerika damit umgegangen wurde, ja sogar ein Beitrag über die Einführung der Blockflöte im Bolivien des 16. Jh. Einer Darstellung des musikalischen Lebens bedarf es auch im Hinblick auf andere europäische Kolonien, einschließlich Südafrika, Indien und vieler Staaten in Zentral- und Südamerika. Für diesbezügliche Hinweise und zur jüngsten Geschichte der Blockflöte bräuchte es Beiträge einheimischer Mitwirkender mit Zugang zum lokalen Wissen und zu entsprechenden Quellen.

 

Walter van Hauwe und Paul Leenhouts betreiben eine umfassende Online-Datenbank an zeitgenössischer Musik für Blockflöte, beginnend von 1900 an, welche nun Details über nahezu 3000 Werken enthält und täglich wächst. Das Projekt schreitet gut voran, obwohl das zu bearbeitende Feld riesig ist und sie jede Hilfe gut gebrauchen können. Bis heute habe ich über Mitarbeiter an Repertoirelisten in Japan, Argentinien und Spanien herankommen können. Selbst habe ich Kataloge für Neuseeland und Australien zusammengestellt. Auch Listen für Brasilien und Südafrika sind versprochen. Bei anderen Ländern sind Auszüge aus den jeweiligen nationalen Musikzentren zusammengestellt worden, wenn diese online verfügbar oder über Bibliothekskataloge im Internet abrufbar sind. Wieder sind diejenigen aufgefordert, die dort vor Ort Zugang zu den Informationsquellen haben, an der Datenbank von Hauwe/Leenhouts mitzuwirken.

 

Das historische Repertoire bleibt bisher Datenbank-mäßig weitgehend unerschlossen. Die Auflistung des französischen Barockrepertoires von Laurence Poitier (mit Hinweisen auf moderne Neueditionen) ist auf der Blockflöten-Site von Jean-Luc Manguin abrufbar. Soviel ich weiß, bleibt dies ein isoliertes Projekt, obwohl mir bekannt ist, dass sowohl Walter van Hauwe als auch David Lasocki beabsichtigen, unabhängig eine Datenbank des Repertoires vor dem 20. Jahrhundert zu erstellen!

 

Ich habe eine umfassende Zusammenstellung von literarischen Zitaten über die Blockflöte oder verwandte Instrumente bereitgestellt und bin daran interessiert, weitere zeitgenössische Quellen kennen zu lernen. Es wäre wunderbar, wenn dieses Vorhaben auf die Literatur anderer Sprachen ausgedehnt werden könnte. Allerdings würde dies die Mitarbeit entsprechend umsichtiger und sprachbewanderter Leute erfordern.

 

Einer meiner Träume ist, die verschiedenen Blockflötenzeitschriften dazu anregen zu können, ihre Artikel online verfügbar zu machen. Mit modernen Scannern wäre dies gewiss zu schaffen. Recorder Magazine wäre ein Ziel für ein solches Vorhaben, genauso wie American Recorder, Tibia, Revista de Flauta de Pico, Windkanal, und das australische Journal of Recorder und Early Music. Hinzu gefügt werden könnten relevante Beiträge aus Woodwind Quarterly, FoMHRI Quarterly, Early Music, und The Galpin Society Journal, usw. Ein mit Flachbettscanner und geeigneter, weiterverarbeitender Software bewaffnetes Team könnte in der Tat sehr schnell erledigen, was dafür nötig wäre.

 

Ich habe womöglich genügend geschildert, was schon alles getan worden ist, aber auch noch zu tun bleibt. Es scheint an dieser Stelle angebracht zu sagen, dass ich von jeder Seite Beiträge oder eine Mitarbeit an der Recorder Home Page willkommen heiße!

 

A. Mayes: Welche Erweiterungsmöglichkeiten siehst du noch für die Recorder Home Page? Ich denke da an zukünftige Möglichkeiten der Medien, des Internets und an den Zugriff auf Tonaufnahmen oder Musikdrucke. Bringen solche Möglichkeiten eigene Probleme mit sich?

N. Lander: Vieles, was du dir vielleicht vorstellst, ist schon da, wenigstens im Entwicklungszustand. Man kann Finale-, PostScript- und Sibeliuspartituren schon am Bildschirm abrufen, ausdrucken oder anschauen bevor man sich zum Kauf entschließt. Dann gibt es Klangbeispiele von CDs oder MIDI Files zu hören; die MIDI Files kann man auch im Sinne von „Music Minus One“ als Begleitung für praktische Zwecke verwenden. Files von Abbildungen können einfach nur bestaunt, aber auch in Ausschnitten für eigene Dokumentationen benützt werden. Dagegen ist momentan lediglich ein Bauplan einer Blockflöte aus dem 18. Jh. von einem führenden Hersteller verfügbar gemacht worden. Leider gibt es noch keine Videoclips von Spielern und Lehrern, obwohl dies ganz leicht gemacht werden könnte. Wie auch immer, die Einbeziehung von Multimedia-Elementen bringt so seine Tücken mit sich. Darunter sind Qualitätsprobleme, Bandbreite und Speicherplatz zu zählen (Multimedia-Files sind in der Regel umfangreich), sowie die Probleme mit dem Copyright. Letzteres kommt einem Minenfeld gleich, fürchte ich.

 

A. Mayes: Inwiefern hat die Recorder Home Page die Blockflötenforschung oder die Kommunikation zwischen den Blockflötenbegeisterten weiter gebracht?

N. Lander: Die Blockflöten-Ikonografie ist ein offensichtliches Beispiel dafür, was durch die Zusammenarbeit weniger im Internet alles erreicht werden kann. Sie stellt mit ihren annähernd 2000 Blockflöten-Details aus Kunstwerken eine einzigartige Informationsquelle dar. Nach meinem Wissen gibt es in diesem Umfang auch auf anderen Medien nichts Vergleichbares. Ich bin mir sicher, dass diese bald einen festen und stimulierenden Platz im musikwissenschaftlichen Bereich einnehmen wird. Auch bin ich vom Wert eines freien Zuganges zu den vielfältigen Informationen überzeugt, wie z.B. fachkundigen Anleitungen zur Instrumentenpflege, Beiträgen zu verschiedenen technischen Aspekten, Verzeichnissen gegenwärtiger Hersteller, Musikverleger und Musikalienhändler und dem Zugang auf eine Datenbank von annähernd 800 CDs mit unterschiedlichen Blockflötenbeiträgen. Dies alles dürfte dazu beitragen, dass sich Begeisterte sowie Forschende gleichermaßen im gegenseitigen Austausch näher kommen.


www.blockfloetenbau.de  – Recorder Home Page (Deutschland)
Mit der Recorder Home Page (Deutschland) baut Jo Kunath in Zusammenarbeit mit Nicholas Lander zur Zeit die deutschsprachige Ausgabe der englischen Recorder Home Page auf, in der ausgewählte Beiträge der englischsprachigen Ausgaben in deutscher Übersetzung zu finden sein werden. Schon jetzt enthält die Home Page bereits eine Fülle von Texten, Infos, Kontakten, Links ...
Über die leicht einprägsame Adresse www.blockfloetenbau.de gelangen Sie auf einfachste Weise auch zur Recorder Home Page (Australien) und zur Recorder Home Page (USA).

 

 

 

Bildung und Ausbildung

Musikgymnasium Berlin

 

Das Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Gymnasium Berlin stellt sich vor

 

Stichwort Musisches Gymnasium – nun, das haben wir schon hie und da gehört. Aber ein „Musikgymnasium“? Das ist doch eher seltener anzutreffen. Wo liegt in diesem Amtsdeutsch der Unterschied? Nach Antworten auf diese Frage hat sich Nik Tarasov vor Ort kundig gemacht und auch in Sachen Blockflöte nachgehakt.

 

 

Auf einem großzügigen Anwesen in Berlin-Mitte ist ein weitläufiges Schulgebäude um einen begrünten Innenhof herum gebaut. Neben der für die Stadt eigentümlichen Mischung aus Patina und Aufbaustimmung schallen ohrenfällige Resonanzen von Fenster zu Fenster. „Da is Musicke drin ...“, denkt man unwillkürlich.

In der Tat mag es hier musikantischer zugehen als an vergleichbaren Orten. Wir haben es mit einer interessanten Sonderform eines Gymnasiums der neuen Bundesländer zu tun. Gleichsam als traditionsreiches Relikt, musikalisch Begabten früh weiterhelfen zu wollen, hat diese Schule die Zeiten überdauert. Werfen wir zunächst einen Blick zurück.

 

Bildung und Kultur wurden in der DDR groß geschrieben. Wer die Musikerlaufbahn im Auge hatte, war angehalten, zur Studienvorbereitung den unumgänglichen Weg über eine Spezialschule für Musik zu gehen, welche den jeweiligen Hochschulen angeschlossen war.

Die Musikschulen in der DDR hatten die Aufgabe, die Basisarbeit zu leisten mit dem vorrangigen Ziel, den Nachwuchs für die ca. 65 Orchester heranzubilden. So wurde die Blockflöte hauptsächlich zur Vorbereitung auf das Erlernen eines Orchesterinstruments angesehen. Das hatte zur Folge, dass ausschließliche Blockflötenlehrer nicht gefragt waren. Daher konnte damals Blockflöte auch nur als zweites Haupt- bzw. Nebenfach neben einem anderen Blasinstrument studiert werden.

 

Heute führen Vergangenes und gegenwärtige Anforderungen diese Institutionen in synthetischer Vereinigung zu ganz neuen Perspektiven. Der allgemeinbildende schulische Teil eines Musikgymnasiums (als Nachfolger der Spezialschulen für Musik) entspricht dem eines neusprachlichen Gymnasiums und führt bis zum Abitur, welches uneingeschränkt zu allen Studien- und Ausbildungsrichtungen berechtigt. Mittelpunkt aber ist die Musikausbildung im instrumentalen Hauptfach und die erforderlichen Ergänzungsfächer.

Gegenwärtig gibt es im Gegensatz zu den anderen weiterhin geführten Spezialschulen nur in Berlin die Möglichkeit, das Hauptfach Blockflöte zu wählen. Der Unterricht wird von Lehrern der Hochschule übernommen. So ist von Anfang an ein direkter Draht zum Studium vorhanden. Durch das Einbeziehen in dortige musikalische Projekte schnuppert man frühzeitig Hochschulluft. In langjähriger Vorbereitung wird alles gelernt, was anderswo oft schnell noch in Crashkursen eingetrichtert wird. Und im ehemaligen Internatstrakt kann ausgiebig nach Lust und Laune geübt werden. Das ergibt natürlich begeisterte Schülerinnen und Schüler, die immer wieder selbst Konzerte veranstalten. So hilft ein reichhaltiges kulturelles Schulleben dabei, musikalisches Teamwork und Kameradschaftlichkeit zu fördern.

 
Informationen zur Eignungsprüfung: Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Oberschule, Musikgymnasium,  Rheinsberger Str. 4–5, 10115 Berlin, Tel: 030/4490426, Fax: 030/4490404

 

 

 

Blockflötenliteratur

Hans Ulrich Staeps

oder die Wiederentdeckung eines Blockflötenpioniers


von Philipp Tenta

Blockflötenkomponisten wie Giesbert, Mönkemeyer oder Staeps, die ihre Hauptschaffensperiode zwischen 2. Weltkrieg und Kabelfernsehen hatten, scheinen in einer entfernt grauen Vorzeit gelebt zu haben. Zwar befinden sich im Notenschatz sicher jeden Blockflötenspielers nicht nur das eine oder andere Werk, vielleicht sogar eine ganze Sammlung; vielleicht hat sich manch einer auch mit einem Lehrwerk dieser Autoren die Grundlagen des Flötenspiels angeeignet – dennoch sind die Biographien dieser Pioniere nur wenigen Nahestehenden vertraut.

 

Philipp Tenta hat sich mit dem pädagogischen Werk von Hans Ulrich Staeps beschäftigt und einstige Weggefährten nach ihren Erinnerungen befragt.


Neue Musik? Alte Musik? Einer meiner jungen Schüler fragte mich kürzlich, nachdem wir ein von mir geschriebenes Stück probierten, ob das „Alte Musik“ wäre. Ich war leicht beleidigt! Wirke ich wirklich schon so versteinert, dass sogar meine Musik schon alt sein kann? Zur Aufklärung zähle ich nach, zu welcher Zeit ich das soeben Gespielte geschrieben habe: „Ist vor ungefähr elf, zwölf Jahren gewesen ...“ „Also sehr alte Musik!“ meint mein Schüler unerbittlich – er ist selbst neun Jahre alt.

Wie muss ihm erst die Musik erscheinen, die während meiner Studienzeit als „zeitgenössisch“ bezeichnet wurde? Schon das Wort „zeitgenössisch“ würde ihn vermutlich auf eine Periode irgendwo zwischen Renaissance und Jura tippen lassen ...

 

Dem, der sich vor 25 Jahren in einem Musikladen durch das Sortiment der Blockflötenmusik wühlte, konnte der Name Hans Ulrich Staeps nicht lange unbekannt bleiben. Damals waren es nicht nur die heute noch populären Dauerbrenner wie: Virtuose Suite, Reihe kleiner Duette, Zu zweien durch den Tonkreis oder die Triludi, auch an den Etuden (Tägliches Pensum, Tonfiguren ...) kam niemand vorbei, und meist kehrte man auch immer wieder gerne zu ihnen zurück.

Aber auch eine große Zahl von Solo und Ensemblemusik, von Renaissance bis Frühklassik, wurde von H. U. Staeps bearbeitet und meist bei Doblinger in Wien verlegt, und wer neue Ensemblemusik suchte, konnte für beinahe jede vorstellbare Besetzung eine Komposition von Staeps finden; 3- bis 12-stimmiges Blockflötenensemble, oft auch in Kombination mit anderen Instrumenten, vor allem Gitarre, Klavier und Schlaginstrumente oder mit einer frei hinzu tretenden Singstimme. Stilistisch ist dieses umfangreiche Werk in einem breiten Spektrum angelegt, doch egal ob es Anklänge und Referenzen zu Hindemith, den Impressionisten oder Expressionisten gibt, immer ist die Person des Autors sofort erkennbar und nie sind die technischen Schwierigkeiten höher, als es der musikalische Tiefgang erfordert.

 

Neben seinem Werk als Komponist und Herausgeber, welches nicht nur bei Doblinger und Universal Edition in Wien, sondern auch bei Schott, Moeck, Heirichshofen, Hänssler und mehreren amerikanischen Verlagen erhältlich ist, gibt es auch noch einen weiteren Aspekt seines Schaffens, über dem aber ein mysteriöser Schleier zu schweben scheint: ein Lehrwerk der angewandten Rhythmik mit dem geheimnisvollen Titel Atritonische Musik.

 

Atritonische Musik

 

„Wie bitte? Meinen Sie die Triludi?“ „Nein, die Bände Atritonische Musik: Übungen zum Hören und Erfinden, Spielstücke für Klavier und frei hinzu tretende Instrumente, Rhythmisches Praktikum 1+2!“ Die junge Dame im ehrwürdigen Wiener Musikhaus ist verwirrt, von diesen Titeln hat sie nie gehört. Erst als einer der älteren Mitarbeiter zu Rate gezogen wird, entsteht Klarheit. Seit über 20 Jahren werden diese Arbeitsbände nicht mehr verkauft, nach kurzem Suchen finden sich dennoch einige Exemplare.

 

Schon das Durchblättern der Arbeitshefte lässt ein Bild entstehen, wie eine Klasse der „Angewandten Rhythmik“ ausgesehen haben könnte. Kinder und Jugendliche, Schüler des Wiener Konservatoriums, die anstelle eines theoretischen Pflichtfachs die speziell von Staeps eingerichtete Sonderklasse besuchen. Statt trockener Gehörübung und Solfeggios wird dort gesungen und mit Blockflöten und Orff-Instrumenten musiziert, musiktheoretische Begriffe werden nicht gebüffelt, sondern als Anregung zu Improvisationen eingesetzt, aus Gehör- und Singübungen entwickeln die Schüler, gemeinsam mit ihrem Lehrer, musikalische Formen.

 

Das Konzept, das sich langsam aus den Arbeitsheften heraus kristallisiert, erscheint genial, was ja oft eine Garantie für ein Lehrwerk darstellt, um in Schubladen zu verstauben und vergessen zu werden. Weshalb hat sich aber die Idee eines Orff-Schulwerks beinahe weltweit durchgesetzt, während dieses Konzept in einem Dornröschenschlaf schlummert?

 

Der Vergleich Orff-Schulwerk und Atritonische Musik ist faszinierend, denn vieles scheint auf den ersten Blick verwandt, enthüllt aber bei genauerem Hinsehen ganz fundamentale Unterschiede in Ausgangspunkt, Zielsetzung und musikalischer Perspektive.

 

Beide Musikerziehungskonzepte wurden von anerkannten Komponisten entwickelt, die auch mit ihrer künstlerischen Persönlichkeit ihr Lehrwerk geprägt haben. Sie verwenden das sogenannte Orff-Instrumentarium, Blockflöten und natürlich die Singstimme; beide stellen auch ein besonderes Tonmaterial an den Ausgangspunkt ihrer Lehrwerke: Carl Orff die mittlerweile vertraute Pentatonik, Hans Ulrich Staeps die „Atritonische Reihe“.

 

                   „Die Atritonische Reihe (a-tritonisch= ohne Tritonus) ist als Tonleiter die ideale Basis für melodisches Improvisieren. Sie entsteht nach Eliminierung eines der beiden diatonischen Leittöne: der 4. oder 7. Stufe. Dadurch: breiteres, vom Kadenzzwang befreites Ausschwingen der Erfindung und – im Gegensatz zur reinen Pentatonik – Beibe­haltung einer Vielzahl reizvoller Akkorde.“

(aus dem Vorwort von Angewandte Rhythmik, Doblinger Wien)


Nach diesen Gemeinsamkeiten fällt jedoch auch bald das Unterschiedliche auf.

Mehr als das musikalische Tonmaterial ist es die Unterrichtssituation, in der sich diese beiden Ideen entwickelt haben, die ihre fundamentalen Unterschiede erklären kann. Die Ideen Carl Orffs entstanden in der Arbeit mit Erwachsenen, welche ihre musikalische Ausbildung bereits hinter sich hatten. Die Kopflastigkeit dieser Ausbildung und die damit entstandene Barriere zum spontanen, kreativen Umgang mit Musik, waren Anstoß für die Entwicklung des Orff-Schulwerks, welches in seiner Essenz als ein Rückbesinnen auf Verlorenes erscheint. Dadurch ist auch zu erklären, dass die Orff-Schulwerk-Pädagogik sich zwar in ihrer weiteren Entwicklung immer mehr mit sehr jungen Kindern beschäftigt, obwohl die Kompositionen der „Musik für Kinder“ sowohl von den spieltechnischen Anforderungen, als auch von der Wahl der unterlegten Texte (etwa aus Goethes Faust) erkennen lassen, dass diese Stücke sicher nicht für die Arbeit in Kindergarten oder Volksschule entstanden sind.

 

Ganz anders erscheint die Unterrichtssituation am Wiener Konservatorium, wo H. U. Staeps von 1940–1975 als Leiter der Ausbildungsklassen Blockflöte und Cembalo tätig war und sein Lehrwerk in jahrzehntelanger Arbeit entwickelte.
Nicht „verbildete“ Erwachsene (wie bei Carl Orff) sondern Kinder und Jugendliche standen Staeps hier gegenüber. Ein solches junges Publikum musste gar nicht erst von der vermeintlichen Sicherheit des beschriebenen Notenblatts befreit werden, sondern konnte von Anfang an in eine kreative, schöpferische Auseinandersetzung mit dem Notentext geführt werden. Das Entdecken von Neuem, Unbekanntem hat hier den Vorrang über das Wiederfinden von Vergessenem, Ursprünglichem.

 

Hans Ulrich Staeps hat sich aber niemals wirklich der Moderne seiner Zeit verpflichtet gefühlt. Im Gegenteil, mit seinem Kompositionsstil wie mit seinem pädagogischen Ansatz scheint er sich nicht gescheut zu haben, sich ganz bewusst gegen Mode und Zeitgeist zu positionieren, eine Einstellung die ein Persönlichkeitsmerkmal war und sowohl im Pädagogischen als auch bei seinen Kompositionen deutlich wird.

 

„Wir halten die so häufig laut werdende Forderung, es möge einer Spielgruppe von Jugendlichen oder Erwachsenen Raum zu völlig eigenständiger Improvisation gelassen sein, für illusionär. Die Praxis lehrt, dass Menschen sich zumeist gehemmt und ungelenk verhalten, wenn man ihnen den Griff ins Ungeformte überlässt und dessen harrt was da kommen soll. Wir glauben aber, dass der Satz Erfindung entspringt dem Gegebenen dort gilt, wo der persönliche Impuls des Leiters als Plan, Vorformung und Lenkung den Gestaltungsversuchen des Spielkreises zur Seite geht.“  (Angewandte Rhythmik, Heft 1, Atritonische Musik)

 

Eine solche Aussage, der wir heute bedenkenlos pädagogische Einsicht zugestehen können, bedeutete in den nach größtmöglicher Freiheit suchenden 60er und 70er Jahren eine eklatante Provokation. Andere Vorschläge, wie etwa Blockflöten im Ensemble mit Melodikas (wer kennt diese Musikgeräte heute noch?) zu kombinieren, würden wir heute hingegen bestenfalls mit Schmunzeln zur Kenntnis nehmen, ohne es aber jemals versuchen zu wollen. Für eine Bewertung  der „historische Aufführungspraxis“ der 60er Jahre ist es heute wohl noch zu früh.

 

Das „atritonische“ Arbeitsmaterial umfasst neben kreativen Übungen zur Rhythmik, welche sowohl gesungen, gespielt als auch notiert wurden, Spielmusiken, mit denen vor allem jungen Musikern, die kein Orchesterinstrument erlernten, Gelegenheit zum Ensemblespiel gegeben wurde. Während heute das Orff-Instrumentarium in vielen Musikschulen im Früherziehungsraum eingeschlossen wird und damit sowohl für ältere Schüler als auch für andere Lehrer unerreichbar wird, zeigt das Material der Atritonischen Musik Wege, in denen heterogene Schülergruppen mit diesen Instrumenten gemeinsam musizieren können, ohne dass Unterschiede des Alters oder der musikalischen Reife zu Ausgrenzungen führen. Besonders Klavierspieler oder Schüler der „schwierigen Instrumente“ sollen, durch den Einsatz spontan erlernbarer Schlaginstrumente, schon früh die Möglichkeit zu kammermusikalischem Zusammenspiel erhalten.

 

Besonders interessant scheinen die Spielstücke, welche in einem Klaviersatz (von Staeps als Gruppensatz bezeichnet) notiert sind und von den Mitspielern gemeinsam instrumentiert werden sollen. Dabei werden nicht nur Instrumente auf ihre spieltechnischen Möglichkeiten und musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten untersucht, auch die Notenvorlage erfährt eine gründliche Analyse. Die Schüler sollen erkennen, wenn sich eine Stimme aus der Umklammerung des Metrums löst und eine unabhängige Rhythmik entwickelt. Dazu Staeps in seinem Vorwort:

 

                   „Um so mehr Raum öffnet sich der Anwendung des Rhythmischen, wobei dieser Begriff hier als Verlaufsrhythmik sowohl als harmonische Rhythmik zu verstehen ist. Der Grundvorgang aller Verlaufsrhythmik, die Wechslung von Gerade und Ungerade im Zähler, von 2 und 2-Vielfachen im Nenner des Taktbruchs, tritt naturgemäß reichlich auf und nötigt Leiter und Spieler zu genauer Einsicht und mobiler Zählung ... So gilt es vor allem in den Stücken mit Taktschema die echten rhythmischen Formulierungen zu erkennen und durch Hilfseinzeichnungen zu verdeutlichen.“

 


Wie auch die Musik für Kinder Carl Orffs ist aber auch die Atritonische Musik von
H. U. Staeps in einer aktuellen Unterrichtssituation nicht unverändert einsetzbar. Dabei ist die spartanische Präsentation der einzelnen Bände sicher noch die geringste Barriere. Eine mehrjährige musikalische Ausbildung, die ausschließlich auf den Werken eines einzigen Komponisten aufbaut, ist vermutlich nur von dem Urheber selbst durchführbar. Es ist aber müßig, sich die Frage zu stellen, ob und wie sich eine Staeps-Methode hätte weiterentwickeln können, wäre in Wien eine Ausbildungsstätte ähnlich dem Orff-Institut in Salzburg entstanden.

Wichtiger wäre es hingegen zu prüfen, ob wir in der heute veränderten Situation des Musiklebens, in den Denkansätzen und Materialien die uns Staeps hinterlassen hat, nicht doch noch eine unerwartete Aktualität entdecken können oder ob wir diesen Aspekt seiner Arbeit als eine Fußnote im Kapitel der versäumten Gelegenheiten einordnen wollen.






Herbert Vogg: Hans Ulrich Staeps

Wer war dieser Hans Ulrich Staeps, der Generationen von Blockflötenspielern (und nicht nur Blockflötenspielern) so viele anregende Notenhefte hinterlassen hat?

1909 in Dortmund geboren, kam er 1940 nach Wien, blieb in Wien und war bis 1975 am Konservatorium der Stadt tätig, hielt neben dem Instrumentalunterricht Kurse für Neue Musiktheorie und für zeitgemäßen Gruppenunterricht und gründete und leitete das Seminar für Angewandte Rhythmik. Ein Leben lang ging es ihm um eine universale musikalische Elementarerziehung. Seine Arbeit mit dem Orff-Instrumentarium, seine Vorträge über Gegenwartsmusik, über Paul Hindemith im besonderen, aber beispielsweise auch über die Geschichte des Jazz öffneten seinen Zuhörern, seinen Schülern neue Dimensionen.
Er war ein Stiller im Lande, aber ein für seine Aufgabe Glühender, ein leidenschaftlich Weitergebender, ein Begeisterter, der auf die einfachste Art begeisterte: durch sein So-Sein. Man spürte bei ihm, dass Begeisterung – und das Vermögen, andere zu begeistern – das einzige und entscheidende Geheimnis des berufenen Lehrers ist. Die Persönlichkeit von Hans Ulrich Staeps ist tatsächlich mit einem Wort zu umreißen: Er war Lehrer.

Aus gesundheitlichen Gründen war ihm in seiner Jugend das Blockflöteblasen nahegelegt worden. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber in der Auseinandersetzung geschah Aneignung, die bald über Handwerkliches hinaus ging. Die Blockflöte wurde als humanes Bildungsmittel begriffen, als gesellschaftliches und erzieherisches Instrument. Sie wurde ihm zum Tonwerkzeug, mit dem „Musikliebende sich das Erleben im gemeinsamen Tun, das Erkennen gültiger musikalischer Zusammenhänge erschließen können.“ Für diese Aufgabenstellung wollte Musik produziert sein, und so wurde Staeps zum – wie er selbst es ausdrückte – „pädagogischen Komponisten“. Er schrieb Musik, die von „Ausführenden unterschiedlicher Fertigkeit“ bewältigt werden konnte, bei deren Wiedergabe sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene im gemeinsamen Tun und Erleben finden konnten.

Er war Ethiker und ein Ästhet und war keiner, der sich anpasste. Nichts war ihm unerträglicher als das hintergrundlos Vordergründige, der musikalische Materialismus. Da konnte er, ein Meister auch der geschliffenen Worts, streitbar werden. Er litt unter der lieblosen „Leichtfertigkeit“ eines Zeitgeistes der Verflachung und Verdummung. Er ging seinen Weg „zwischen den Zeiten“.

Aus unzähligen Begegnungen ist mir eine besonders wertvoll: Es war in den fünfziger Jahren bei Kulturtagen mit viel neuer Musik und hitzigen Diskussionen. In einer Pause sagte Staeps zu mir: „Lassen wir die! Gehen wir lieber spazieren!“ Ich muss wohl in irgendeinem Zusammenhang Thomas Mann genannt haben, jedenfalls erzählte mir Staeps von seiner engen Bindung an den Dichter und sein Werk, und mitten auf dem Gehsteig, mitten zwischen hin und her rennenden Menschen blieb er stehen, zog den ersten Band von Joseph und seine Brüder aus der Aktentasche, schlug das Buch auf und las mir, ungerührt um den Wirbel ringsum, die berührende Passage mit Jaakobs Abschied von seinem Sohn Joseph vor.
So war Hans Ulrich Staeps.


Prof. Dr. Herbert Vogg stand als Verlagsleiter im Musikhaus Doblinger, Wien, jahrzehntelang in enger Verbindung mit Hans Ulrich Staeps.



René Clemencic: Hans Ulrich Staeps

Meine Bekanntschaft mit Hans Ulrich Staeps reicht in das Kriegsjahr 1943 oder 1944 zurück. Ich war damals seit Jahren begeisterter Blockflötenspieler, Autodidakt, wenige Jahre vor der Matura. Es gab irgendein Monsterkonzert im großen Saal des Wiener Konzerthauses, mit einem buntern Kraut-und-Rüben-Programm. Unter vielem Anderem gab es eine Blockflöten-Solosonate des Barock, gespielt vom mir damals völlig unbekannten Staeps. Zum ersten Mal im Leben hörte ich Blockflöte in einem öffentlichen Konzert! In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 lernte ich im leeren Stephansdom, bei fernem Kanonendonner, anlässlich eines nicht mehr stattfindenden Konzertes Ernst Kölz kennen. Der Zufall führte uns wenige Wochen später in einem der ersten Nachkriegskonzerte wieder zusammen. Kölz teilte mir mit, dass er bei einem Lehrer Blockflöte lerne, eine mir damals völlig unbekannte Möglichkeit.
Dieser war H. U. Staeps am Konservatorium der Stadt Wien. Bald danach machte ich bei Staeps eine erfolgreiche Aufnahmeprüfung, halb privat, sehr inoffiziell, da kurz nach Kriegsende alles noch recht improvisiert war.
Jetzt gab es aufregende Jahre des Lernens (...). Es war von allem Anfang an ein äußerst unkonventioneller Unterricht. Staeps animierte mich dazu, die Musik als etwas sehr Freies anzusehen, als Material, mit dem man spielen, improvisieren konnte.
Wir improvisierten auch zusammen intensiv vierhändig am Klavier, auch verbunden mit spontaner, oft bizarrer Gestik und Pantomimik. Die Gedichtsammlung Anna Blume des Dadaisten Kurt Schwitters nahm dabei einen nicht unbedeutenden Platz ein. Und alles das im offiziellen Unterrichtspensum des Konservatoriums! Für einen jungen Menschen war dies natürlich sehr anregend und aufregend.
Diesen „Exzessen“ stand Staeps Verehrung von Thomas Mann und Paul Hindemith ausgleichend gegenüber. Eine Thomas Mann-Lesung erlebte ich erstmals an einem Sonntagvormittag im schönen Hietzinger Gartenhaus von Staeps. Hier fand alles in einer sehr kultivierten, besonnenen Atmosphäre statt.

Die Verehrung Hindemiths war bei Staeps eine fast grenzenlose. Er war besonders angezogen vom kosmisch-theoretischen Aspekt der Musik des reiferen, quasi klassischen Hindemith. Er wurde nicht müde, mir die Reinheit der Architektonik von Hindemiths Werken zu explizieren. Von anderen Zeitgenossen war nie die Rede, mit einer Ausnahme. Die Carmina Burana von Carl Orff wie auch das Orff-Schulwerk zogen Staeps irgendwie an. Vermutlich weil er dort meinte, Elementares, Ursprüngliches zu finden. (...)

In den späteren Fünfzigerjahren haben sich unsere Wege dann weitgehend getrennt.
Hans Ulrich Staeps war für mich in gewissen wichtigen Ausbildungsjahren eine ganz entscheidende Begegnung. Ich meine, alles wäre ohne diese bei mir musikalisch anders geworden. Den freien, spontanen Zugang und Umgang mit Musik habe ich ihm entscheidend zu verdanken! Aber auch das Nachdenken über Musik. Musik nicht nur rein ästhetisch, isoliert von Weltanschaulichem zu erleben, sondern immer eingebettet in umfassendere Zusammenhänge!

René Clemencic:
Komponist, Dirigent, Blockflötist, Gründer und Leiter des Clemencic Consort

 


Philipp Tenta
lebt als freischaffender Musiker und Pädagoge in Taiwan und Österreich. In seinen Kompositionen setzt er sich sowohl mit traditionellen Musikkulturen als auch mit den modernen Klangmöglichkeiten der Blockflöte auseinander. Ein Großteil seiner Werke ist jedoch einem jugendlichen Publikum gewidmet. Mehrere pädagogische Arbeiten sind in den letzten Jahren in Taiwan erschienen. Kompositionen für Blockflöte in verschiedenen Besetzungen sind bei Moeck und Doblinger erhältlich

Kontakt:
Philipp Tenta
Berggasse 29/12
A-1090 Wien

 

 

Es stellen sich vor ...


Notenlinie, 75334 Straubenhardt



Die „Notenlinie“ – ein kleiner Musikladen mit großer Atmosphäre. Antiquitäten und alte Balken schmücken das Geschäft, das liebevoll von der Inhaberin Bianca Studnitzky dekoriert wurde. So gibt es in der „Notenlinie“ nicht nur Blockflöten, Kleininstrumente, Noten, Bücher und sämtliches Musikzubehör, sondern auch allerlei zum Krusteln: Von Musik-Socken (sogar mit Blockflötenmotiv), Janosch-Musikpostern, Notenkerzenständern bis hin zu Notennudeln – wer ein Geschenk für einen Musikliebhaber braucht, findet hier gewiss etwas Außergewöhnliches und bekommt dazu eine kompetente Beratung. Bianca Studnitzky studierte an der Hochschule für Musik/Karlsruhe Blockflöte bei Robert Ehrlich und Leonardo Muzii und konzertiert regelmäßig im In- und Ausland. CD- und Rundfunkaufnahmen sowie Unterrichtstätigkeit auf den Galapagosinseln schlossen sich an. Seit 1995 unterrichtet sie an mehreren Musikschulen – kurzum: Sie ist selbst begeisterte Musikerin, spielt neben der Blockflöte noch viele andere Instrumente und kann so ihre Kunden vielseitig beraten.

Die Idee mit dem Laden entstand eigentlich aus der Not, da es in der näheren Umgebung kein geeignetes Musikgeschäft gab. Nach dem erfolgreichen Start in Miniräumlichkeiten in einem kleinen Ortsteil von Straubenhardt in der Nähe von Pforzheim sprach sich der Geheimtipp immer mehr herum: Die „Notenlinie“ sollte vergrößert werden. Bianca Studnitzky und ihr Lebenspartner beschlossen, ein altes Haus von 1750 inmitten von Schwann zu erwerben und sowohl für den gewerblichen wie auch privaten Gebrauch umzubauen. Nach gut einem Jahr Nerven- und Knochenarbeit ist die „Notenlinie“ nun fertig geworden und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der kleinstädtische Standort ist kein Nachteil: Es gibt viele Kunden, die nach wie vor lieber auf dem Land einkaufen, die Ruhe, das persönliche Gespräch, die gemütliche Atmosphäre sowie die Parkplätze unmittelbar vor dem Geschäft schätzen.
„Frau“ muss natürlich auch immer etwas bieten, und so veranstaltete die „Notenlinie“ in Zusammenarbeit mit der örtlichen Jugendmusikschule Neuenbürg vor kurzem einen großen Blockflötentag. Unter anderem war der Blockflötenbauer Joachim Kunath zu Gast und bot eine „Blockflötenklinik“ an: Hierzu konnten „kranke“ Blockflöten zum Reparieren mitgebracht werden. Am Nachmittag stand ein Workshop über Blockflötenbau auf dem Programm. Die Resonanz war toll und ein weiterer Workshop mit Schwerpunkt „Intonieren einer Blockflöte“ ist geplant.
Die „Notenlinie“ ist seit Firmengründung auch im Internet vertreten und bietet dort eine Auswahl ihres Sortiments zum Bestellen oder einfach nur Informieren an unter www.notenlinie.de oder auf der großen Plattform rund um die Blockflöte: www.blockfloete.de. Hier gibt es einen Service, Interaktives, Shops sowie viele Infos zur Blockflöte – vorbeischauen lohnt sich!

Kontakt:
Notenlinie
Hauptstraße 117
75334 Straubenhardt-Schwann
Tel.: 07082/940620
Fax: 07082/946021

bianca@blockfloete.de

 

 

Kongresse, Symposien, Seminare ...

 
Vorschau


Ein Blockflötenfest mit Hans-Martin Linde

zum Anlass seines 70. Geburtstages

Samstag/Sonntag 25./26. November 2000 in Mössingen bei Tübingen (Baden-Württemberg)

 

Blockflöten-Kurs: Hans-Martin Linde unterrichtet eigene Stücke

Komponisten-Portrait (Moderation: Gerhard Braun, Solisten: Hans-Martin Linde, Johannes Fischer, Dirigent: Hans-Martin Linde

Blockflötenfest: „Musik zu einem Blockflötenfest“ für Blockflötenensemble und Sprecher (Hans-Martin Linde), Preisträger „Jugend musiziert“ spielen Ensemble- und Solowerke von Hans-Martin Linde

 

Info: Jugendmusikschule Steinlach    

Postfach 1244, 72116 Mössingen

Anfragen an Siegfried Busch

Tel: 074736772, Fax: 271442

siegfr.busch@t-online.de

 





Tage der Alten Musik
am 14.–17.9.00 in Zywiec, Polen

Zywiec, eine Stadt mit über 700jähriger Geschichte, ist eine der interessantesten Städte der Bielsko-Woiwodschaft in Süd-Polen und wird zu den prächtigsten touristischen Attraktionen in Polen gezählt.
Alljährlich im Herbst wird im Schlosshof Musik von Barock und Renaissance und ein interessantes Rahmenprogramm aufgeführt: Konzerte, Poesieabende, Theater- und Tanzvorstellungen, Vorträge, Ausstellung von Musikinstrumenten und Noten, Spielfilme über Alte Musik u. a.
Hinzu kommt ein Wettbewerb für Schülerensembles und die „Musikwerkstatt“ mit Kursen über Gesang, Viola da Gamba, Laute, Barockgeige, Blockflöte, Cembalo u.a.
Künstlerische Leitung: Anna Szelinska-Mikus, Grzegorz Tomaszewicz

Info:
Impresariat „T&S“, ul. Grodzka 62/7a, PL-31-044 Kraków, Tel/Fax: 0048-12/422 46 52 und 004822/825 77 91

 

Symposien, Kongresse, Seminare ...


Nachlese

 

Stockstadt 2000

 

In welches Stockstadt fahren wir eigentlich? Wohlberaten all diejenigen, die sich vor der Reise informiert hatten. Denn auch in diesem Jahr hat sich wieder so mancher verfranst. Stock-Städte gibt es derer nämlich zwei: laut Postleitzahlenbuch das eine am Main und das andere am Rhein – in nicht allzu großer Entfernung auch noch! In unserer Eigenschaft als Forum für die Blockflöte sei daher fürs kommende Jahr am 25. bis 27. Mai 2001 vorgebeugt: Man begebe sich am Himmelfahrtswochenende in rheinische Gefilde nach 64589 Stockstadt, bringe seine unter Umständen nicht an der Blockflöte interessierte Familie gleich mit und schicke sie unterdessen zum Wandern in die schönen Auen an den benachbarten Altrhein.

 

Doch widmen wir uns dem eben vergangenen, wohl größten deutschen Blockflötentreffen. Eine große Anzahl an Ausstellern, Amateuren, Liebhabern, Lehrern, Studenten, Solisten und Stars tummeln sich einträchtig auf dem Areal des Sport- und Kulturzentrums der Altrheinhalle. Da beraten Instrumentenbauer alte und neue Kunden, werden Instrumente repariert und Schnäppchen gemacht; es werden Notenausgaben verglichen und CDs gehandelt. Grob geschätzt dürften Hunderte von Blockflöten verschiedenster Hersteller durchprobiert worden sein, was zu Stoßzeiten ohrenbetäubende Flötengewitter produzierte. Dem süßen Lärm zum Trotz scheint doch so mancher sein Lieblingsinstrument herausgehört zu haben. Ja, wenn EC-Automaten sprechen könnten ...

 

Auch für den Wohlklang war gesorgt – neben musikalischen Newcomern hatte man wieder altbewährte Standard-Artisten verpflichtet. Marion Verbruggen unterrichtete den zahlreichen Nachwuchs in Sachen van Eyckscher „Flötenlusthof“ mit einprägsamen Bildern wie: „Läufe nach oben immer etwas schwerfälliger als nach unten. Denn eine Treppe hinaufzukommen ist anstrengender, als diese hinunterzuspringen.“

Im ersten Konzert erfrischte das Ensemble Ornamente 99 den unklimatisierten Zuhörerraum mit kühler Akrobatik aus dem Barock. Die Lektion an Trillern und Schlenkern geriet denn auch zu einem Ratespiel, altbekannte Stücke im dekorierten Klangkleid überhaupt wiedererkennen zu können.

Die 6 jungen Solisten der Weimarer Hofsänger bestritten mit 4- bis 6-stimmigen Werken ein Konzertprogramm von W. Byrd bis zu den Beatles. Ihr großes Können, ihr Witz und Charme riss das Publikum insbesondere in den Zugaben zu Begeisterungsstürmen hin. (Übrigens das einzige Konzert ganz ohne Flötenbeteiligung.)

Weshalb der Kassenschlager Amsterdam Loeki Stardust Ensemble nach wie vor die doppelte Menge an Zuhörern zusammenbringt, bleibt zumindest musikalisch ein Rätsel. So bewundernswert statischer Wohlklang und ausgefeiltes Ensemblespiel auch sein mögen, dürfte sich doch so mancher wehmütig an ihre schmissigeren Zeiten erinnert haben. Mit der momentanen Vorliebe für einseitige Programme alter Musik ohne Anfang und Ende manövrieren sie sich zwangsläufig in eine Zwickmühle: Wie sollen Vokal- oder Gambenwerke mit schwerfälligen tiefen Blockflöten an Ausdruck gewinnen, wenn man sich auf permanentes Intonieren beschränkt? Musikalische Antiseptik passt eigentlich in die Alte Musik am allerwenigsten.

So ziemlich das Gegenteil erlebte man beim Abschlusskonzert des Flanders Recorder Quartet und dem Countertenor Steve Dugardin. Hemdsärmelig und musikantisch begleiteten die Flöten im Sinne einer Kammerorgel – man vergaß dabei das Leidwesen der Intonationsübungen und ließ sich einfach mitreißen. Ins Programm schlichen sich selten gehörte Stücke wie Ralph Vaughan Williams Blockflötensuite von 1939, sowie eine neue Komposition vom jungen Piet Sweerts. Letztere mag als gutes Beispiel gelten, dass neue Musik auch ohne den intellektuellen Zeigefinger auskommt. Der Titel Three Gadgets verrät einen gekonnt gemachten Klangzirkus aus weitgehend tonalen Elementen und rhythmisch aufgescheuchter Nostalgie. Welch ein Hoffnungsschimmer – bitte mehr davon! Auch die Zugabe machte Laune: Ein humorvoll arrangierter Flickenteppich aus alla turca, Radetzkymarsch und Hummelflug. Da rollt vor dem geistigen Auge in guter musikalischer Stummfilmkomik eine Drehorgel in den musikalischen Crash. Hernach war so manchem Ensemble-spielenden Zuhörer ein merkliches „Wo-kriege-ich-dieses-Stück-her?“ anzusehen.
Nik Tarasov

 





Leckerbissen bei early music im Ibach-Haus, Schwelm

Zu berichten ist von einem gelungenen Experiment an fünf Samstagnachmittagen in Schwelm bei Wuppertal: Eine Konzertreihe – begleitet von einem jeweils vorausgehenden anschaulichen wie informativen Leckerbissen. So stellte u. a. Adriana Breukink ihre neusten Instrumente und Ideen vor, Manfredo Zimmermann gab in Vortrag und konkreter Demonstration Tipps und Tricks zur Blockflötenbeurteilung oder Ralf Ehlert reparierte vor Ort, was ihm an Instrumenten vorgelegt wurde. Das Publikum, nur selten unter 100 Besucher, genoss diese Verbindung von Beiprogramm und Konzert sichtlich, und es entstanden facettenreiche Begegnungsnachmittage mit der Blockflöte, die eine zusätzliche Attraktivität dadurch gewannen, dass „early music im Ibach-Haus“ bis zum Veranstaltungsbeginn seine Pforten geöffnet hielt. Zuhören, stöbern, lernen, anspielen, genießen – die Palette der Möglichkeiten war jedes Mal reichhaltig wie anregend.
Die Konzerte selbst boten ein breites Spektrum dessen, was heute die Blockflöte in Deutschland zu leisten vermag: Flautando Köln, Marais-Consort, Bois de Cologne und das Nadja Schubert Quartett begeisterten das Publikum, das auch von weither angereist war.
Man darf schon gespannt sein auf die nächste Veranstaltungsreihe, die am 9. September mit Konzerten  und Meisterkursen des Flanders Recorder Quartet beginnt.

 

 

Reisen bildet ...


Betriebsausflug

... zum Flötenbauer nach Fulda


Die Fuldaer Blockflötenfirma Mollenhauer hat die Neugestaltung ihrer Betriebsräume genutzt, um ein schon seit Längerem verfolgtes Konzept in neuer und umfassender Weise umsetzen zu können: die konsequente Öffnung nach außen.
Dabei werden nicht nur Schulklassen, Spielkreise und Musiziergruppen angesprochen, sondern auch Studenten oder MusikschullehrerInnen – eben alle Freunde der Blockflöte, Laien oder Profis, die hier ein interessantes, direkt auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Angebotspaket finden können.


Werkstattführung und interaktives Museum
Kernstück des Angebotes ist eine ausführliche und qualifiziert begleitete Besichtigung der Blockflötenbauwerkstatt. Die vielfältigen Schritte bis zur Fertigstellung einer Blockflöte, die ganz besondere Atmosphäre einer Flötenbauerwerkstatt, die Hölzer, interessanten Werkzeuge und Maschinen lassen manch einen das so unscheinbare Instrument Blockflöte mit anderen Augen sehen...

Das neu gestaltete kleine Instrumentenmuseum erlaubt einen Blick auf verschiedene Stationen der Flötengeschichte. Hier heißt es (nicht nur) für Kinder und Jugendliche aktiv zu werden: Verschiedene Aufgaben, Spiele und Materialien laden dazu ein, sich mit der Blockflöte, ihrer Geschichte und mit Fragen des Blockflötenbaus auseinander zu setzen.
Dieses „interaktive Museum“ soll keine Staubfänger beherbergen, sondern ein Ort lebendiger Begegnung mit der Blockflöte und zwischen BlockflötistInnen sein. Deshalb geschieht seine stets wechselnde Ausgestaltung in der ständigen Zusammenarbeit mit BlockfötenlehrerInnen und mit interessierten Blockflötenklassen verschiedener Musikhochschulen.

Nun kann das „Paket“ für einen Ausflug oder für ein Wochenende noch weiter gefüllt werden, z.B.:
– Information: Vorträge und Workshops rund um die Blockflöte
– Musik:                       Musizieren und Proben in den Seminarräumen der Firma Mollenhauer ...
– Kultur:                      Dom, Schloss, historische Innenstadt, Feuerwehrmuseum, Planetarium ...
– Unterhaltung:             Kinderakademie, Schwimmbad, Abenteuerspielplatz ...
– Natur, Sport:             Wandern im Biosphärenreservat Rhön, Naturschutzzentrum
                                   Wasserkuppe, Rhön-Therme, Kanu-Fahren ...

Bei der Zusammenstellung ihres ganz individuellen „Paketes“ werden Interessenten ausführlich beraten.

Info:
Conrad Mollenhauer Flötenbau
Weichselstraße 27, D-36043 Fulda
Tel: 0661/9467-0, Markus Berdux: 0661/9467-0
Fax: 0661/9467-36
E-Mail: besuche@mollenhauer.com

 

 

 

Forum Windkanal


Gruselkabinett Blockflötenmethodik?


Unkonventionelle Hilfestellung bei technischen Problemen

Im Blockflötenunterricht tauchen immer wieder technische Probleme auf, denen manchmal mit allen guten Worten und ausgefeiltester Methodik nicht beizukommen ist. Ob Körper- und Fingerhaltung oder auch Probleme der Atmung – nicht selten weiß man sich einfach keinen Rat mehr. Siegfried Busch, engagierter Blockflötenlehrer mit Sinn für Humor, lässt uns einen Blick auf sein methodisches Hilfsmaterial werfen ...


Viele Schüler lassen beim Spielen den Kopf und damit auch die Blockflöte nach unten hängen, was sich physiologisch und optisch nachteilig auswirkt. Ein einfaches Hilfsmittel hiergegen ist ein Klappnotenständer, zwischen dessen oberes Gestänge die Flöte gehalten wird. Wenn der Ständer entsprechend hoch eingestellt ist, ergibt sich automatisch eine gute Haltung.

Foto 1


Ein weit verbreitetes Übel ist der an der Flöte seitlich angelehnte rechte Zeigefinger, mit dem die Flöte zusätzlich abgestützt werden soll. Dieser Finger wird dann nicht mehr korrekt aus dem Fingerwurzelgelenk heraus bewegt, sondern das Tonloch wird lediglich durch Einkrümmung der vorderen Fingerglieder geschlossen. Dadurch ist aber der Zeigefinger nicht frei beweglich und behindert so die Geläufigkeit. Es hilft ein Stück Klebeband mir einer an der richtigen Stelle angebrachten Reißzwecke:

Foto 2

Zu große Fingerbewegungen sind unökonomisch und deshalb unerwünscht, von Spezialeffekten abgesehen. Hier hat sich eine Vorrichtung bewährt, bei der ein über den Grifflöchern angebrachter Stab die übergroßen Fingerbewegungen verhindert und den übenden ständig an sein Problem erinnert. Durch die Gelenkverbindung kann der Stab parallel gesenkt werden.

Foto 3

Gelegentlich werden die Druckverhältnisse im Mundraum gestört durch unbewusstes Öffnen der Gaumensegel, wodurch beim Blasen Luft durch die Nase entweicht. Eine schwache medizinische Klammer macht dieses Problem bewusst und hilft beim Abstellen der Untugend.

Foto 4

Nun – Wer hat noch weitere Tipps auf Lager? Vielleicht interessiert sich ja die Zubehörindustrie dafür und es sind lukrative Lizenzen zu vergeben?

Kontakt:
Siegfried Busch
Königsberger Straße 23
72116 Mössingen
Tel: 07473/6772, Fax: 07473/271442, siegfr.busch@t-online.de

 

 

Interessant & informativ

 


Zum Lesen,  Spielen und Hören ...


Blockflöten Marke „Hufeisen“

 

Eine doppelte Premiere hatte der Komponist und Blockflötist Hans-Jürgen Hufeisen im Mai zu feiern: Seine Konzertflöten gingen in Serie – zur Feier des Tages spielte er mit dem neuen Serienmodell auch eine neue Komposition: „Mein Schutzengel“. Die zunächst erscheinenden Sopran- und Altflöte sollen den von Hufeisen gespielten Flöten in nichts nachstehen. Seine Anforderung an die Serienmodelle: Blockflöten, auf denen nicht nur Bach und Händel hervorragend klingen soll, sondern mit denen Flötisten auch Musik von heute spielen können.

 

Produziert werden die Instrumente bei der H. C. Fehr Blockflötenbau AG (Stäfa/Schweiz), wo  Flötenbauer Gerd Melchers  in Zusammenarbeit mit Hans-Jürgen Hufeisen den Prototyp entwickelte.
Hufeisens Vorstellung ist ganz deutlich: „Frech und gleichzeitig lieb, laut und leise soll man auf den Flöten spielen können." Deshalb ist die Klangbreite der Flöte wesentlich größer als bei den bisherigen Flöten und soll ein Repertoire ermöglichen, das vom Barock bis in die Moderne reicht.

Europäischer Buchsbaum gibt der Flöte, die mit aufwändigen Drechslerarbeiten und einem goldenen Hufeisen verziert ist, einen warmen, tragenden Klang. Der künftige Besitzer kann auch andere Hölzer wählen. Zusätzlich zu den beiden integrierten Silberringen kann er Goldschmuck ordern oder einen Edelstein  – entweder beim Kauf oder später. 

 

Der Verkaufspreis wird für die Sopranflöte zwischen 900 und 1.000 Schweizer Franken, für die Altflöte auf 1.500 oder 1.600 Schweizer Franken kalkuliert.


Claudia Kundigraber

 

Kiddy Playback Hits für Sopran-Blockflöte – Frank Schoettl, Gerig Music EM 5423, Demo-Part: Nadja Schubert.

Mann, was geht denn hier ab? Da wird aus der ansonsten so stillen Sonatenblockflöte alias Flauto Dolce unversehens eine Pop-Blockflöte. Auch der ausgewachsene Flötenspieler benötigt dazu nichts weiter als die Kid-Parade für Kinder ab 6 Jahren und einen unbeobachteten Moment, um den Tennisschläger wegzulegen und vor aufgedrehter Stereoanlage mit gezückter Blockflöte ein „Warum ist nicht alles so gut wie ein...!“ in die imaginäre Menge zu rufen. One, two, one two three four ... Ab geht’s wie von alleine! Da erwacht das Kind im Mann, und der Rest ist musikalische Aerobic. (Wie gelenkig man doch plötzlich ist!)

Gut, natürlich sind CD und Notenheft in erster Linie für Jüngere gemacht. Jedoch, wir kennen das ja – die „Eisenbahnanlage“ wird vor allem deshalb so gepflegt, damit auch der Papi ein ganz klein wenig Freude daran hat ...

Selbst als etwas fortgeschrittener Blockflötenspieler hat man einen Gaudi mit den Sounds von Coco Jamboo oder dem figurativ etwas anspruchsvolleren What is Love – Baby don’t hurt me, wo man doch jetzt endlich auch mal mitmachen kann. Und ertappt sich beim in-Terzen-Mitspielen oder gar einem eigenen Improvisationsversuch. So ähnlich, wie man es ja von Nadja Schubert kennt, welche den Demo-Part der CD eingespielt hat. Man erinnert sich an Konzerte in Clubs, wo sie über einem, coole Rhythmen brummenden, E-Bass unbeschwerte und jazzig rauchige Blockflötentöne legt. Hier jedoch, im Gegensatz zu ihren sonstigen CDs, einmal ganz brav, bläst sie nur die bekannten Hitmelodien, ohne verspieltes Beiwerk. Also, Nadja macht es vor, und dann kann man sich selber am Playback versuchen. Gut dran ist derjenige, welcher Ohrwürmer, wie Karl der Käfer, Pippis poppige Langstrümpfe oder Jim Knopfs Tekkno-Lokomotive schon im Kopf hat. Dann fällt einem nämlich das Spielen wie aus dem Gedächtnis besonders leicht, auch wenn man die Noten vor sich hinlegt. Und dann schafft man auch den spielenden Einstieg in die Welt der Glissandi und fetzigen Synkopen, ohne die im Pop rein gar nichts läuft. Zählen muss man wie ein Luchs; denn wer einmal bei der gnadenlos vorwärtsstampfenden Rhythmusmaschinerie den Einsatz versäumt, kann gleich wieder die Wiederholungstaste drücken. Ein waches Flötenlehrerauge erkennt einen gewissen Ansatz gut illustrierter, progressiv aufbauender Lernschritte in der Anordnung der Hitparade. Etwa in der Erweiterung des Tonraums auf beinahe zwei Oktaven und das eine oder andere Vorzeichen.

Doch überlassen wir das Feld bei soviel Powerplay lieber den Kindern und Jugendlichen. Wenn ihr Gedächtnis bei kurzlebigen Sommerhits aus der letzten Saison, wie Bailando nicht mehr ausreicht, so liegen sie spätestens bei einer von groovigen Keyboards aufgepeppten Biene Maja wieder voll im Spaß. Üben in Disco-Atmosphäre – logo, voll cool – Mann, ey ...!

 



Scripta Artium Nr. 1, Herbst 1999, Neue Schriftenreihe zur Kultur- und Kunstgeschichte, Universität Leipzig

 

Die Universität Leipzig hat zu ihren Beständen in Sammlungen und Museen eine lesenswerte Informationsschrift ins Leben gerufen, deren erste Ausgabe sich musikwissenschaftlichen Themen widmet und als Festschrift für Rainer Weber erschienen ist. Neben einem Veröffentlichungsverzeichnis Weberscher Beiträge (welcher als vielgefragter Restaurator historischer Holzblasinstrumente übrigens auch viele Flöten instand gesetzt hat) haben namhafte Autoren verschiedene Artikel zu alten Instrumenten beigesteuert, von denen uns diejenigen zur Blockflöte besonders interessieren.

Stefan Ehricht warnt am Beispiel einer Museumsblockflöte vor den Folgeschäden bei Anwendung des Holzschutzmittels Hylotox 59, welches die dauerhaft gefährlichen Wirkstoffe DDT und Lindan enthält. Das kontaminierte Instrument wurde daraufhin in Testbenzinbädern wieder entgiftet und die Lösungsmittel als Sondermüll entsorgt. Arme Flöte ...!

Eine weitere Rätselstunde über die Restaurierung hinaus hat Klaus Martius im Artikel Herkunft, Lagerung und Präparation von Tonhölzern im Spiegel historischer Quellen zusammengetragen. Nett zu lesen, wie auch bei Flötenholz die Meinungen seit eh und je auseinandergehen.

Annette Otterstedt und Klaus Reiners schreiben in ihrem Beitrag Solange sich die Sache beheben lässt über die Flöten der Renaissance. Die Quellenlage ist hier bekanntlich sehr lückenhaft. Mit gewichtigen Argumenten drängen sie so manche etablierte These auf dünnes Eis. So wird die Mär um die so genannte Ganassi-Flöte recht nüchtern auf wirklich gesicherte Erkenntnisse zusammengestutzt. Für Liebhaber gewiss starker Tobak, jedoch sehr aufschlussreich. Ferner werden verwaschene Terminologien in Unterscheidung zwischen Renaissance- und Barockflöten treffend unter die Lupe genommen. Sätze, wie „Blockflöten spielen im heutigen Musikleben – einschließlich des Wirtschaftszweiges Alte Musik – eine Rolle, die ihre quantitative und musikalische Bedeutung in den Epochen vor 1730 um ein vielfaches übersteigt“ kann man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Neuer Lesestoff für Csakan-Interessierte ist auch Peter Thalheimers Aufsatz über Die Wiener Tradition des Flauto d’amore. Seine Recherchen zu Repertoire und Instrumentarium eines Flötenensembles um 1800 bieten bisweilen auch heitere Informationen zur spärlich erschlossenen Blockflötenkultur dieser Epoche.

Lesenswert ebenso Martin Kirnbauers neue Erkenntnisse zu den so genannten Eunuchenflöten. Vielleicht ist es nun nur noch eine Frage der Zeit, bis dieses Kuriosum der Instrumentengeschichte in Reihen gewisser Liebhaber wieder zum klingen kommt?

 

 

Musiklädle’s Blockflöten Noten Handbuch 2000 – Vorabkopie

Wer hat nicht schon öfter nach Notenausgaben von Blockflötenmusik gesucht? Womöglich nach Musik in einer ganz bestimmten Besetzung?

Entweder man nervt mit seinen Fragen einen überforderten Musikalienhändler oder man schlägt selbst in Fachbüchern nach.

Bisherige Standardwerke, wie die dreibändige Blockflötenbibliographie von Hugo Alker aus den Jahren 1966 bis 1975, oder der französische Letteron von 1989 sind durch die ständig wachsende Flut an Neuerscheinungen längst überholt.

Nun überrascht uns ein hochaktueller, noch unpublizierter Katalog unter dem bescheidenen Titel Musiklädle’s Blockflöten Noten Handbuch 2000. Darunter verbirgt sich ein staunenswerter Wälzer, akribisch in jahrelanger Arbeit zusammengestellt vom Karlsruher Musikalienehepaar Schunder.

Man ist selbst überrascht, wie viel gedruckte Blockflötenmusik es schon zu geben scheint.  Nach Besetzung alphabetisch geordnet, werden Tausende von Titeln aufgeführt (mit Verlags-, aber ohne Preisangaben). Sogar in Vorbereitung befindliche Werke sind bereits erfasst. Man müsste schon ein arger Fachmann sein, um hie und da etwas Übersehenes zu bemängeln. Haben wir es hier etwa mit einem neuen Standardverzeichnis der Blockflötenliteratur zu tun? Wenn dem so ist – und ganz danach sieht es ja aus –dann dürfte sich sicherlich bald ein interessierter Verleger finden lassen.

 

Recorder MusikMail – Recorder Music Catalogue, Spring 2000

Für des Englischen Mächtige erschien kürzlich ein weiterer Leitfaden durchs Notendickicht. Nur fällt das Heft mit seinen knapp 50 Seiten weitaus bescheidener aus als sein deutscher großer Bruder. Nichts für Fanatiker also, aber ein hübsches Einstiegskompendium, eine Art Orientierungshilfe für zwischendurch.

Dafür ist dieser kleine Katalog schon gedruckt und sogar im Internet abrufbar. Man sende einfach ein E-Mail an: ruth@recordermail.demon.co.uk

Eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden ungleichen Nachschlagewerken gibt es aber doch: In beiden Katalogen sind die Verlagsangaben oft durch gängige Editionskürzel kodiert. Ein Abkürzungsverzeichnis könnte da hilfreich sein.

 

Nik Tarasov